Pfaben bei Erbendorf
22.02.2023 - 10:38 Uhr
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Energieerzeugung "made nebenan": Pfabener betreiben Hackschnitzelheizung

In Pfaben haben vier Nachbarn die Energieerzeugung in eigene Hände genommen: Modern, nachhaltig und wirtschaftlich ist die Hackschnitzelheizung samt Nahwärmenetz, die seit Oktober vergangenen Jahres läuft.

Drei Zweifamilienhäuser, ein Einfamilienhaus und eine Kfz-Werkstatt werden durch die Anlage mit Wärme versorgt. Eine Hackschnitzelheizung ist aufgrund der hohen Investitionskosten für ein Einfamilienhaus nicht rentabel. Daher haben sich gleich vier Hauseigentümer zusammengetan und das Projekt gemeinsam in Angriff genommen. Die Planung begann schon im Jahr 2021. Auch die Anlage und das nötige Material wurden gleich bestellt. Lieferschwierigkeiten und enorme Preissteigerungen gab es zu diesem Zeitpunkt nicht, wie Franz Schraml erzählt.

Von ihm ging die Initiative aus. Über eine landwirtschaftliche Fachzeitschrift erfuhr er von der staatlichen Förderung, zum damaligen Zeitpunkt in Höhe von 45 Prozent, die für den Einbau einer Hackschnitzelheizung abgerufen werden kann. Das war letztendlich ausschlaggebend für die Entscheidung. Für die Verlegung der Leitungen gab es zusätzlich eine KfW-Förderung in Höhe von 60 Euro pro Meter. Die Baukosten für die Heizanlage betrugen 120.000 Euro, zusätzlich wurden 40.000 Euro ins Netz zu den Gebäuden investiert.

Nachbarn und Familie

Eingebaut hat die Heizungsanlage die Firma Haberkorn aus Erbendorf. „Das hat alles reibungslos funktioniert“, bestätigt Franz Schraml, auf dessen Grundstück sich das Herzstück, die Zentrale der Anlage, befindet. Als Rechtsform haben er und seine Mitstreiter, die nicht nur Nachbarn, sondern auch Verwandte sind, eine GbR gewählt. Der bürokratische Aufwand könne dadurch gering gehalten werden. So erfolgte die Gründung der „Holzenergie Grandl GbR“. Deren Gesellschafter sind neben Franz Schraml dessen Bruder Hans, Sebastian Kraus, Fabian Schraml und Richard Plannerer. Grandl ist der Hausname der Familie Schraml.

Die Anlage wurde schließlich am 3. Oktober 2022 in Betrieb genommen. Seitdem konnten durch die neue Heizung bereits 9000 Liter Heizöl eingespart werden. Statt der ungefähr 15.000 Liter Heizöl, die vorher jährlich für die vier Anwesen benötigt wurden, werden jetzt 250 Kubikmeter Hackschnitzel verheizt. Um diese zu produzieren, müssen 130 Ster des Rohstoffes Holz verarbeitet werden.

Die Produktion der Hackschnitzel ist dabei vollständig in der Hand der GbR. Das Holz wächst im heimischen Wald, wird dort geschlagen und für ein bis zwei Jahre zur Trocknung eingelagert. Vor allem in den vergangenen Jahren, als viele Bäume dem Borkenkäfer zum Opfer fielen, musste ohnehin eine große Menge Holz aus dem Wald geschafft werden. Auch die mechanische Weiterverarbeitung des Holzes zu Hackschnitzeln geschieht vor Ort. Dadurch fallen so gut wie keine Transportwege an.

Für die Lagerung ist ein großer Bunker notwendig. Was in der Stadt eine Herausforderung oder ganz unmöglich ist, ist auf landwirtschaftlichen Anwesen meist kein Problem. Pro Einfamilienhaus sind etwa 50 bis 60 Kubikmeter Raum für die Lagerung der Hackschnitzel erforderlich.

Daten aufs Handy

Technisch ist die Anlage auf neuestem Stand. Störungsmeldungen und alle aktuellen Daten werden direkt ans Handy geschickt. In jedem Haus befindet sich außerdem eine Übergabestation, an der der Verbrauch an Wärmeeinheiten jederzeit ablesbar ist. Insgesamt sind 7000 Liter Pufferspeicher vorhanden, sodass die Wärme zwischengespeichert und bei Bedarf ins Netz eingespeist werden kann. Ein Feinstaubfilter sorgt dafür, dass die Staubemission nur etwa ein Zehntel des Grenzwertes beträgt.

In den Wintermonaten muss der Bunker alle drei Monate aufgefüllt werden. Nach dem Befüllen läuft die Anlage vollautomatisch, inklusive der Ascheentleerung. Die Asche wiederum kann als Pflanzendünger verwendet und wieder ausgebracht werden. So schließt sich der Kreislauf.

Insgesamt sind die fünf Pfabener hochzufrieden mit der neuen Heizungsanlage, die nicht nur effizient ist, sondern auch Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen schaffe.

Info:

Daten zur Hackschnitzelheizung

  • Inbetriebnahme: Oktober 2022
  • Kosten: 120.000 Euro, zusätzlich 40.000 Euro für Netz zu den Gebäuden investiert
  • Wärmeversorgung: drei Zweifamilienhäuser, ein Einfamilienhaus und eine Kfz-Werkstatt
  • jährlicher Verbrauch für die vier Anwesen: 250 Kubikmeter Hackschnitzel
  • verarbeitet werden 130 Ster Holz
  • Lagerraum: pro Einfamilienhaus etwa 50 bis 60 Kubikmeter
  • Pufferspeicher: insgesamt 7000 Liter
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