Von Stefanie Swann und Maximilian Hohlheimer
Früh um 8 Uhr ist der Wanderparkplatz hinter Schönsee noch ganz verlassen. Die dichten Nadelbäume links und rechts ragen hoch in den Himmel. Der Waldboden ist noch von Tau überzogen. Das nasse Moos leuchtet tiefgrün. Es hat geregnet. Hier an der Staatsstraße 2159, hinter Schönsee im Landkreis Schwandorf, rund einen Kilometer vom Ort Stadlern entfernt, beginnt die Wanderung.
Der Rundwanderweg durch den Böhmerwald nahe der deutsch-tschechischen Grenze ist etwa 10 Kilometer lang und hat 220 Höhenmeter. Dafür brauchen durchschnittlich fitte Menschen etwa 2 Stunden und 40 Minuten. Es lohnt sich aber, an den Höhepunkten der Route länger zu verweilen. Vor allem die verlassene Siedlung Bügellohe ist geschichtsträchtig. Dort gibt es durch Informationstafeln viel zu erfahren. Vom Böhmerwaldturm als auch von der Burgruine Reichenstein hat man eine weitreichende Aussicht. Auf der Runde kommen Wanderer an beeindruckenden Felsformationen vorbei, zum Beispiel am Hochfels und seiner Heidelandschaft. Das Ende der Route ist auch der Startpunkt: Der Wanderparkplatz.
Sautreibergasse
Einmal geparkt, geht es in Richtung Osten. Ein Kompass ist aber nicht notwendig: Holztafeln zeigen den Weg in Richtung Bügellohe an. Nach etwa zwei Kilometer Gang durch den Nadelwald kommen Wanderer zum sogenannten Sautreiberweg. Der Sautreiberweg erstreckt sich über ganze 87 Kilometer von Schwandorf bis in den Böhmerwald und teilt sich in mehrere Etappen. Ein Abschnitt führt entlang der tschechischen Grenze. Der Name Sautreiberweg war hier Programm. Er stammt aus der Zeit als Schwandorf um 1350 ein florierendes Zentrum für den Vieh- und Salzhandel war, heißt es aus dem Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald. Viehhalter trieben die Schweine von dort nach Schönsee auf den Markt. Heute wird der Abschnitt entlang der tschechischen Grenze Sautreibergasse genannt. Charakteristisch für die Gasse ist die Hohlwegform: rechts und links rahmen Erdwälle den Wanderweg. Als im 18. Jahrhundert der Salzhandel abflaute, verloren der Markt Schönsee und auch der Sautreiberweg an Bedeutung. Ein kurzes Wiederaufleben erhielt er während des Zweiten Weltkriegs als Schmugglerpfad für Vieh und Tabak.
Verlassene Siedlung Bügellohe
Verlässt man die Gasse, führt ein kurzer Weg links zur verlassenen Siedlung Bügellohe. Hier befindet sich eine Dokumentations-Ausstellung und Informationstafeln. Sie geben einen Einblick in die dramatische Geschichte der Bewohner Wenzelsdorf, einer Ortschaft in Tschechien: Elf vertriebene sudetendeutsche Familien siedelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem deutschen Grund an. Die meisten stammten aus Wenzelsdorf, was nur einen knappen Kilometer von der Bügellohe entfernt lag. Die Bewohner hatten zunächst die Hoffnung, bald wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Doch der Tag der Rückkehr trat nie ein. Die Regierung der damaligen Tschechoslowakei ließ Wenzelsdorf 1950 dem Erdboden gleich machen, weil es in der Sperrzone im Grenzbereich lag. So bauten sich die Bewohner aus den vorübergehenden Baracken im Wald befestigte Wohnhäuser und sogar ein Gasthaus mit einer Kegelbahn.
Doch das Leben war beschwerlich – es gab weder Strom noch fließendes Wasser oder eine Anbindung zu einer Straße. Die Menschen mussten Baumaterial und Lebensmittel zu Fuß hochtragen, wie es im Informationszentrum heißt. Der nächste Arzt hatte im sieben Kilometer entfernten Schönsee seine Praxis. Wenn der Schnee im Winter meterhoch lag, war der Schulweg für die Kinder eine zusätzliche Herausforderung. Die harten Lebensumstände trugen dazu bei, dass nach und nach immer mehr Menschen das Dorf verließen – der letzte Bewohner verließ 1969 Bügellohe. Das Dorf verfiel über die Jahre, nur ein Haus blieb bestehen: Das "Fleischhackerhaus". Heute wird es mit einem Stahlseil, das sich um das Gemäuer spannt, zusammengehalten. Alte Schuhe, Töpfe, Öfen und Gartengeräte erinnern an die elf Familien, die hier einst lebten.
