12.02.2019 - 13:04 Uhr
ParksteinOberpfalz

Badehaubenduscher und Gartenzwergpolierer

Wann ist ein Mann ein Mann, wann ist ein Weichei zu weich und wann ist ein Macho too much? Mit diesen Fragen setzt sich das Chanson-Kabarett „Die Männer sind schon die Liebe wert!“ auseinander.

Chansonette Alexandra Völkl und Pianist Budde Thiem begeistern im Steinstadl.
von FSBProfil

Bettina Hahn vom Evangelischen Bildungswerk Oberpfalz hatte zum Kabarett als Begleitprogramm zur Ausstellung „Starke Frauen“ geladen. Diese ist noch bis Sonntag in der Weidener Michaelskirche zu sehen.

Die Stühle reichten im Steinstadl nicht aus, so groß war die Resonanz auf dieses musikalische Kabinettstückchen über "(Allzu)-Männliches" und "(Arche)-Typen" mit der Sängerin und Schauspielerin Alexandra Völkl und dem Jazzpianisten Budde Thiem. Die Ambergerin hat sich hauptsächlich Schlagermelodien der 1920er bis 1940er Jahren verschrieben, gastiert auf Kleinkunstbühnen und bei Kulturveranstaltungen und bietet auch maßgeschneiderte Programme für jeden Anlass an. Hier präsentierte sie sich als facettenreiche, talentierte Schauspielerin bei ihren gehaltvollen Zwischentexten und während ihrer musikalischen Darbietungen, als Energiebündel auf der Bühne und vor allem als grandiose Chansonsängerin. Mit variabler, klarer Stimme gab sie sich mal herausfordernd, mal als verführerischer Vamp, mal witzig-verschmitzt, mal liebevoll, anklagend oder schmachtend – und das alles ohne Textvorlage und oft mit zungenbrecherischer Fertigkeit. Als ihr Gegenpol, mit dem sie ein eingespieltes, wunderbares Gespann bildete, erwies sich der fränkische Pianist, Komponist, Arrangeur und Musikpädagoge Budde Thiem: musikalisch perfekt, unaufdringlich, dezent und stets auf die Chansontexte und die Interpretin eingehend.

Mit einem Augenzwinkern war der Besuch Männern wärmstens ans Herz gelegt, den Frauen wurde er als Fortbildungsmaßnahme anerkannt. Jeder der Anwesenden erwarb eine Bestätigung über die erfolgreiche Teilnahme am Programm, vorzeigbar bei eventuellen künftigen Partnerschaften. Er/Sie verfügt damit über die aktuellsten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Geschlechterforschung sowie über Grundlagen und Lösungsansätze für den alltäglichen Überlebenskampf im Beziehungsdschungel.

Neue Männer braucht das Land, aber keine Badehaubenduscher, keine Gartenzwergpolierer, keine Büroklammersortierer, keine Brusttoupetträger. Völkl schwärmte vielmehr vom „Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän“, von „Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehen“ oder von einem „Neandertaler“, der ihr dann und wann im Traum erscheint. Leider sei der ausgestorben. Aber den für das Mammutfangen wichtigen Tunnelblick habe der heutige Mann noch. Deshalb fände er Sachen im Kühlschrank nicht, wenn seine Frau diesen immer neu sortiert, wohl aber seine Kneipe, die jahrelang am gleichen Ort steht. Da er erfolgsorientiert arbeite, könne er problemlos Ikea-Schrankwände aufstellen, scheitere aber am Geschirrspülereinräumen. Er könne auch nicht die Freude seiner Frau am Einkaufsbummel verstehen, wie sie im Song vom stundenlangen, tragisch endenden Kauf einer Bluse ausgedrückt wird.

Davon, dass Männer ticken, Frauen anders, erzählten einerseits die Balladen „Männer im Baumarkt“, die auf Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ basierende „Nörgelarie“ und „Er hat sehr viel Angst vor seiner Frau“, andererseits auf die Damen bezogen „Sie warten lange in der Schlange vor dem Damenklo“, und das mit Akzent gesungene französische Chanson „Für dich bin ich nur ein Statist.“

Wie man als bindungswütige Frau auf kreativer Männerpirsch diese um den Finger wickelt, zeigte sich bei „Alles für den Mann“, bei „Für Jochen selber kochen“, wobei allerdings durch diverse Haushaltsunfälle die Liebe schnell erlöschen kann.

Beziehungen enden auch zuweilen: „Ist der Mann ein Weichei zum Frühstück, dann schmeiß ihn raus.“ Die Frauen erhielten musikalische Tipps, wie man damit umgeht und auf welche Arten man Männer beseitigen kann. „Mein Mann will mich verlassen, wunderbar“ stellte sich allerdings nur als Traum heraus.

Das Publikum schmunzelte, kicherte, lachte und spendete am Ende nach dem titelgebenden „Die Männer sind der Liebe wert“ verdienten, lang anhaltenden Beifall. So erfreute es sich über die Zugaben: das im Oberpfälzer Dialekt gesungene „Ich möcht so furchtbar gern a Pin-up-Girl werdn“, vom Traumprinzen „Er heißt Waldemar und hat schwarzes Haar“ und „Er fährt mit seiner Klara in die Sahara“, verbunden mit „Sag beim Abschied leise Servus“.

Chansonette Alexandra Völkl begeistert im Steinstadl.
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