(jrh/söm) Medizin auf Top-Niveau setzt Forschung auf internationalem Level voraus. Damit das auch im ländlichen Raum ankommt, müssen Forscher und Ärzte ständig zu Kongressen in die Metropolen reisen. Die Folge: weniger Zeit für Patienten und Studenten. Die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden und die Technische Hochschule Deggendorf schaffen nun mit einem neuen Veranstaltungsformat Abhilfe:
"Das ist eine Sternstunde der menschlichen Entwicklung", sagt Prof. Stefan Sesselmann von der OTH Amberg-Weiden. "Oberpfälzer und Niederbayern überwinden Zeit und Raum." Tatsächlich betreten beide Hochschulen Neuland. Gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Thomas Spittler von der TH Deggendorf hat er vier Vorträge über Digitale Endoprothetik, Biomechanik in der Orthopädie, Nachbehandlungstechniken nach moderner Prothesenversorgung und Rehabilitation als Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Physiotherapeuten und Klinikmitarbeiter zusammengestellt.
Simultan in zwei Hörsälen
"Neu ist, dass diese Veranstaltung an zwei verschiedenen Orten in Niederbayern und der Oberpfalz gleichzeitig stattfindet", erklärt Sesselmann. Die Vorträge und Fragerunden werden zwischen den Standorten Amberg und Pfarrkirchen hin- und hergestreamt. "Wer sich weiterbilden und austauschen will, muss also nicht durch ganz Ostbayern fahren, sondern kann sich den am günstigsten gelegenen Standort aussuchen", ergänzt Thomas Spittler. Moderne Technik kann Nachteile im ländlichen Raum gegenüber den Metropolen ausgleichen. Der Pilotversuch, da sind sich beide Wissenschaftler einig, wird Maßstäbe setzen. Denn die erhofften Segnungen des Internets für die Wissenschaft sind so nicht eingetreten: Experten sitzen nicht auf einem Einödhof und tauschen sich mit anderen Experten rein virtuell aus. Es braucht persönliche Begegnungen, damit Kreatives oder Innovatives entstehen kann. Und deswegen zieht es Experten eben nach Berlin, Frankfurt am Main und München.
Ist das ländliche Ostbayern also dazu verdammt, nicht zur absoluten Spitze aufschließen zu können? Nein, finden die beiden Professoren. "Wir kombinieren persönlichen Austausch und fernmündliche Kommunikation in einer idealen Weise", sagt Sesselmann. Der besondere Vorteil sei, dass so auch echte Praktiker ihre Erfahrungen einbringen können. Denn Kongress-Debatten würden meist mit wenig Erdung geführt. Doch gerade der Praxisbezug ist die große Stärke der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Und so arbeiten neben der OTH Amberg-Weiden und der TH Deggendorf auch die OTH Regensburg, die HAW Landshut sowie die Universität Passau daran, den ostbayerischen Raum, stärker zu vernetzen.
So leistungsfähig wie die TU
"Wenn wir zusammenarbeiten, dann sind wir ostbayerischen Hochschulen so leistungsfähig wie die großen Technischen Universitäten beispielsweise in München", erklärt Professor Spittler selbstbewusst. Mit dem erfolgreichen ersten Digitalen Trendtag sind die Hochschulen ihrem Ziel ein Stückchen näher gekommen.
30 Zuhörer im Siemens Innovatorium, dem großen Hörsaal des Amberger Campus, lauschten den Referenten aus Pfarrkirchen, die Vorträge aus Amberg werden nach Niederbayern gestreamt.
Digitaler Trendtag an der OTH Amberg-Weiden
Der Digitale Trendtag ist Auftakt des fünfjährigen Forschungsprojektes TRIO (Transfer und Innovation in Ostbayern). Das Projekt der OTH Amberg-Weiden, der TH Deggendorf, der OTH Regensburg, der HAW Landshut sowie der Uni Passau wird durch die Förderinitiative Innovative Hochschule gefördert – dem Pendant zur Exzellenzinitiative für Spitzenforschung. Die „Innovative Hochschule“ will den Austausch zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Hochschule optimieren, um die Innovationskraft einer Region zu stärken. (söm)
Die OTH macht die Region krisenfest
Autonomes Fahren, Energiewende, Medizintechnik oder Start-ups: Die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden hinterlässt Spuren bei großen Zukunftsfragen der Menschheit und vitalisiert die Region.
Noch vor kurzem prognostizierten Demographen der nördlichen Oberpfalz eine düstere Zukunft: Abwanderung junger Talente in die Großstädte, Leerstände, der Verlust von Kindergärten, Schulen und sozialer Infrastruktur. In München rieten Planer, diese Entwicklung durch Fokussierung auf die Metropolen noch zu forcieren.
Klugerweise entschied sich die Staatsregierung fürs Gegenteil: Das Heimatministerium stellte die Weichen auf Behördenverlagerung und Dezentralisierung. Die OTH zog mit: Innovative Lernorte vom Kloster Ensdorf bis zum Kulturschluss Theuern verbreiten Wissen im ländlichen Raum. Die Digitale Gründerinitiative Oberpfalz fördert Start-ups zwischen Amberg, Weiden und Tirschenreuth – und trägt dazu bei, die Region mit weiteren Standbeinen krisenfester zu machen.













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