01.09.2021 - 15:43 Uhr
PfreimdOberpfalz

Ex-Bundestagsabgeordneter Pfannenstein sieht SPD auf der Überholspur

Georg Pfannenstein sieht sich bestätigt. "Ich war immer optimistisch", sagt der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete aus Pfreimd. Er glaubt fest daran, dass die SPD bei der bevorstehenden Wahl stärkste Kraft wird.

Zweimal Georg Pfannenstein, dazwischen liegen 23 Jahre: Im Wohnzimmer hängt ein Porträt-Gemälde, das 1998 entstanden ist.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das Schmunzeln im Gesicht geht gar nicht mehr weg. Georg Pfannenstein sieht sehr zufrieden aus, als er am Esstisch in seinem Haus in Pfreimd beim Zeitungslesen sitzt. "Der Scholz ist taff. Der schafft das", sagt der 78-Jährige, der acht Jahre lang - von 1994 bis 2002 - Bundestagsabgeordneter war. Dass die SPD in den jüngsten Umfragen hauchdünn vorne liegt, ist für Pfannenstein nur logisch. Scholz und seine sozialdemokratischen Kabinettskollegen hätten in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet. Die Wähler seien bereit, das zu honorieren, zeigt er sich überzeugt.

Georg Pfannenstein schaut gerne auf seine Abgeordnetenzeit zurück, in die der Umzug des Parlaments nach Berlin fiel. "Bonn war aber schöner", erinnert er sich an sein Büro im Hochhaus namens Langer Eugen und Schafkopfrunden mit seinen Kollegen. "Ich hab da keine Parteienfeindschaft gekannt. Ich bin mit allen gut ausgekommen." Mit Klaus Hofbauer zum Beispiel, der von 1998 bis 2009 für die CSU das Direktmandat im Wahlkreis Schwandorf geholt hatte. Oder mit dem Weidener CSU-Abgeordneten Albert Rupprecht (seit 2002 im Bundestag). Das Buch, das Rupprecht ihm über Gustl Lang geschenkt hat, hält er in Ehren.

Enge Verbindung zu Rudolf Scharping

Geblieben ist dem Pfreimder Ex-Abgeordneten vor allem die Verbundenheit zum ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten und Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (73). "Wir treffen uns hin und wieder und telefonieren regelmäßig", erzählt Pfannenstein. Das besondere Verhältnis zu Scharping rührt auch vom Kampf um den Bundeswehr-Standort Pfreimd her. Die Oberpfalzkaserne stand im Jahr 2000 im Feuer, als es darum ging, die Struktur der Streitkräfte zu verschlanken. "Ich hab ihm damals gesagt, wenn Pfreimd geschlossen wird, dann kann ich mich hier nicht mehr blicken lassen. An einem Sonntagvormittag hat mich Scharping angerufen und gesagt: Schorsch, Du musst nicht umziehen." Zwei Tage vorher habe es in Bundeswehr-Kreisen noch geheißen, Pfreimd werde nicht zu halten sein.

Nächstes Jahr wird Pfannenstein ein halbes Jahrhundert Mitglied der SPD sein. "Die Politik von Willy Brandt hat mir damals gefallen", blickt er auf die ersten 70er-Jahre zurück. 1972 brauchten Interessenten noch einen Paten, um überhaupt Mitglied in der Partei werden zu dürfen. An eine Karriere in der Partei dachte er damals nicht. Das änderte sich schlagartig im Jahr 1990, als er nicht nur in den Stadtrat, sondern auch zum SPD-Kreisvorsitzenden gewählt wurde. Plötzlich waren da auch überregionale Ämter zu vergeben - ein Sitz im Bundestag zum Beispiel. Die SPD erreichte damals in Bayern 26,7 Prozent. 27 Kandidaten von der Landesliste zogen in das Parlament ein. Pfannenstein war der 28. und musste zuhause bleiben. Besser sah es dann vier Jahre später aus. "Da trat ich auf Platz 25 an und war drin."

"Stoiber hat mir den Kopf gekostet"

Der Grandseigneur der Genossen im Wahlkreis Schwandorf geht mittlerweile fest davon aus, dass es auch für Marianne Schieder (59) aus Wernberg-Köblitz (seit 2005 im Bundestag, diesmal Listenplatz 12) wieder reichen wird. Angesichts der Umfragewerte vor ein paar Wochen war sich Pfannenstein da nicht immer sicher. "Das schlimmste wäre für uns gewesen, wenn der Söder als Kanzlerkandidat angetreten wäre", analysiert er. Das hätte der Union zumindest in Bayern starken Zulauf beschert und der SPD wohl entscheidende Prozentpunkte gekostet. So war es auch 2002, als der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber ins Kanzleramt wollte. "Das hat mir den Kopf gekostet. Das war bitter."

Die Bitternis ist verschwunden. Pfannenstein ist zufrieden mit dem Erreichten und auch mit der Art und Weise, wie ihm gegenüber damit umgegangen wird. In seinem Keller gibt es ein Zimmer, das voll von Ehrenurkunden und Dankesschreiben ist. Auch ein paar hohe Auszeichnungen haben hier ihren Platz gefunden: Das Bundesverdienstkreuz am Bande und der "Orden des kroatischen Morgensterns", die höchste Anerkennung, die der Staat Kroatien an Ausländer verleihen kann. Pfannenstein war von 1998 bis 2002 Kroatien-Beauftragter des Bundestags.

Corona gut überstanden

Der Ex-Parlamentarier glaubt nicht, dass Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet bis 26. September, "den Bock noch umschmeißt". Das Foto, das Laschet lachend im Katastrophengebiet im Ahrtal zeigt, sei fatal gewesen. Ein Augenblick, der vielleicht alles zerstört. Dabei wisse jeder Politiker um die Macht der Bilder und nutze sie diese ja auch immer wieder zum Vorteil. "Aber schon der Stiegler Ludwig hat zu mir gesagt: Pass bloß auf! Die haben alle ein Foto von einem jeden von uns, auf dem wir mit dem Finger in der Nase bohren."

Privat geht es dem Politiker aus Pfreimd jetzt wieder sehr viel besser als vor etwa eineinhalb Jahren. Im Frühjahr 2020 gehörten Georg Pfannenstein und seine Frau zu den ersten in der Region, die das Coronavirus erwischt hat. "Es war schon schlimm", erzählt der 78-Jährige. Er habe binnen zweier Wochen zwölf Kilogramm abgenommen, der ständige Husten sei schrecklich gewesen, der Geschmackssinn erst nach acht Wochen nach und nach zurückgekehrt. Die dicken Himbeeren im Garten schmecken mittlerweile wieder vorzüglich und auch die Preisel- und Schwarzbeeren, die er leidenschaftlich gerne im Wald sammelt. Demnächst geht er wieder ins Holz und dann sind die Schwarzen fällig.

Im Gespräch mit Bundestagskandidaten

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Zur Person: Georg Pfannenstein

  • Georg Pfannenstein wurde 1943 in Weiden geboren.
  • Lehre zum Elektriker, anschließend Abteilungsleiter bei einem großen Maschinen- und Anlagenbauer, Betriebsratsvorsitzender.
  • Seit 1972 Mitglied der SPD, 1990 Vorsitzender des Kreisverbands Schwandorf
  • 1994 bis 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, aktiv im Umwelt- und Verteidigungsausschuss.
  • Lebt im Ruhestand mit seiner Frau in Pfreimd.

 

 

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