Seit Oktober vergangenen Jahres ist Lukas aus Pertolzhofen wieder zu Hause bei seiner Familie – nach rund einem Jahr Klinikaufenthalte. "Eine bessere Entscheidung hätte ich nicht treffen können", zieht seine Mutter Alexandra Vogl nun, einige Monate später, Bilanz. Man merke ihm an, dass er wieder daheim, in seinem Umfeld, ist. "Er ist ein ganz anderes Kind als in der Klinik."
Einfach ist es deshalb aber freilich nicht. Auf Fortschritte folgen wieder Rückschläge, berichtet Vogl vom Leben mit Lukas. Seit einigen Wochen sei sein Zustand nach einem Eingriff zum Beispiel wieder schlechter. An eine Therapie in der Slowakei, die Lukas helfen könnte, ist derzeit daher nicht zu denken. Diese Reise wäre für ihn derzeit unmöglich. "Aber das ist mir ein wichtiges Anliegen, das habe ich weiterhin im Auge."
Rund um die Uhr auf der Hut
Im Oktober 2023 hatte der damals 16-jährige Lukas einen schweren Asthma-Anfall mit darauffolgendem Herzstillstand. Seitdem ist er stark beeinträchtigt. Ein knappes Jahr lang war er in Kliniken. Damit er wieder nach Hause konnte, waren unter anderem Umbauarbeiten am Haus nötig, damit es barrierefrei wird. Damit das alles finanzierbar ist, hatte es im vergangenen Jahr eine große Spendenaktion mit Benefizfest für Lukas gegeben.
Seit Oktober 2024 ist er nun wieder daheim. Rund um die Uhr muss Mutter Alexandra da auf ihn aufpassen. Geht sie zum Beispiel mal in den Garten, hat sie stets ein Babyfon dabei. "Wenn er aspiriert, muss ich da sein, sonst erstickt er." Ihr Arbeitgeber, das Landratsamt Schwandorf, wo die 55-Jährige in der Zulassungsstelle tätig ist, hat ihr einen Homeoffice-Arbeitsplatz eingerichtet. Dafür ist Vogl sehr dankbar. "Anders würde es nicht gehen, sonst hätte ich das Arbeiten aufhören müssen." Zwar kommt während ihrer Arbeitszeit auch eine Intensivpflegekraft zur Betreuung zu Lukas. Die Kosten dafür übernimmt die Versicherung bisher allerdings nicht – bisher bestreitet Alexandra Vogl das aus eigener Tasche mit Hilfe der gesammelten Spendengelder, was freilich aber auch nicht ewig geht. Auch auf einen motorisierten Rollstuhl mussten die Vogls Monate warten.
Natürlich gibt es aber auch Lichtblicke. Kürzlich ist der behindertengerecht umgebaute Bus angekommen, mit dem Alexandra Vogl Lukas nun auch fahren kann. Bisher musste für jeden Transport ein Rettungswagen geholt werden. Auch Lukas' Essen konnte sie inzwischen umstellen: Er bekommt nun Selbstgekochtes von seiner Mutter, das püriert und ihm per Sonde verabreicht wird, während er früher Spezialnahrung brauchte. Wenn sein Bruder Tom ihm eine Geschichte erzählt, muss er lachen. Und freilich freut sich auch Hund Bomber, den Lukas vor vielen Jahren zum Geburtstag bekommen hatte, dass sein Herrchen wieder da ist, und verbringt viel Zeit an seiner Seite.
Viele Menschen helfen
Während sich Lukas zwar selbst weiterhin nicht wirklich artikulieren kann, versteht er eigentlich alles, was um ihn herum geschieht. Darauf reagiert er mit verschiedenen Lauten, die seine Familie inzwischen ganz gut zu deuten weiß – ob Lukas etwa seinen Unmut kundtun möchte, Freude zeigt oder etwas "erzählen" möchte.
Ohne eine große Hilfsbereitschaft vieler Menschen wäre es nicht möglich gewesen, dass Lukas wieder nach Hause kommt. Alexandra Vogl ist es ein Anliegen, ihnen Danke zu sagen. Da wäre zum Beispiel ihre Cousine Christine Balk, die mit ihrem Ehemann für zehn Monate nach Vogtareuth in Oberbayern gezogen ist, als Lukas dort in Behandlung war. Sonja und Konrad Schlagenhaufer haben die Spendenaktion ins Rollen gebracht, die organisatorisch vom Verein 9.9 aus Altendorf betreut wurde, das große Spendenfest wiederum stemmte die Pertolzhofener Vereinsgemeinschaft. Auch der Perschener Bauernmarkt hat für Lukas ein Spendenfest ausgerichtet. Hausarzt, Therapeuten, das Kinderpalliativteam in Amberg fallen Vogl noch ein, und natürlich die Jugendhilfeeinrichtung Fino-Familia, die auch Bruder Tom in der schweren Zeit aufgefangen hat.
Ihr Chef Landrat Thomas Ebeling hat Alexandra Vogl die Arbeit von zu Hause aus ermöglicht, in organisatorischen Dingen, was Anträge und mehr betrifft, hat ihr Angelika Grundler geholfen. Und freilich sind da dann noch unzählige Unternehmen, Vereine, Schulen, Kindergarten, Einrichtungen und Privatpersonen, die mit ihrer Spende geholfen haben. Eine Welle der Hilfsbereitschaft hatte im vergangenen Jahr den Landkreis Schwandorf und die Region ergriffen, als das Schicksal von Lukas bekannt wurde – seine Mutter ist dafür sehr dankbar.
Hilfe für Lukas
- Oktober 2023: Lukas erleidet einen schweren Asthma-Anfall und Herzstillstand, es schließt sich rund ein Jahr Klinikaufenthalte an - damit er wieder nach Hause könnte, wären unter anderem barrierefreie Umbaumaßnahmen am Haus nötig, außerdem ein speziell umgebauter Bus
- Juli 2024: große Spendenaktion für Lukas wird ins Leben gerufen durch den Verein 9.9 Schwarzachtal und die Vereinsgemeinschaft Pertolzhofen
- 22. September 2024: großes Benefizfest für Lukas am Stodl in Pertolzhofen
- Eingegangene Spenden: insgesamt rund 180.000 Euro
- Oktober 2024: Lukas kommt nach Hause
























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