10.05.2021 - 13:02 Uhr
PfreimdOberpfalz

Altbau in Pfreimd wird Hobby für ein Jahrzehnt: Schönheit unter Schutt und Staub

Ein Haus mit Charakter, ein Hobby für ein ganzes Jahrzehnt: So packt Florian Ruhland die Sanierung eines Altbaus in Pfreimd an. Einen Schatz hat er dabei bislang noch nicht gefunden. Der riesige Tresor, der inklusive kam, war leer.

Florian Ruhland hat schon einige Jahre in die Sanierung des zuletzt vom Raiffeisen-Konzern genutzten Gebäudes in der Rosengasse 17 gesteckt. Weil er möglichst alles selbst machen will, hat er auch noch ein paar Jahre bis zur Fertigstellung vor sich.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Leerstand, Sanierungsbedarf, steht zum Verkauf": Das Papier, auf dem das große grüne Haus in der Rosengasse 17 nach einem neuen Besitzer sucht, ist schon etwas vergilt. Und es sind auch schon sechs Jahre vergangen, seit Florian Ruhland das Gebäude im Herzen der Pfreimder Altstadt erworben hat. Seit 2019 zieren neue Biberschwanz-Ziegel das sanierte Dach des früheren Pfarrhofs und Tuchmacherhauses. Mittlerweile hat sich von der Öffentlichkeit unbemerkt auch im Inneren viel getan: Rustikale Mauern sind von der Putzschicht befreit, imposante Deckenbalken überspannen hohe Räume mit ungewöhnlich viel Licht.

"Ich wollte hier die Verschachtelung rausnehmen und vor allem die obere Wohnung so öffnen, wie sie ursprünglich einmal war", sagt der Bauherr, "durch kleine Räume geht so viel Licht verloren". In den 70er Jahren, als das Haus Büros und Schalter der Raiffeisenbank beherbergte, war das Nebensache. Jetzt ebnet ein Altbau-Fan mit Nabburger Wurzeln dem geschichtsträchtigen Gebäude den Weg in einen ursprünglicheren Zustand. Die Sanierung entpuppt sich als Entdeckungsreise mit interessanten Fundstücken. Ihr Preis: 400.000 Euro. Auf diese Summe ist das Projekt jedenfalls veranschlagt, ausschlaggebend für solche Berechnungen sind in der Regel die Kubikmeter umbauten Raum. Auf der Baustelle in der Rosengasse fallen aber vor allem Materialkosten an, weil der Besitzer alles selber machen will.

220 Tonnen Bauschutt hat er schon Schubkarren für Schubkarren aus dem Altbau geschafft. "Im Keller teilweise auch mit Eimern", gesteht der 36-Jährige, der bei diesem Hobby auf einen bewährten Helfer zählen kann. "Mein Vater packt hier mit an und unterstützt mich tatkräftig", erzählt der Industrietechniker, der inzwischen in die Betriebsleitung eines größeren Unternehmens in der Elektrobranche aufgestiegen ist. "Und mein Opa war Maurer", fügt er als Erklärung für das Interesse an dieser auf ein Jahrzehnt angelegten Freizeitbeschäftigung hinzu. "Man fängt einfach an, und dann kommt immer mehr dazu", beschreibt er den Start bei so einem Mammutprojekt.

Für die ersten Schritte waren allerdings Profis gefragt. 2017 stand der Plan, 2019 übernahm die namensgleiche Firma Ruhland aus Pfreimd die Dachsanierung. "Wenn man da oben in der Schräge steht, merkt man schnell, dass da besser die Fachleute anpacken sollten", so die Erfahrung des 36-Jährigen, der sich in diesem Fall auf den Job eines Bauhelfers beschränkte. Sein Vorteil: "Der Standort hier ist gut, es es gibt keine Not, dass das Haus in zwei oder drei Jahren fertig werden muss."

Also wurde geduldig der verfüllte Keller ausgeräumt, der jetzt noch einen, inzwischen verschlossenen, Brunnen birgt. Jeder neue Deckenbalken bekam gebrochene Kanten verpasst, jede vermauerte Nische ist ihre Verfüllung losgeworden. Vielleicht wird Ruhland in einer dieser Nischen das älteste Fundstück auf der Baustelle unterbringen: ein Trinkgefäß für Säuglinge aus dem Mittelalter. Nicht alle Entdeckungen sind positiver Art. "Da ist dieser Riss: Erst denkt man, er betrifft nur die eine Stelle", sagt Ruhland. "Dann stellt man fest, dass er über zwei Stockwerke geht." Generell steckt das gesamte Mauerwerk voller Überraschungen, vom Bruchstein bis hin zum Reichsziegel oder Materialien aus neuerer Zeit. Mal tauchen alte Zeitungen auf, mal Apothekerflaschen.

Der alte Tresor aus der Raiffeisenbank war allerdings von Anfang an nicht zu übersehen. Das schwere Ungetüm, das durch keine Tür passt, will der neue Besitzer behalten. Wie man ihn öffnet, hat er sich von einem früheren Raiffeisen-Mitarbeiter zeigen lassen. "Der bleibt hier", ist sich der neue Eigentümer sicher. Bis der endgültige Standort gefunden ist, das kann angesichts des aktuellen Renovierungstempos aber noch dauern. Florian Ruhlands Sanierungszeitplan sieht eine Ende so etwa im Jahr 2025 vor. Zieht er dann selbst mit Frau und Sohn von Willhof nach Pfreimd in die Rosengasse 17? Das ist offen. Nur eins steht für den Hobby-Sanierer jetzt schon fest. "Wenn man so viel Herzblut in ein Gebäude steckt, dann will man es einfach gerne selber nutzen."

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Pfreimd

"Wenn man so viel Herzblut in ein Gebäude steckt, will man es einfach gerne selber nutzen."

Altbau-Besitzer Florian Ruhland

Altbau-Besitzer Florian Ruhland

Hintergrund :

Chronik eines Altbaus: Vom Pfarrhof zur Raiffeisenbank

  • Pfarrhof: Bis zum Jahr 1800 ist das Haus in der Rosengasse 17 Domizil von Geistlichen; in diesem Jahr fällt das Gebäude einem Brand zum Opfer.
  • Tuchmacherhaus: 1804 ist Georg Stigler als Käufer des Gebäudes vermerkt, er ist der erste Tuchmacher in einer Reihe von nachfolgenden Generationen mit dem gleichen Beruf.,
  • Raiffeisenbank: Ab dem Jahr 1956 werden in der Rosengasse Nummer 17 Bankgeschäfte getätigt.
  • Sanierungsobjekt: 2015 erwirbt Florian Ruhland das leerstehende Gebäude; aktuell läuft die Sanierung.
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