21.01.2019 - 18:27 Uhr
ParksteinOberpfalz

Wohlklingende Brass-Premiere

Nach noch nicht einmal einem Jahr seit seiner Gründung tritt das Ensemble "Basalt Brass" zur Premiere an. Die macht klar, dass sich die vier Musiker anscheinend an US-Dirigent Kent Nagano orientiert haben.

Das Ensemble zusammen mit Pianist Karl-Heinz Kuhl (links)
von FSBProfil

„Wenn ein Instrumentarium sich in homogener und sensibler Weise behauptet, wird etwas von der Zaubermacht des Bläserklangs erlebbar“, hatte der Star einmal geschrieben. schrieb der US-Dirigent Kent Nagano. Zusammen mit dem „Musikstudio Kuhl“ hatten die vier Bläser zu „Eupho-nium meets Piano“ geladen. Viele Bläsergruppen, oft mit Trompeten und Posaunen, führen den Namen „Brass“ (Messing) im Titel, doch das Besondere an „Basalt Brass“ ist die ungewöhnliche Besetzung mit einer Tuba und drei Euphonien.

Gespielt wird es vom Parksteiner Ensemblegründer Stefan Schmalzl, von Marius Lentes und von Werner Schreml. Patrick Oroudji vervollständigt das Quartett mit seiner Tuba. Alle vier jungen Musiker sind nach Studium oder Meisterkursen in den verschiedensten Gruppierungen aktiv.

Wegen der großen Nachfrage war das Konzert vom Steinstadl in den „Festsaal im Vulkanerlebnis“ verlegt worden. Die vielen Zuhörern erlebten eine abwechslungsreiche Palette von der Klassik über die Romantik bis hin zur Moderne, zu Pop und Jazz. Sebastian Kuhl moderierte den Abend als musikalischer Ratgeber mit detailreichen Informationen, während sein Vater Karl-Heinz in das Ensemble oder den solistischen Auftritt der einzelnen Mitglieder auf dem Klavier begleitete und selbst mit Klaviersoli glänzte. Bis 2015 war der Instrumental- und Musiklehrer Pianist in mehreren (Big) Bands der Region.

„Basalt Brass“ eröffnete den Abend mit zwei musikalischen Meisterwerken. Schon beim nach dem preußischen Generalfeldmarschall benannten „Yorckscher Marsch“ von Ludwig van Beethoven, als Eingangsstück beim „Großen Zapfenstreich“ einer der bedeutendsten Militärmärsche Deutschlands, beeindruckte der überaus weiche Klang des Ensembles. Von dem mit ihm in einer Schaffenslinie stehenden Johannes Brahms folgte der weltbekannte, aus Folklore entstandene „Ungarische Tanz Nr. 5“ mit wiederholten Tempoänderungen.

Im ebenfalls volkstümlicher Tradition entsprungenen Stück „Aura Lee“ aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, bei Rock’n-Roll-Liebhabern geschätzt, übernahm auch die Tuba die Hauptmelodie. Ebenso wechselten sich die vier Musiker im „Waltz 2“ aus der „Jazz-Suite No. 2“ von Dmitri Schostakowitsch in der Melodieführung ab. Als Leitmotiv fand das Stück Verwendung in Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“. Populär als Filmmusik durch „Good morning, Vietnam“ wurde auch der von Louis Armstrong gesungene, auch in der Instrumentalfassung romantisch klingende Hit „What a wonderful world“ über die Schönheit der Welt und die Glücksmomente im Alltagsleben.

Beeindruckte dabei jeweils der harmonische Zusammenklang der vier Bläser, so stellte jeder einzelne von ihnen in den vom Klavier begleiteten Solostücken seine individuelle Klasse unter Beweis. Im original für Trompete komponierten Satz „Allegro Maestoso“ der „Fantaisie Brillante“ des Franzosen Jean-Baptiste Arban mit Themen aus Verdis „Don Carlos“ belebte Werner Schreml die eingängige, schwelgerische Melodie mit rasend schnellen, an den „Hummelflug“ erinnernden Verzierungen. Mit tiefen und schnellen Tonfolgen interpretierte Marius Lentes das neapolitanische Volkslied „Funiculi, funiculà“ in Bellstedts „Canzone Napolitana con Variazoni“ und beendete es mit einem hohen Schlusston.

Beim einzigen nur für Euphonium komponierten Werk des Abends, dem mit Jazz-Elementen gemischten, getragenen „Song for Ina“ des 1951 geborenen Engländers Philip Sparke, imponierte das klare, treffsichere Musizieren von Stefan Schmalzl im Zusammenspiel mit dem Piano. Dass eine Tuba sehr wohl schwierige Melodien meistert, bewies Patrick Oroudji mit dem auf früher barocker Opernmusik basierenden, Natureindrücke schildernden Stück „Sicilienne“ des französischen Komponisten Gabriel Fauré (1845 bis 1924) im wiegenden Rhythmus und in hoher Tonlage im zweiten Teil.

Um die Gesellschaft in Einklang zu bringen, muss man „Black and white Notes“ spielen. Das hatte Paul McCartney 1982 zu seinem Song „Ebony and Ivory“ inspiriert, den er im Duett mit Stevie Wonder für das friedliche Zusammenleben aller Menschen sang. „Basalt Brass“ ließ die Instrumentalversion nach der Pause mehrstimmig mit schnellem Mittelteil und mit Klavierbegleitung erklingen. In dieser Besetzung stellte das Ensemble am Ende auch das begeisternde „Don’t stop believin’“ der US-Rockband „Journey“ vor. Dazwischen bewies Pianist Karl-Heinz Kuhl mit zwei Eigenkompositionen zum einen, dass man oft mit Melodien mehr sagen kann als mit Worten, zum anderen, dass er sowohl ein begnadeter Komponist als auch ein innig spielender und technisch versierter Pianovirtuose ist: verzaubernd und verträumt mit verspielter Begleitung in „Sans mots“, beschwingt seine Reiseeindrücke verarbeitend in „August in Paris“.

Natürlich kamen die vier Musiker, bei denen man sich nach diesem ersten Konzert auf viele weitere freuen darf, durch den kräftigen Applaus des Publikums nicht um eine Zugabe herum. Einer Polka mit schnellen und hellen Tönen folgte noch das melodische irische Abschiedslied „Danny Boy“.

Stefan Schmalzl
Patrick Oroudji
Euphonium:

Das 1843 erfundene Instrument – sein Name stammt vom griechischen „wohlklingend“ – gilt als das „Violoncello der Blasmusik“. Es entspricht im Tonumfang etwa der Posaune, ähnelt aber durch seinen tieferen, weicheren Klang stark einem Waldhorn und wird im sinfonischen Bereich zunehmend anstatt des Tenorhorns verwendet. (fsb)

Ungewöhnlich in einem Brass-Ensemble: in Reih und Glied stehend die drei Euphonien
Marius Lentes
Werner Schreml
Karl-Heinz Kuhl
Das Ensemble „Basalt Brass“ mit Patrick Oroudji, Stefan Schmalzl, Werner Schreml und Marius Lentes (von links)
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