24.11.2021 - 13:40 Uhr
PfreimdOberpfalz

46-jähriger Pfreimder betritt mit klimafreundlichem Eigenheim Neuland

Mondholz, kein Beton und fast autark: Damit sticht das Haus von Florian Klein heraus zwischen den Neubauten im Pfreimder Neubaugebiet. Bei jedem Detail hat er ans Klima gedacht.

Florian Klein hat versucht beim Bau seines seines Eigenheims in Pfreimd den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Der Verzicht auf Beton spielt dabei eine wesentliche Rolle. .
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein Geruch nach frischem Holz empfängt die Besucher in dem aktuell kleinsten Haus im Pfreimder Neubaugebiet. Ein sogenanntes Tiny House ist das nicht, aber Bauherr Florian Klein hat sich trotzdem so einiges abgeschaut von dem Trend, der viel mit Umweltbewusstsein zu tun hat. Bei jeden Schritt, jedem Gewerk ging es dem 46-Jährigen darum, seinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten.

Es ist der Seitenblick aufs Klima, der ihn von Anfang an motiviert hat, neue Wege zu gehen - und beispielsweise ganz auf Beton und Ziegel zu verzichten. Der Grund: "Zement bedeutet einen wahnsinnig hohen CO2-Fußabdruck allein durch die chemische Reaktion bei der Herstellung", erklärt der Bauherr. "Pro Tonne Zement sind das 300 Kilogramm CO2." Die Rechnung geht noch weiter: Klein schätzt, dass so ein reguläres Einfamilienhaus 300 bis 500 Tonnen CO2 verbraucht. "Die Erde packt pro Einwohner nur zwei Tonnen pro Jahr", warnt er, "alle darüber hinaus geht zulasten künftiger Generationen".

Das der Pfreimder deshalb nicht einmal eine Beton-Bodenplatte wollte, erstaunte auch den Abensberger Unternehmer, der für den Holzbau engagiert wurde. Die Lösung: eine Holzkonstruktion mit zwei Meter langen horizontalen Holzschrauben, viel Abstand zum Boden, in dem 40 überdimensionale Schrauben aus verzinktem Stahl stecken. Selbst die L-Steine rund um den Holzbau sind nicht aus Beton, sondern aus Kunststoff. "in Nordeuropa gibt es viele Häuser auf Schraubfundamenten", berichtet der 46-Jährige Informatiker, dessen freiberufliche Tätigkeit seit der Leitung der örtlichen Musikschule etwas in den Hintergrund getreten ist.

Für die Wände wollte der Bauherr nicht irgendein Holz sondern Fichte aus dem Hochgebirge, sogenanntes "Holz 100", das besonders dicht gewachsen sein soll und beständig, weil schon der Einschlag zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt erfolgt ist. Weil aber Vollholz gar nicht so gut dämmt, wurden die Wände um eine Schicht Holzweichfaser hinter den Brettern für die Fassade ergänzt. 53 Zentimeter dick sind diese Wände. "Die speichern ganz gut Wärme, morgens ist es höchstens ein Grad kühler", so die Erfahrung des Hausherrn, der in Kombination mit dreifach verglasten Fenstern die Anforderungen an die Energieeffizienz locker schafft.

Strom fast nur vom Dach

Die Energie, die kommt in diesem Fall ohnehin vom Dach. Und zwar nicht nur für Strom, sondern auch für die Infrarot-Platten, die neben einem kleinen Radiator die ganze Heizungsanlage ausmachen. Wärmepumpe und Fußbodenheizung hat er verworfen. "So etwas hat nur zehn Jahre Lebensdauer, und Kältemittel kann dabei in die Atmosphäre entweichen", zeigt er Nachteile auf. Er will seine Wärme fast ausschließlich über ein komplettes Dach aus Photovoltaikplatten in Ost-West-Ausrichtung bekommen. "Das bringt nicht so viel Strom wie der Süden, aber dafür gleichmäßiger über den Tag verteilt, und Dachziegel habe ich mir so auch gespart."

Jetzt, wo die Sonne am Vormittag den Nebel vertreibt, dreht Florian Klein die Temperatur ein wenig höher, dann ist der Puffer für die Nacht gesichert. Draußen, wo momentan noch ein "Golf-Rasen" dominiert, soll erst im nächsten Jahr die Artenvielfalt zum Zug kommen. Eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 5000 Liter fürs Regenwasser hilft mit, weitere Ressourcen zu sparen.

Gut vier Monate nach dem Einzug sind die neugierigen Blicke auf dass Holzhaus nun ein bisschen weniger geworden. "Gerade in der frühen Bauphase war das wie vor dem Riesenrad auf dem Rummel", erzählt der Hausherr schmunzelnd. Nachdem er so mache Warnung einstecken musste vor nicht erprobten Systemen, ist er jetzt stolz auf seine Pionierleistung und fände es gut, wenn ein Teil seiner Ideen auch woanders ungesetzt wird.

Bereut hat er den eigenwilligen Bau bislang noch nicht. "Vielleicht wäre es noch einen Meter kleiner gegangen", überlegt er mit Blick auf den Grundriss von 7 mal 7 Metern. "Ein Tiny-House-Bauer könnte da sicher noch was rausholen", meint er und peilt noch ein paar elektronische Verbesserungen unter dem Stichwort "Smart Home" an. Davon, dass sein Haus in der Anschaffung billiger war, geht er allerdings nicht aus. "Aber spätestens bei den Heizkosten bin ich in zehn Jahren auf der Gewinnerseite", so seine Überzeugung.

Mehr Aufklärung erwünscht

Vor allem aber würde der frischgebackene Hausbesitzer sich wünschen, dass künftig mehr Aufklärung passiert in der Baubranche. "Beton und Ziegel? Tu das deinen Kindern nicht an!", sind die Tipps, die der 46-Jährige Bauwilligen geben würde. Als Realist weiß er aber: "Ein Reisebüro warnt auch nicht vor einem Klimaschaden, wenn jemand nach Neuseeland fliegen will." Und achselzuckend fügt er hinzu: "Wenn man den Sumpf trockenlegen will, sollte man nicht die Frösche fragen."

Ausstoß steigt wieder

Deutschland & Welt
Hintergrund:

Winzig, klimafreundlich und smart

  • Tiny House: Trend zu winzigen Häusern, Ursprung in den USA, inzwischen auch in Deutschland angekommen, appelliert an das Umweltbewusstsein und wendet sich zugleich an Personen mit geringem Einkommen.
  • CO2-Fußabdruck: Bemisst Emissionen, die durch Produkte oder von Menschen verursacht werden. Er gilt als Mittel, die Klimaauswirkungen von Aktivitäten zu ermitteln, um auf dieser Basis gezieltere Klimaschutz-Maßnahmen zu ergreifen und Klimaziele zu erreichen.
  • Smart Home:Oberbegriff für technische Verfahren und Systeme in Wohnräumen zur Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität, Sicherheit und effizienter Energienutzung auf Basis vernetzter und fernsteuerbarer Geräte.

 

 

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