24.09.2020 - 14:08 Uhr
Pfaben bei ErbendorfOberpfalz

Klettern lernen ist mehr als nur herumzukraxeln

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Es war eine der wenigen Veranstaltungen der Kommunalen Jugendpflege im Landkreis Tirschenreuth, die heuer überhaupt stattfinden konnte: das Steinwald-Kraxeln. Erneut war das Angebot wieder komplett ausgebucht.

Mutig erklimmen die Kinder die steile Wand des Vogelfelsens.
von Roland WellenhöferProfil

Am Wanderparkplatz in Pfaben freut sich Katharina Grimm von der Kommunalen Jugendpflege über 20 Kinder und Jugendliche. Zunächst steht ein gut halbstündiger Fußmarsch zum Kletterfelsen auf dem Programm.

Der Vogelfelsen ist einer der beliebtesten Kletterfelsen im Naturpark Steinwald. Schon auf dem Weg dorthin gaben die Betreuer den Kindern ganz nebenbei wichtige Tipps über das Verhalten im Wald. Pit Brunner, Erlebnispädagoge vom Abenteuerladen Hof, will den Kindern mehr beibringen, als nur das Klettern. Er will ihnen den Respekt vor der Natur, aber auch den Respekt gegenüber den Mitmenschen vermitteln.

Wie eine Bastion

Und so wird zunächst einmal eingeteilt, wo im Wald die Mädchentoilette und wo die Jungstoilette ist. In der Natur muss man auf andere Rücksicht nehmen. Das ist schon die erste Lektion. Und plötzlich steht der mehr als 20 Meter hohe Vogelfelsen wie eine Bastion vor den Kindern. Respektvoll betrachten sie die massive Granitformation, die an diesem Tag von der spätsommerlichen Sonne in ein atemberaubendes Licht gehüllt ist.

An der Sonnenseite, die fast senkrecht in den Himmel ragt, haben Pit und sein Team bereits die Sicherungsseile eingehängt. Nach einer kurzen Einführung heißt es für die Kinder, das Kletterzeug anzulegen. Gar nicht so einfach. Hier helfen sich die Kinder gegenseitig. Nachdem der korrekte Sitz des Gurtes durch die Betreuer geprüft wurde, geht es endlich an den Felsen. Für Kinder und Jugendliche ist Klettern ein Grundbedürfnis. Doch viele haben noch nie im Fels geklettert. Andere haben dagegen schon Erfahrung beim Klettern in der Halle.

Mutig nach oben

Der 13-jährige Valentin traut sich schließlich als Erster, die Felsenwand hinaufzukraxeln, nachdem er ins Seil eingehängt wurde. Vorsichtig tastet er sich nach oben vor. In den engen Spalten und kleinen Felsvorsprüngen finden seine Finger Halt. Angst braucht er keine haben, denn von unten sichert Pit jeden Kletterer und gibt Tipps für einen sicheren Stand. Für die Beobachter ist es erstaunlich, wie unbedarft und mutig die Mädchen und Jungs nach oben steigen. Manche brauchen ein bisschen länger, um einen sicheren Griff oder Tritt zu finden. Und manche trauen sich auch nicht bis ganz nach oben. Doch keiner lacht den anderen deshalb aus. Den Respekt haben die Kinder bereits verinnerlicht.

Vertrauen

In der nächsten Lektion lernen sie, sich zu 100 Prozent auf jemand zu verlassen. Denn es braucht schon eine gewisse Überwindung, wenn sich die Kinder beim Abstieg einfach nach hinten ins Seil fallen lassen und dann breitbeinig den Felsenturm rückwärts wieder heruntersteigen.

Klettern macht hungrig. Und so packen die Kinder nach und nach ihre Brotzeitdosen aus. Da nicht alle gleichzeitig an einem der gesicherten Seile klettern können, haben die Kinder rund um den Vogelfelsen genügend Möglichkeit, sich die Zeit zu vertreiben. Die gemeinsame Erkundung der zahlreichen Höhlen der Felsformationen ist ebenso spannend und lehrreich. Viel zu schnell geht der Tag im Naturpark Steinwald vorüber. Am Ende zählt Katharina Grimm alle Kinder nochmal durch. „Verloren gegangen ist bei uns noch niemand“, sagt sie lachend, als sie die Rasselbande wieder in die Obhut ihrer Eltern entlässt. Die Kinder haben an diesem Tag viel zu erzählen.

Tolle Eindrücke bescherte eine Jubiläums-Tour auf dem Waldhistorischen Lehrpfad im Naturpark Steinwald

Friedenfels

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