Böhmerwaldturm
Zurück auf dem Rundwanderweg, erscheint nach etwa 600 Metern der Böhmerwaldturm. Der Turm befindet sich auf dem Weingartenfels, der mit 898 Metern die höchste Erhebung des Landkreises Schwandorf ist. 142 Stufen führen zu einer rundum verglasten Aussichtskanzel, welche mit zwei Fernrohren ausgestattet ist. "Die Idee zur Errichtung des Böhmerwaldaussichtsturmes geht bis in die Zeit des 'Eisernen Vorhangs' zurück", heißt es aus dem Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald. "Damals wollten die Bewohner des Grenzgebietes zumindest einen Blick in die einstige Heimat, aus welcher sie vertrieben wurden, werfen." Und tatsächlich haben Besucher einen herrlichen Blick auf den Oberpfälzer-, den Böhmer- und den Bayerischen Wald. Bei Regenwetter bietet es sich an, hier Mittagspause zu machen.
Ausblick vom Panorama Kino
Unten angekommen, geht es weiter in Richtung Süden. Dort steht seit etwa drei Jahren das Landschaftskino am Weingartenfels. Sieben hölzerne, knarzende Klappstühle, die an Kinosessel erinnern, laden Wanderer ein, innezuhalten und den weiten Ausblick über die Waldlandschaft des Böhmerwalds zu genießen. Bei gutem Wetter kann man hier wunderbar Rast machen.
Sagenumwobene Ruine Reichenstein
Nach zwei Kilometern gen Süden erscheint eine Burgruine in dem verwunschenen Nadelwald. Die Burg Reichenstein galt im Schönseer Raum als Siedlungsmittelpunkt, der laut der Touristeninformation Schönseer Land wahrscheinlich im 11. Jahrhundert entstand. Schon Mitte des 14. Jahrhunderts verlor die Burg ihre Bedeutung als Herrschaftsmittelpunkt. Heute stehen noch Mauerreste und der Stumpf des runden Bergfrieds. Laut einer Sage liegt unter der Ruine ein Goldschatz. Heben könne man ihn aber nur am Palmsonntag, während beim Gottesdienst in der Kirche von Stadlern die Passion gelesen wird. Wer den Versuch wagt, aber die Frist auch nur um eine Sekunde verpasst, sei verloren. Die weißen Frauen, die um die Burg geistern, würden ihn holen und der Berg werde sich für ein weiteres Jahr verschließen.
Hochfels
Bevor es noch ein Unglück gibt, geht es schnell weiter zum Hochfels. Der Hochfels ist eine markant herausragende Felsrippe und besteht aus Cordierit-Silimanit-Gneis. Wenn Gesteine absinken, wandeln sie sich durch Druck und hohe Temperaturen um. Neue Minerale wachsen. "Die im Gneis am Hochfels neu entstandenen Minerale sind Anzeiger für Temperaturen über 600 Grad Celcius", schreibt das Bayerische Landesamt für Umwelt. Viele Gneiskuppen bei Stadlern sind zwischen den Bäumen versteckt. Der Hochfels hingegen ist durch seine freie Lage besonders imposant. Von hier aus hat man einen beeindruckenden Panoramablick über das Schönseer Land und nach Tschechien. Rund um das Gneismassiv gibt es eine Heidelandschaft mit vielfältiger Insekten- und Pflanzenwelt. Das Gebiet ist als Naturdenkmal geschützt.
Weiter geht es durch das Dorf Stadlern. Ab hier geht es wieder Richtung Norden. Der letzte Kilometer führt auf einem leicht begehbaren, ebenen Weg zurück zum Wanderparkplatz an der Staatsstraße 2159.
Die Route auf einen Blick
- Start und Ende: Wanderparkplatz zwischen Schönsee und Stadlern
- Strecke: 10,2 Kilometer, 220 Höhenmeter
- Dauer: Etwa 2 Stunden 40 Minuten
- Mittelschwere Wanderung: Leicht begehbare Wege, Kondition erforderlich
- Höhepunkte: Sautreibergasse, verlassene Siedlung Bügellohe, Böhmerwaldturm, Panorama Kino, Burgruine Reichenstein, Hochfels








































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