Von Stefanie Swann und Maximilian Hohlheimer
Während manche auf dem Wanderparkplatz im kleinen Bergdorf Pfaben bei Erbendorf ihre Kletterausrüstung überprüfen, schnüren andere ihre Wanderschuhe. Zwei Männer treten in die Pedale ihrer Mountainbikes, eine Frau in Sportklamotten schiebt einen Kinderwagen bergauf. Der Wanderparkplatz ist Ausgangspunkt für viele Freizeitaktivitäten im Steinwald im Landkreis Tirschenreuth.
Die Strecke von Pfaben ist etwa 14 Kilometer lang und hat 340 Höhenmeter. Durchschnittlich schnelle Spaziergänger brauchen dafür ungefähr vier Stunden. Wer die gesamte Route zurücklegen möchte, benötigt eine gute Grundausdauer. Entlang der Strecke gibt es zahlreiche Felsformationen mit ausgefallenen Formen und Namen, spektakuläre Aussichtsmöglichkeiten und eine imposante Burgruine.
Zipfeltannenfelsen
Wenige Meter nach dem Parkplatz müssen Wanderer am Spielplatz den Forstweg verlassen und links auf einen Pfad in den Wald gehen. Nach etwa 500 Metern ist der Zipfeltannenfelsen erreicht. Dieser ist über 15 Meter hoch, besteht aus Granit und soll die Form einer Zipfeltanne haben. Zu der Gruppe dieses Felsmassivs gehört auch die "Steinwald-Sphinx". Aus verschiedenen Perspektiven ähnelt die Felsformation den Figuren der ägyptischen und griechischen Mythologie – eine Kombination aus Tierkörper und menschlichem Kopf.
Doch bei der Steinwald-Sphinx war die Natur der Bildhauer. Vor etwa 300 bis 500 Millionen Jahren verschoben sich laut Naturpark Steinwald die Erdkrustenblöcke übereinander. Die Gesteine der heutigen Felsformation lagen damals tief unter der Erdoberfläche. Im Laufe der Zeit haben Wind und Wetter die darüber liegenden Schichten abgetragen und den Granit freigelegt. Experten bezeichnen diesen Prozess als Wollsackverwitterung, da die Felsen mit abgerundeten Kanten wie gestapelte Kissen oder Wollsäcke aussehen.
Steinpilz-Felsen
In der Nähe der Zipfeltanne steht am Wegrand der Route ein Felsen, der an einen überdimensionalen Steinpilz erinnert – auch bekannt als "Steinpilz-Felsen". Solche Formen entstehen laut Naturpark Steinwald durch die Erosion von Granit. Durch fließendes Wasser oder eine Kombination aus Eis und Wind verwittern härtere Gesteinsschichten langsamer als weichere Schichten. So können beispielsweise pilzförmige Felsen entstehen. Der schmale Stiel besteht aus vergleichbar weichem Gestein und verwitterte dadurch schneller als die breite Kappe, die aus einer härteren Gesteinsschicht ist.
Saubadfelsen
Nach etwa eineinhalb Kilometer ragt eine weitere Felsformation mit ungewöhnlichem Namen empor: der Saubadfelsen. Über Metallstufen erreichen Wanderer eine Aussichtsplattform auf dem 858 Meter hohen Gipfel. Von dort blickt man auf kantige Granitbrocken, die sich vom Felsen gelöst haben. Millimeterweise rutschen die herausgebrochenen Felsstücke wie ein steinerner Gletscher talwärts. Deshalb wachsen am Hang unterhalb des Felsens zwar keine Bäume – die Hohlräume zwischen den Brocken bieten jedoch Lebensraum für viele kleine Tiere.
In der Namensgebung waren die Menschen früher kreativ. Laut des ehemaligen Försters Norbert Reger ist der Saubadfelsen bereits seit dem 19. Jahrhundert unter diesem Namen in Forstkarten eingetragen. Für die Menschen sollen die Felsbrocken wie kleine Schweine ausgesehen haben, die in der Senke ein Bad nehmen.
Waldhaus im Steinwald
Zurück vom Saubadfelsen führt der Wanderweg nach 500 Metern zu einer Waldlichtung. Dort steht am Ende einer Allee das Waldhaus – ein kleines Granithaus mit roten Fensterläden. Ursprünglich war es ein Forstgebäude, das ein Waldaufseher 1831 errichtet hat. Um sich selbst zu versorgen, legte sich der Forstwärter eine freie Fläche für Ackerbau und Viehhaltung an. Auch eine Waldschänke entstand, die bei Wanderern beliebt war. Das heutige Gebäude erbaute die Staatsforstverwaltung 1899. Bis 1959 kehrten Wanderer für Brotzeit und Getränke ein. Nachdem der letzte Forstmann das Waldhaus verließ, wurde die Wirtschaft geschlossen. Inzwischen ist es wieder möglich, am Wochenende dort einzukehren.
