Die alte Feindschaft der beiden Nachbarstädte ist schon lange Geschichte, und so ist zur Fertigstellung des restaurierten Denkmals samt Ensemble auch Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl geladen. Immerhin wird das Pfreimder Hahnenkreuz auch jetzt wieder von Bäumen flankiert, die auf des Konto der Amtskollegen von Nabburg und Pfreimd gehen. Jetzt sind es Kugelahorn-Bäume, die ihre Vorgänger, die von den Bürgermeister Rudolf Scharf und Werner Bernklau gepflanzten Kastanien, ersetzen.
"Ich kann nur gratulieren zu diesem gelungenen Ensemble", sagt Schärtl, der genauso wie der Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler die alte Sage zum Hahnenkreuz mit Humor und einer Spur Zweifel betrachtet. Dazu musste das Denkmal allerdings zunächst um etwa sieben Meter versetzt werden.
"Missverhältnis"
"Der ursprünglichen Idee lag das Missverhältnis zugrunde, wie sich das für Pfreimd recht wichtige Hahnenkreuz hier präsentiert hat: am Ackerrand, von Unkraut überwuchert, lieblos", schildert Tischler die Ausgangssituation. Noch dazu stand das Denkmal auf Privatgrund. "Dabei lernen doch alle Kinder in der Schule schon die Sage vom Hahnenkreuz kennen", gibt der Pfreimder Bürgermeister zu bedenken und erinnert an den "Pfreimder Gockel", der als Ehrengabe für verdiente Bürger in Anlehnung an die Sage geschaffen wurde.
Daraufhin machte sich der Bauausschuss vor Ort ein Bild und entschied sich schließlich für einen Entwurf des Pfreimder Künstlers Engelbert Süß, der auch die Eingangssituation am Ortsrand berücksichtigt. So prangt nun an einer Steinmauer, die bald durch eine Bepflanzung etwas weniger massiv erscheinen soll, das Logo der Stadt. Den Auftrag dafür übernahm die Flossenbürger Firma Fröhlich.
Symbol der Freundschaft
Gleich daneben lädt ein gepflasterter Platz mit einem Sitz-Rondell aus Granit zum Verweilen ein - zweigeteilt in eine Nabburger und eine Pfreimder Seite und durch einen Fußweg mit der Stadt verbunden. Auf jeden Fall aber ist das Denkmal nun laut Bürgermeister Tischler "ein Symbol der Freundschaft", das über in den Boden eingelassene Lichter nicht länger im Dunkeln darben soll. Kostenpunkt: rund 35 000 Euro. "Nur die FC-Bayern-Fahne im Hintergrund passt nicht so recht", räumt er ein und verweist auf Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer, der unmittelbar angrenzt.
Längst nicht gesichert ist, ob die Geschichte vom Hahn tatsächlich auf historischen Ereignissen beruht, denn eigentlich steht das Denkmal ganz in der Arma-Christi-Tradition. Dargestellt sind dabei die Leidenswerkzeuge bei der Kreuzigung wie der Schwamm mit Essig oder die Lanze, die Jesus die Seitenwunde zufügte. Der Hahn taucht dabei auf als Symbol der Verleugnung durch Petrus.
"Aber jede Sage hat einen historischen Kern", gibt der Nabburger Rathauschef zu bedenken und sieht die Mär von der Feindschaft im 16. Jahrhundert begründet, als die Pfreimder erzkatholisch, papsttreu und den Leuchtenbergern verbunden waren. Nabburg hingegen war damals protestantisch ausgerichtet. "Da hat schon die Konfession zu Feindschaften geführt", spekuliert Schärtl. "Von Feindschaft kann heute keine Rede mehr sein", ist sich Tischler sicher und überlegt gemeinsam mit Künstler Süß, ob der Granitsockel noch mit Bildtafeln versehen werden soll, wie sie dort einmal angebracht waren. Auch die Sage selbst soll vor Ort bald schriftlich nachzulesen sein. Der Pfreimder Bürgermeister hat aber auch schon das nächste Objekt im Visier, das eine Aufwertung vertragen könnte: ein schmiedeeisernes Kreuz, das sich im Laubwerk an der Pfreimd-Brücke in der Wernberger Straße versteckt.
Der Sage nach lebten die beiden Städte Pfreimd und Nabburg lange Zeit in Freundschaft, bis es irgendwann Streit gab. Die Nabburger sollen dann in einer geheimen Stadtratssitzung beschlossen haben, die Nachbarstadt zu überfallen und sie dem Erdboden gleichzumachen. Davon bekamen aber bald die Pfreimder Wind, reparierten schleunigst ihre Stadtmauer, vertieften den Stadtgraben und verstärkten die Wachen. Doch als monatelang nichts passierte, ließ die Wachsamkeit nach. Das wollten die Nabburger ausnutzen. Sie waren schon dabei, die Stadtmauer zu erklimmen, als ein lockerer Stein von der Mauer zu Boden fiel und einen Hahn weckte, der daraufhin aus Leibeskräften schrie, die Wächter und damit die ganze Stadt alarmierte. Der Angriff wurde abgeschmettert. "Da sahen die Nabburger ein, dass es besser ist, mit dem Nachbarn in Frieden zu leben", heißt es in der Sage. Die Rede ist darin von einem gemeinsamen Versöhnungsfest, das acht Tage dauerte. Und ihrem Retter, dem Hahn, haben die Bürger schließlich zum Dank ein Denkmal gesetzt. (bl)

















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