10.08.2018 - 12:37 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Aus für das Basaltwerk Pechbrunn

Das Basaltwerk in Pechbrunn stellt zum 31. Dezember seinen Betrieb ein. Nicht nur Bürgermeister Ernst Neumann ist geschockt.

Am 31. Dezember dieses Jahres gehen hier die Lichter aus, dann wird das Basaltwerk Pechbrunn geschlossen.
von Josef RosnerProfil

"Das ist ein Einschnitt für unsere Gemeinde. Betroffen davon sind unsere Unternehmen, Geschäfte und auch die Bürger. Das Basaltwerk Pechbrunn war unser größter Gewerbesteuerzahler", sagt Bürgermeister Ernst Neumann und verweist auch auf zwölf Arbeitsplätze. Schon in den vergangenen Tagen hatte es Gerüchte über die Schließung des Basaltwerks gegeben.

Neumann bestätigt, dass die Bayerischen Staatsforsten als Flächeneigentümer den Abbaupachtvertrag zum 31. Dezember 2018 gekündigt haben. Daher werde der Betrieb bis zum Jahresende eingestellt. Der Rathauschef hält das Schreiben der Geschäftsleitung des Basaltwerks Pechbrunn in seinen Händen. Nach seinen Worten haben die beiden Geschäftsführer Torsten Honkisch und Stefan Rüppel die niederschmetternde Nachricht ihren zwölf Mitarbeiter persönlich überbracht. "Da sind Tränen geflossen."

In der kurzen Mitteilung heißt es: "Die Basaltgewinnung am Standort Pechbrunn findet nach 130 Jahren ein vorzeitiges Ende, obwohl noch für mehr als dreißig Jahre Rohstoffvorräte mit bayernweit einzigartiger Qualität vorhanden sind. Am 27. Juni 2018 wurde durch die Bayerischen Staatsforsten als Flächeneigentümer der Abbaupachtvertrag mit der Basaltwerk Pechbrunn GmbH zum 31.12.2018 gekündigt. Wir bedauern diesen Schritt sehr, da vonseiten des Unternehmens ein Vorschlag für eine angemessene Pachtpreiserhöhung vorgelegt wurde."

Aufgrund dieser Kündigung sei die Voraussetzungen für die Fortsetzung des Gewinnungsbetriebes zum Jahresende 2018 leider entfallen. Und weiter: "Aus diesem Grund wird der Betrieb zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Im Anschluss hieran erfolgt noch die ordnungsgemäße Wiedernutzmachung der bergbaulich in Anspruch genommenen Flächen im Tagebau."

Immer neue Forderungen

Neumann reagiert sichtlich geschockt, dass der größte Gewerbesteuerzahler der Gemeinde bald nicht mehr da sein wird. "In guten Zeiten haben wir mehr als 120 000 Euro Gewerbesteuer im Jahr erhalten." Weiter verweist er auf die Nutznießer des Steinbruchs, wie heimische Geschäfte und Unternehmen.

"Als Verwaltungschef der VG Mitterteich war ich immer eng mit eingebunden", erklärt Roland Grillmeier. Der Mitterteicher Bürgermeister erinnert an das 2004 begonnene Verfahren zur ergebnisoffenen Prüfung einer Weiterführung des Basaltwerk-Betriebs. Neumann verweist auf erstklassiges Material, dass am Teichelberg abgebaut wurde. "Das war Gleisschotter bester und höchster Qualität, wie er beim Bahnbau deutschlandweit verwendet wird."

Grillmeier verweist drauf, dass vor etwa zehn Jahren seitens des Unternehmens ein Antrag auf Weiterbetrieb gestellt wurde. Leider sei dies immer wieder durch neue Forderungen vonseiten der Naturschutzbehörden hinausgezögert worden. "Wir sind langsamer vorangekommen als erhofft." Der Mitterteicher Rathauschef hätte erwartet, dass es zumindest das zugesagte "offene Verfahren" wird. "Das Aus durch die Hintertür ist nicht fair." Beide Bürgermeister wussten, dass die Antragsunterlagen mit Ausgleichskonzepten in Kürze eingereicht werden sollten, dies sei jetzt durch die Kündigung hinfällig. Auch die Förderanlagen und die Bahnverladung müssten jetzt rückgebaut werden.

