20.10.2019 - 14:38 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Teichelberg eine Arche Noah für die Region

Den Wert des Teichelbergs für den Artenschutz stuft der Bund Naturschutz als ungemein hoch ein. Bei einer Exkursion erfuhren Naturfreunde, warum der BN immer wieder von einem einzigartigen Wald spricht.

Die Natur hat begonnen, sich das Abbaugebiet zurückzuerobern.
von Externer BeitragProfil

Unter dem Motto „Gerettete Arche Noah“ lud der Bund Naturschutz zur Wanderung durch das Naturschutzgebiet ein. Vor dem dramatischen Ausblick auf die riesige Abbaugrube erläuterten BN-Vorsitzender Josef Siller und Gerhard Schneider, Forstdirektor im Ruhestand, die Geschichte des Teichelbergs, der durch den Basaltabbau massiv bedroht war. „Der Abbau hatte in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts begonnen und war im Laufe der Jahrzehnte immer mehr ausgeweitet worden. Leider wurde 1996 noch einmal ein großes Areal des Teichelbergs für den Abbau freigegeben“, so der Bund Naturschutz in einer Pressemitteilung über die Exkursion. Die verbliebene Fläche von 115 Hektar sei 1996 vollständig unter Schutz gestellt worden. Trotzdem habe die Basalt AG 2011 den Abbau von weiteren 37 Hektar beantragt.

„Diese Ausweitung hätte den Teichelberg zerstört.“ Bereits der Abbau in den letzten Jahrzehnten habe große Schäden angerichtet. „In ganz Nordostbayern gibt es keinen vergleichbaren Wald“, so der BN. Die Naturschützer hätten über Jahre hinweg darum gekämpft, diese „Perle der Naturwälder“ zu erhalten. 2018 hätten die Bayrischen Staatsforsten dem Betreiber den Pachtvertrag gekündigt, Ende 2018 sei der Abbau eingestellt worden. Josef Siller dankte dem ehemaligen Forstbetriebsleiter Gerhard Schneider ausdrücklich für seine Unterstützung.

Förster Wolfgang Schödel erläuterte, dass seit Jahrhunderten dieses abgelegene und steinige Gebiet kaum genutzt worden sei. „Seit über 40 Jahres wurde kein Baum mehr gefällt und kein Holz entnommen.“ In diesem Hangschuttwald stehen Buchen, Linden, Eschen, Tannen, Bergulmen sowie Berg- und Spitzahorn. Manche Bäume sind über 200 Jahre alt und haben einen Stammumfang von mehr als drei Metern. Andere sind umgestürzt und vermodern. In ihrem Totholz leben Hunderte von Tierarten, darunter 150 Käfer- und 220 Pilzarten. „Manche Arten kommen deutschlandweit nur noch hier vor, denn ungenutzte alte Laubwälder sind in Deutschland extrem selten“, so der Bund Naturschutz. Schödel wies auch auf die Gefährdung durch morsche alte Bäume hin. Es sei daher verboten das Naturschutzgebiet Teichelberg eigenmächtig zu betreten.

Auf die CO2-Speicherung angesprochen, kalkulierten die beiden Förster im ältestem Kernbereich des Reservates etwa 600 bis 700 Tonnen pro Hektar in den stehenden lebenden Bäumen und rund 100 Tonnen im Totholz. Die doppelte Menge sei langfristig gebunden im Humus im Boden. Also etwa 2000 Tonnen gespeichertes CO2 pro Hektar. Dies sei etwa das Maximum, das ein alter Wald dieser Art speichern könne.

Auf dem Rückweg kamen die Wanderer zum Hanklbrunnen, Josef Siller erzählte die alte Sage von den Hankerln und vom Hanklbrunnen-Fest, zum dem die Mitterteicher noch in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts gewandert seien. „Damals plätscherte der Brunnen noch mit armdickem Strahl.“ Durch den Abbau sei ihm das Wasser abgegraben worden.

Gut besucht war die Führung des Bund Naturschutz am Teichelberg.
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