Update 19.11.2018 - 09:29 Uhr
Perschen bei NabburgOberpfalz

Bagger beißen sich durch Brücke über die A 93

Wie blutrünstige Monster greifen die vier Bagger in der Nacht zum Sonntag nach ihrer Beute. Bis zum Tagesanbruch ist die Brücke über die Autobahn bei Perschen komplett verschwunden. Die Aufräumarbeiten dauerten bis Sonntagnachmittag.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Es knirscht, rattert und staubt gewaltig, wenn die eisernen Zähne durch Beton schneiden. Wie Dinosauerier sehen die schweren Maschinen aus, die hier Stück für Stück ein Bauwerk demontieren, das in diesem Jahre 50 Jahre alt geworden wäre. Doch für eine Sanierung war die Brücke über die A 93 bei Perschen zu marode. Damit blieb nur der Abriss. Das Spektakel lockte in der Nacht von Samstag auf Sonntag nicht wenige Zuschauer an die Baustelle.

"Das ist ja wie Science Fiction", staunt eine Frau aus Perschen, die als Zehnjährige den Bau der Autobahn miterlebt hat. "Die Brücke sieht doch eigentlich noch ganz robust aus." Die Szene vor ihr kommt gut ohne Nebelmaschine und Spezialeffekte aus: Wie ein riesiger Kiefer aus Eisen beißt das Scherenwerkzeug Brocken für Brocken von der Brücke ab, mal fliegen Funken, dann wieder nimmt der Staub den Zuschauern die Sicht auf die gelben Riesen, die im Schein der Lampen unbeirrt ihr Werk verrichten. Genau eine Nacht haben sie Zeit. So lange bleibt die Autobahn gesperrt.

Die Fahrbahn ist in dieser Nacht gut gepolstert mit Holz aber auch Vlies-Schichten, die den Aufprall des Gerölls dämmen. "Wir liegen gut in der Zeit", sagt Projektleiter Frank Wilms von der federführenden Dienststelle Fürth der Autobahndirektion Nordbayern. "Der Überbau der Brücke ist kein großes Problem, bis morgen früh soll gar kein Beton mehr aus dem Erdreich ragen."

Auch für ihn ist der Abriss spannend, obwohl es nicht der erste ist, bei dem er dabei ist. "Damals ging es nicht so schnell", erinnert er sich und kann ebenso wenig wie die rund 100 Zuschauer der Versuchung widerstehen, ein Erinnerungsfoto zu machen. Für die Zaungäste, die sich zum Teil wie fürs Fernsehen mit Getränken versorgt haben, fehle nur noch ein Bratwurststand, meint einer aus dem 30-köpfigen Bautrupp. "Und Glühwein", ergänzt ein Kollege angesichts des eisigen Ostwinds.

Auch Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl ist vorbeigekommen und wirft einen Blick auf die "Monsterparty". Weniger als der Brückenbau vor 50 Jahren ist ihm in Erinnerung geblieben, wie an diesem Punkt früher die vierspurige Autobahn zur zweispureigen Straße wurde. "Da gab es einige Zeit ganz viele schwere Unfälle." Nach dieser Nacht waren sicher auch die Arbeiter froh sein, dass sie kein Steinschlag aus dem Maul der eisernen Monster getroffen hat. Rund 1000 Tonnen Material lagern nun an der Anschlussstelle Pfreimd, die ganze Nacht über wurden die Brücken-Reste verladen und abtransportiert. Am Sonntagmorgen war abzusehen, dass die Autobahn bis gegen Mittag und für den Verkehr befahrbar ist. "Die Brücke war doch etwas massiver als wir gedacht haben", zieht Albert Thanhäuser von der Autobahndirektion Nordbayern nach dieser Nachtschicht Bilanz. Der Ersatz lässt etwas länger auf sich warten: Im November 2019 soll eine neue Brücke Perschen wieder mit Neusath verbinden.

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