Oberpfalzturm
Nach dem Waldhaus verläuft der Weg wieder zurück in den Wald. Wanderer erreichen nach zwei Kilometern den Gipfel der Platte – mit 946 Metern der höchste Berg im Steinwald. Auf einer großen Wegkreuzung ist der 33 Meter hohe Oberpfalzturm nicht zu übersehen. 150 Holzstufen später steht man so auf einer Höhe von 979 Metern. Über den Wipfeln der Nadel- und Laubbäume eröffnet sich von der Turmspitze bei klarer Sicht ein weiter Rundblick – über die hügelige Oberpfalz hinweg bis hin zum Fichtelgebirge und der Bergekette des Böhmerwaldes, die die Grenze zu Tschechien markiert.
Der Oberpfalzturm verdankt seinen Namen der Tatsache, dass die Platte bis zur Gebietsreform 1972 die höchste Erhebung der Oberpfalz war. Diesen Titel hat seitdem das Zwercheck im Vorderen Bayerischen Wald mit 1333 Metern übernommen. Im Steinwald bleibt der Turm der höchste Punkt. Die heutige Konstruktion ist jedoch nicht das Original. Der ursprüngliche Turm wurde nach 30 Jahren baufällig und musste 1998 abgerissen werden. Zwei Jahre später entstand ein neuer Turm, der neun Meter höher ist als sein Vorgänger. "Aus der Ferne betrachtet, sitzt der Turm wie ein kleines Krönchen auf der sanften Silhouette des Waldgebirges", heißt es beim Naturpark Steinwald.
Dreifaltigkeitskapelle
Auf dem Weg zwischen Oberpfalzturm und der Burgruine Weißenstein haben Engagierte im Jahr 1974 eine Kapelle aus Oberpfälzer Granit und Holz errichtet. Die Kapelle und das davorstehende Marterl sind der Dreifaltigkeit geweiht. Das spiegelt sich auch in der gesamten Gestaltung wider. Dreiecke prägen von der Grundfläche bis hin zu den Fenstern die Architektur. Die Kapelle dient nicht nur als Ort der Besinnung, sondern auch als Unterstand bei schlechtem Wetter. Von hier sind es etwa noch zehn Minuten bis zum Weißenstein.
Burgruine Weißenstein
Auf 858 Meter befindet sich das Wahrzeichen des Naturparks: die Burgruine Weißenstein. Laut Naturpark Steinwald war die Burg erstmals 1279 urkundlich erwähnt. Man muss genau hinsehen, um zu unterscheiden, welchen Teil Menschenhand gebaut hat und was die Natur geformt hat: Berg und Burg verschmelzen. Steinstufen und eine Holztreppe führen hinauf in den Bergfried der Burg, die bis 1556 bewohnt war. Auf Initiative der Gesellschaft Steinwaldia Pullenreuth ließ Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg die einsturzgefährdete Ruine von 1997 bis 2002 restaurieren.
Wildgehege
Nach einer Brotzeitpause beginnt der Rückweg. Bis zum Waldhaus gleicht dieser dem Hinweg. Halten sich Wanderer danach links, erreichen sie ein Wildgehege. Dieses betreibt der Verein Naturpark Steinwald seit 1970. Rothirsch "Moritz" und sein Rudel erwarten vorbeikommende Wanderer bereits am Zaun.
Neben dem Gehege befinden sich außerdem ein Waldspielplatz und ein kleiner Teich. Wer mit Kindern eine kürzere Wanderung zum Wildgehege machen möchte, erreicht dieses auch direkt vom Wanderparkplatz Pfaben in ungefähr zwei Kilometer. Und wer am Wochenende unterwegs ist und keine eigene Brotzeit dabei hat, kann dann auch gleich im Waldhaus einkehren.
Die Route auf einen Blick
- Start und Ende: Wanderparkplatz Pfaben
- Strecke: 14 Kilometer, 340 Höhenmeter
- Dauer: Ungefähr vier Stunden
- Mittelschwere Strecke: Grundkondition vorausgesetzt, überwiegend gut begehbare Wege, Trittsicherheit erforderlich
- Höhepunkte: Zipfeltannenfelsen, Steinpilz-Felsen, Saubadfelsen, Waldhaus, Oberpfalzturm, Dreifaltigkeitskapelle, Burgruine Weißenstein, Wildgehege




















































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