24.05.2019 - 20:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

1,3 Millionen in 22 Jahren

Die Millionengrenze ist überschritten. Mit dem Blick auf diese Spendensumme könnte sich Josef Ziegler zufrieden zurücklehnen. Er tut es nicht.

Managen die „Aktion Tschernobyl“: Josef Ziegler und seine Frau Angelika.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Seit einer Woche ist Wolodymyr Selenskyj neuer Präsident der Ukraine. In den vielen Jahren, in denen sich die "Aktion Tschernobyl" für die Verbesserung der desolaten Zustände in ukrainischen Kliniken einsetzt, hat Josef Ziegler nicht nur ein Staatsoberhaupt kommen und gehen sehen. Selenskyjs Vorgänger Petro Poroschenko habe weder die Korruption bekämpft, noch den Krieg in der Ost-Ukraine beendet. Die Menschen seien enttäuscht. "Jetzt versuchen sie es einfach mit einem anderen", mit einem Schauspieler in einem Land, in dem das Einkommen meist nicht zum Leben reiche, so der Pfreimder Arzt.

Regionen gestärkt

Der Ära Poroschenko schreibt Ziegler zugute, dass die Regionen mehr Selbstbestimmung bekommen haben. In Jagotin gibt es jetzt einen "Gebietsstaatsverwalter". Es entsteht im Umfeld mancher Krankenhäuser eine Art Krankenkasse, in die Bürger einzahlen.

"Für unsere Arbeit wird sich wohl kaum was ändern", meinen Josef Ziegler und seine Frau Angelika mit Blick auf Transporte und oft akribische Zollformalitäten. Weiter verändern wird sich hingegen die Ware, die in die Partnerkrankenhäuser nach Kiew, Jagotin, Uljanovka und Naroditschi geliefert wird. Sie sind inzwischen gut ausgestattet, Techniker des Vereins "Aktion Tschernobyl" hielten sie mit in Schuss.

Besorgt wurden und werden stets neue medizinische Geräte mit den entsprechenden Ersatzteilen. Sie werden mit Spendengeldern angekauft, stammen auch aus Klinikauflösungen. Doch die Zeiten ändern sich, der medizinische Fortschritt, die Digitalisierung von Geräten schreitet immer schneller vonstatten. Wenn nun statt des obligaten Endoskopiegeräts Video-Endoskopie gefragt ist, sind das andere Preissegmente und andere Zeitintervalle. Wartungen müssen die Ukrainer nun vor Ort selbst vornehmen.

Die "Aktion Tschernobyl" hingegen setzt ihren Schwerpunkt auf Hygiene. In der neurochirurgischen Klinik in Kiew ist die von der Hilfsorganisation ermöglichte neue Sterilisationsanlage - Wert 70 000 Euro - am laufen. In Jagotin werden zwei generalüberholte Sterilisatoren der MMM Stadlern, eine Instrumentenwaschmaschine und Steriboxen (36 000 Euro) sowie eine Wasseraufbereitung. (6000 Euro) gute Dienste leisten. Im März wurde ein Sattelschlepper damit beladen. Die Spedition Bavaria Trans bringt jetzt drei nagelneue OP-Ausrüstungen EKG-Geräte, Sterilisatoren, die Einrichtung für ein Stationszimmer und eine Infektionspumpe nach Uljanovka. In Naroditschi wird die Kinderisolierstation fertiggestellt.

Seit Beginn der Hilfslieferungen sind Geräte und Einrichtungsgegenstände im Wert von vielen Millionen Euro in die Ukraine gegangen: Aus geschlossenen Krankenhausstationen, aus den Beständen des aufgelösten Bundesamtes für Zivilschutz. Und seit der Gründung des Vereins "Aktion Tschernobyl" im Jahr 1997 sind 1,3 Millionen Euro an Geldspenden geflossen - auch dank der Transparenz gegenüber den Spendern.

Schwerpunkt: Hygiene

"Ich will nicht angeben, aber das macht uns so schnell keiner nach", fasst Josef Ziegler zusammen. Bei den Zieglers vergeht kaum kein Tag, an dem sie nicht mit der "Aktion Tschernobyl" befasst sind. Um sie weiter zu bewältigen, wird ein Schwerpunkt gesetzt: Hygiene. Ihr tun übrigens auch die Fliesen aus der Oberpfalz gut, die nun in der chirurgischen Station in Jagodin am Boden liegen. Das Personal hat voller Freude Bilder geschickt.

In einer Halle in Hirschau wird eingelagert und verpackt. Eine Spedition bringt die Ware zu den ukrainischen Partnerkrankenhäusern.
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