Bierausschank bei "Miss Google"

Ein gar nicht so erstrebenswertes Zukunftsszenario zeigt das Singspiel beim Starkbierfest in Pertolzhofen. Beim „Wirtshaus in der Zeitreise“ offenbart sich, dass es im Jahr 2035 mit der Bayerischen Wirtshaus-Gemütlichkeit vorbei sein wird.

Den Beifall haben sich die Akteure des Singspiels beim Pertolzhofener Starkbierfest wieder verdient. Die Gesangs- und Musikeinlagen zur Abrundung der Handlung sind immer wieder durch das Publikum honoriert worden.
von Christof FröhlichProfil
Damals, im Jahr 1968, ging es manchmal auch handfest im Wirtshaus zu. Dann musste die Wirtin schlichtend eingreifen.

Der Zeit weit voraus war die Pertolzhofener Singspiel-Truppe beim Starkbierfest im Feststodl, bei dem das Singspiel aus der Feder von Thomas Bauer den Höhepunkt bildete. Nachdem die Kapelle „Bayerisch Blech“ zunächst musikalisch für Stimmung gesorgt hatte, lud das Ensemble ins Wirtshaus von 1968. Dort machte ein junger Zimmermann auf der Walz der hübschen Wirtin Avancen, und gerne wäre er ein paar Tage für wenig Arbeit gegen Kost und Logis geblieben. Doch weil das zwei einheimischen Jägersburschen nicht passte, kam es zu einem Handgemenge, bei dem die Wirtin schlichtend eingreifen musste.

Dies löste eine Vision in dem Handwerksburschen aus, in der sich ihm die bayerische Wirtshauskultur in einigen Jahrzehnten offenbarte. Daraufhin aktiviert sich die Zeitmaschine, und das Wirtshaus und seine Gäste fanden sich im Jahr 2035 wieder. Und was dann auf der Bühne zu sehen zu zu hören war, gefiel besonders jenen, die nicht wegen ihrer "Pleiten, Pech und Pannen“ auf die Schippe genommen worden wurden.

Wie sich zeigte, bringt in der Gastro-Szene der Zukunft nicht mehr die Wirtin den Gerstensaft an den Tisch, sondern ein blinkender und auf Knopfdruck sprechender Bierautomat ist für den Ausschank zuständig. Die Unterhaltungen am Biertisch drehten sich um das Jahr 2019, als es in der Gemeinde Niedermurach gleich sieben heiratswillige Paare gab, und der Kommandant der örtlichen Wehr im "zarten Alter" von 50 Jahren sei Amt weitergegeben hatte.

Zwar hat im Jahr 2035 ein sprechender Metallkasten die Wirtin ersetzt, doch das Fuchsberger Bier gibt es immer noch. Allerdings entscheidet – nach Auswahl der Biersorte am Automaten – erst ein aufwändiger Scannvorgang darüber, ob der edle Gerstensaft von „Miss Google“ an den Kunden ausgegeben wird oder nicht. Musik und Gesänge haben die erheiternden Vorgänge musikalisch abgerundet, denn das Singen und Musizieren - so das Szenario - werde auch im Jahr 2035 immer noch zur hohen Pertolzhofener Wirtshauskultur gehören. Als der örtliche Chor schließlich für den 100. Geburtstag der Wirtin probte, fand der Dirigent die etwas schrägen Gesänge Chors „exzellent“, schließlich sei es um das Hörvermögen der Jubilarin nicht mehr so gut bestellt.

Das Singspiel beim Starkbierfest war wieder einmal bestens inszeniert, das Singspielteam wuchs mit auf den Punkt gesetzten Pointen über sich hinaus und wieder einmal war von den Gästen im Stodl zu hören: „Nirgendwo ist es schöiner wie in Bertzhof." Dies sei auch dem „Macher und Allrounder“ Thomas Bauer und seiner Gattin zu verdanken.

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