Die Energiewende soll weiter vorankommen. Doch aus Sicht der Teilnehmer einer fachpolitischen Runde in Parkstein darf sie nicht auf Kosten kleiner Photovoltaikanlagen und regionaler Arbeitsplätze gehen. Bereits am Donnerstag, 3. September, trafen sich Vertreter aus regionaler Politik und Energiewirtschaft in den Geschäftsräumen der RE-Solar GmbH in Parkstein, um über die geplante Neuausrichtung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und deren Folgen für die Praxis zu sprechen. Herausgekommen ist ein gemeinsames Positionspapier, das den regionalen Bundestagsabgeordneten übergeben und auch direkt an das Bundeswirtschaftsministerium geschickt werden soll.
Hintergrund ist die anstehende EEG-Novelle. Das bisherige EEG gilt noch bis Ende 2026. Die Bundesregierung hat Ende Juli den Entwurf für das EEG 2027 beschlossen. Ziel ist es, den Ausbau erneuerbarer Energien stärker am Markt auszurichten, Kosten zu senken und die Stromerzeugung besser mit den vorhandenen Netzen abzustimmen. Gleichzeitig soll das Ziel bestehen bleiben, bis 2030 mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu decken.
Kritik an EEG-Novelle
Eine wesentliche Veränderung betrifft kleine Photovoltaikanlagen: Für neue Anlagen unter 25 Kilowatt soll die bisherige dauerhafte Einspeisevergütung entfallen. Für eine Übergangszeit ist eine befristete Zahlung vorgesehen, anschließend sollen auch kleine Anlagen stärker in die Direktvermarktung geführt werden. Bestehende Anlagen sind davon nicht betroffen. Genau hier sehen die Teilnehmer der Parksteiner Runde ein Problem.
Was auf dem Papier nach mehr Markt und mehr Eigenverantwortung klingt, könne für private Haushalte und kleinere Gewerbebetriebe in der Praxis erheblich komplizierter werden. Direktvermarktung, intelligente Messsysteme, Steuerung und Abrechnung müssten zunächst einfach und bezahlbar funktionieren. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich Investitionen in neue Dachanlagen weniger rechnen. Das könne dazu führen, dass Anlagen künftig kleiner geplant und geeignete Dachflächen nicht mehr vollständig genutzt werden. Für Hubert Hösl, Geschäftsführer der RE-Solar GmbH, steht deshalb nicht nur die Photovoltaikbranche auf dem Spiel. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis unseres Positionspapiers. Uns geht es um den Erhalt regionaler Arbeitsplätze“, sagte er. Hinter jeder installierten Anlage stehe eine ganze regionale Wertschöpfungskette. Von Beratung und Planung über Elektrohandwerk, Dachmontage und Gerüstbau bis zu Speichern, Energiemanagement, Ladeinfrastruktur, Wartung und Service.
Die Bundesregierung plane mit der Neugestaltung des EEG 2027 einen gewaltigen Einschnitt. „Das bedeutet, dass unsere Arbeitsplätze gefährdet sind. Wir haben das alles schon mal mitgemacht.“ Dabei wolle man keineswegs die Energiewende bremsen, betont Hösl. Vielmehr gehe es darum, die richtigen Stellschrauben zu bedienen. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die kleinen Anlagen, bei denen jetzt Einschnitte geplant sind, nicht das Problem der Energiewende sind.“ Aus seiner Sicht müsse stärker darüber gesprochen werden, wie Strom intelligent gesteuert und gespeichert werden könne. „Energiebetreiber müssen die Energie managen und müssen auch die Werkzeuge dafür bereitstellen. Das passiert aus unserer Sicht nicht.“
Im Positionspapier wird deshalb gefordert, geeignete Dächer weiterhin möglichst vollständig für Photovoltaik nutzen zu können. Überschüssiger Solarstrom solle nicht zum Grund werden, Anlagen kleiner zu bauen. Er sollte vielmehr gespeichert, flexibel genutzt oder vermarktet werden können. Speicher, Energiemanagement, Smart Meter, Vermarktung, Energiesharing und intelligentes Laden könnten dabei helfen, die Netze zu entlasten. Die Idee dahinter: Nicht die Größe der Solaranlage solle das Problem sein, sondern die Frage, wann und wie viel Strom tatsächlich ins Netz eingespeist werde. Kleine Dachanlagen könnten nach Hösls Ansicht einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade weil sie dezentral entstehen und die Wertschöpfung vielfach in der Region bleibe. Die Runde forderte deshalb Planungssicherheit für private und gewerbliche Investoren. Fördermechanismen müssten langfristig verlässlich sein, heißt es im Positionspapier. „Funktionierende Netzprozesses schaffen“, lautet ein Grundgedanke.
„Parksteiner Impuls“
Das Papier soll nun als „Parksteiner Impuls“ nach Berlin getragen werden. Die regionalen Bundestagsabgeordneten sollen die Forderungen erhalten, ebenso das Bundeswirtschaftsministerium. „Aus unserer Sicht müssen sie sich für uns einsetzen. Wir sind ja auch ihre Wähler“, betonte Hösl. Die Botschaft aus Parkstein: Für eine erfolgreiche Energiewende brauche es nicht weniger, sondern mehr Photovoltaik, verbunden mit intelligenten Netzen, Speichern und verlässlichen Rahmenbedingungen für die Unternehmen und Arbeitsplätze vor Ort.
Wie die Energiewende in der Praxis funktionieren kann, möchte RE-Solar anlässlich seines zehnjährigen Bestehens der Bevölkerung zeigen. Am Sonntag, 27. September, lädt das Unternehmen zum Tag der offenen Tür nach Parkstein ein. Im Mittelpunkt stehen Photovoltaik auf Dächern, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Elektromobilität und intelligentes Energiemanagement. Ein Rahmenprogramm soll zeigen, wie diese Technologien zusammenspielen und selbst erzeugte Energie effizient genutzt werden kann.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.