Fehler aus den 80er Jahren

Aber die beiden Bürgermeister räumen ein, dass der Weiterbetrieb schon zulasten der Natur gegangen wäre. Ausgleichsmaßnahmen hätten auf Staatsforstflächen stattfinden müssen. Die ist nach Ansicht der Gemeindechefs wohl der Hauptknackpunkt gewesen. Allerdings wäre diese Frage auch Aufgabe einer Prüfung gewesen, die ergebnisoffen hätte durchgeführt werden müssen. Es sei immer eine Abwägung: auf der einen Seite der Abbau eines wichtigen Rohstoffes und damit der Erhalt von Arbeitsplätzen und auf der anderen Seite die Belange des Naturschutzes.

Natürlich seien auch Fehler gemacht worden, schon in den 1980er Jahren. Ernst Neumann kritisiert dabei auch die SPD, die sich bis auf Ludwig Stiegler und Hannelore Bienlein-Holl uninteressiert am weiteren Basaltabbau vor Ort gezeigt habe.

Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider (Forstbetrieb Waldsassen) erklärt, dass er persönlich das Kündigungsschreiben im Auftrag der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten überbracht habe. Schneider macht deutlich, dass die bisherigen Pachtpreise im Bruch Teichelberg nicht mehr marktgerecht gewesen seien. Eine Erhöhung auf das aktuelle Marktniveau sei deshalb zwingend notwendig gewesen. Leider hätten die Gespräche zu keiner Einigung geführt. Zur Vermeidung von Fristversäumnissen sei deshalb eine Kündigung ausgesprochen worden.

Völlig überrascht ist Bund-Naturschutz-Vorsitzender Josef Siller, als er von den Oberpfalz-Medien auf die Schließung des Basaltwerks Pechbrunn angesprochen wird. Er bezeichnet das Kerngebiet des Teichelberg als "Urwald", der gleich dreifach geschützt ist - seit 1978 als Naturwaldreservat, seit 1996 als Naturschutzgebiet und seit 2006 als europäisches FFH-Gebiet.

"Kampf hat sich gelohnt"

Siller betonte, dass der Bund Naturschutz seit mehr als 20 Jahren für den Erhalt des Naturschutzgebiets Teichelberg kämpfe. Dort stünden bis zu 250 Jahre alte Eichen, Ahorne, Eschen und Linden. Diese ungenutzten Laubwälder seien in Deutschland selten geworden. Weiter lebten dort viele Arten von Waldvögeln und Fledermäusen sowie Wildkatzen und auch der Luchs. Wegen des hohen Totholzanteils gebe es dort bis zu 415 Käferarten und 220 Pilzarten.

"Der Bund Naturschutz begrüßt die Schließung des Basaltwerks Pechbrunn. Unser Kampf hat sich gelohnt, dass die Kuppe des Berges mit ihrem Urwald nicht den Baggern zum Opfer fällt", so Siller. Ausdrücklich bedauert er aber den Verlust der Arbeitsplätze. "Wir hoffen auf einen sozialverträglichen Umbau durch den Betreiber, so dass keine Arbeiter arbeitslos werden." Siller sah vor allem im Bereich Hirschentanz weitere gute Optionen. Hintergrund

Hintergrund:

Hirschentanz nicht betroffen

Nicht von der Kündigung des Teichelberg-Vertrages betroffen ist der Betrieb Hirschentanz. Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider berichtete, dass im Juli 2017 zusätzlich fünf Hektar neue Flächen für Bodenuntersuchungen und den Abbau freigegeben wurden. Darüber hinaus sind dort zwei weitere Standortsicherungsverträge (Suhllache und Glaserschlag) für etwa 44 Hektar Staatswaldflächen zum Basaltabbau vereinbart worden. Diese Verträge wurden auch im Juli 2017 unterzeichnet. Schneider betont, dass damit der Basaltabbau in der Region nicht zu Ende sei, sondern mit dem Hirschentanz eine Zukunft habe.

Blick auf den Fuhrpark des Basaltwerks Pechbrunn.

Pechbrunns Bürgermeister Ernst Neumann (links) hält einen Basaltstein aus dem Basaltwerk Pechbrunn in seinen Händen, der von der Qualität her nahezu einzigartig in Bayern ist. Roland Grillmeier hat einen Stein vom Hirschentanz in der Hand, dessen Gestein bei weitem nicht so hart ist. Beide Bürgermeister bedauern die Schließung des Basaltwerks Pechbrunn.

Von der Schließung nicht betroffen ist das Werk Hirschentanz. Ganz im Gegenteil, hier wurden weitere Flächen für den Basaltabbau freigegeben.

Von der Schließung nicht betroffen ist das Werk Hirschentanz. Ganz im Gegenteil, hier wurden weitere Flächen für den Basaltabbau freigegeben.

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