22.03.2019 - 11:07 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Das originelle Original

Das schaffen ganz wenige Marken: Zum Synonym für alle zu werden: Tempo, Uhu und Tesa fallen uns ein und - natürlich - Jeep. Wir testen nicht irgendeinen Geländewagen, wir testen das Original.

Stattliche Erscheinung: Jeep Wrangler Unlimited Sahara mit 200-PS-Diesel-Motor.
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Vor uns steht ein ziemlich großer, schwarzer Kasten. Es ist der neue Wrangler in der langen Version, der dann Unlimited heißt. Mit den Willy's Jeep aus dem Zweiten Weltkrieg hat dieser Wagen nichts zu tun. Aber: Er kokettiert schon noch mit der Familienzugehörigkeit, streckt seinen siebenspaltigen Kühler forsch in den Wind und kann strippen wie kein Zweiter: Dach, Türen, Windschutzscheibe - alles lässt sich abbauen oder wegklappen (Das Werkzeug dafür liefert Jeep gleich mit), und so wird aus dem rundum geschützten Geländergänger ein Strandbuggy. Runde Scheinwerfer, frei montierte Kotflügel, sichtbare Schrauben und Scharniere, robuste Türgriffe: So fährst Du über die Allee wie einst Elvis durch die Oberpfalz. Was Elvis nicht hatte: Sitz- und Lenkradheizung, Automatik und eine fette Soundanlage. Unser Modell "Sahara" kostet als Langer mit dem empfehlenswerten 200-PS-Diesel (einzige Alternative wäre ein 270-PS-Benziner) 56 000 Euro in der Basis. Mit Metallic-Lack, Technologie-Paket, elektrischer Differentialsperre für die Hinterachse, Ledersitzen, Dual-Top-Lackierung, Sitzheizung vorne und Allwetterfußmatten bringt es der Ami auf stattliche 62 130 Euro.

Das ist viel Geld, der Jeep bietet aber auch viel. Von seiner Wandlungsfähigkeit haben wir schon gesprochen. Dazu kommt die absolute Geländegängigkeit. Der Hersteller versucht auch in dieser jüngsten Generation gar nicht, bewährte Technik aufzugeben. So "ruht" die Karosse nach wie vor auf einem Leiterrahmen, und die grobstolligen Reifen hängen an Starrachsen. Wilde Hunde lieben das, denn im unwegsamen Gelände fühlt sich der Wrangler sauwohl. Das Allrad-System arbeitet in vier Betriebs-Modi: ,,2H" (Hinterradantrieb mit Straßenübersetzung), ,,H AUTO" (vollautomatischer, aktiver Vierradantrieb mit Straßenübersetzung), ,,4H Part-Time" (zuschaltbarer, permanenter Vierradantrieb mit Straßenübersetzung), ,,N" (Neutral) und ,,4L" (Permanenter Vierradantrieb mit Geländeuntersetzung). Im Klartext: Bei der Geländegängigkeit ist der Wrangler unschlagbar.

Heißt das auch Komfortverzicht? Jein. Freilich betrachtet der Jeep Kurven als natürlichen Feind, hebt sich eher rum, als dass er sich durchpfeilt und logisch ist auch, dass es bei Autobahntempo lauter wird als in einem SUV-"Geländewagen". Aber: Der Wrangler bietet schlüssellosen Zugang, ein recht logisches Navi aus dem Konzernregal von Fiat, Anbindung von Handys per Apple Carplay und Android Auto und eine gut ansprechende Heizung-/Klimaanlage. Die Luft strömt aus kreisrunden, chromeingefassten Düsen, die man als antiquiert empfinden mag. Uns gefallen sie. Massive Griffe, leicht zu reinigende Oberflächen, gute Übersicht - das erwarten wir vom Original und bekommen es - selten originell - geliefert. Howdie!

Der Jeep kann strippen wie kein zweiter: Herausnehmbare Dachhälften, demontierbare Türen und klappbare Windschutzscheibe im Wrangler.
Die Laderaumtür ist rechts angeschlagen, über der oberen Hälfte öffnet sich eine Glastür.
Hinten reicht der Platz für drei.
Massive Griffe, leicht zu reinigende Oberflächen, gute Übersicht.
Der Jeep Wrangler Unlimited Sahara mit 200-PS-Diesel-Motor ist fast fünf Meter lang.
Eindeutig ein Jeep: Den Grill mit sieben Stegen hat sonst keine Marke (außer dem Mahindra-Plagiat aus Indien).
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