14.07.2019 - 13:29 Uhr
ParksteinOberpfalz

Ostbayernring: Tennet lässt den Wald bewerten

Der von Tennet geplante neue Ostbayernring schlägt breite Schneisen durch den Wald. Die Waldbesitzer werden für den Kahlschlag entschädigt. „Viel ist es nicht“, sagt einer bei einem Infotermin in einer Waldabteilung bei Parkstein.

Alois Schambeck (Zweiter von links) ist der von Tennet beauftragte Sachverständige, der den Wert jeder einzelnen Waldabteilung ermittelt, die für den neuen Ostbayernring weichen soll.
von Gabi EichlProfil

Noch steht der exakte Trassenverlauf nicht fest, das Planfeststellungsverfahren läuft noch, der mit der Wertermittlung beauftragte Sachverständige Alois Schambeck arbeitet sich daher im Moment durch einen Korridor mit Spielraum nach beiden Seiten. Wie Ina-Isabelle Haffke, die für Bayern zuständige Tennet-Referentin für Bürgerbeteiligung, auf Nachfrage der Waldbesitzer sagt, kann erst endgültig ausgepflockt werden, wenn die Trasse im Detail festgeschrieben ist. Beim Erörterungstermin im ersten Quartal 2020 wisse man mehr. Und sobald der Planfeststellungsbeschluss vorliege, werde man erneut Informationsmärkte abhalten.

Schambeck erläutert einem Dutzend Waldbesitzer, wie er konkret vorgehe, um den Wert des einzuschlagenden Waldes zu ermitteln. Der Folgebestand, ob durch Naturverjüngung oder durch Pflanzung entstanden, wird seinen Worten zufolge ebenfalls entschädigt - zum je nach Alter aktuellen Wert. Sollten über den Korridor hinaus ein Waldstreifen stehen bleiben, der auf Dauer Stürmen nicht standhält, oder ein nicht mehr zu bewirtschaftendes Teilstück, würden diese ebenfalls entschädigt, sagt Schambeck, allerdings erst nach Abschluss der Bauarbeiten und auch erst nach Prüfung des Einzelfalls.

Tennet übernimmt Aufhieb

Die Waldbesitzer haben laut Schambeck die Wahl, den Wald komplett Tennet zu übergeben oder ihn selbst einzuschlagen und das Holz zu verkaufen; die wirtschaftlichere Variante sei die Übergabe an Tennet, sagt Schambeck.

Pech hat der Waldbesitzer, wenn ihm der Borkenkäfer jetzt ausgerechnet Bäume befällt, die im Ostbayernring-Korridor stehen. Diese Bäume müssten selbstverständlich sofort raus aus dem Wald.

Besorgt äußern sich einige Waldbesitzer über die Möglichkeit, dass Tennet aus Kompensationsflächen Biotope macht, die dann nie wieder bewirtschaftet werden könnten, dass also der Besitzer der Fläche nach den 25 Jahren, nach denen die Pflicht für Tennet zur Pflege auslaufe, mit einem unantastbaren Biotop zurückbleibt. Ein Tennet-Mitarbeiter verweist darauf, dass der Netzbetreiber dafür entschädigt, dass ein Waldbesitzer seine Fläche als Ausgleichsfläche zur Verfügung stellt. Wer übrigens eine Wiese oder einen Acker aus der Kahlschlagfläche machen möchte, kann das tun, aber auf eigene Kosten.

Schlampereien melden

Eine weitere Frage: Überlässt man Tennet den Aufhieb, wird dann die Waldfläche auch gesäubert? Denn die Äste könne man derzeit wegen des Borkenkäfers keinesfalls liegenlassen. Haffke bittet darum, Tennet Fälle von nicht korrekten Arbeiten zu melden. Keinesfalls sei auszuschließen, dass während des Aufhiebs für die Trasse nicht auch irgendwo schlampig gearbeitet werde, aber das sei dann Aufgabe des Waldbesitzers, derlei an Tennet zu melden. Man werde dann Abhilfe schaffen. Die Waldbesitzer müssen nun abwarten, bis Schambeck sein Gutachten vorlegt.

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