13.08.2021 - 14:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Unser Erstwähler-Check zur Bundestagswahl 2021: "Vincent hakt nach"

Vincent Poschenrieder darf bei der Bundestagswahl zum ersten Mal wählen. Um Ratlosigkeit am 26. September zu vermeiden, hat er jeweils einen Politiker der bekannten Parteien mit kritischen Fragen gelöchert. Hier zieht er sein Fazit.

Im Erstwähler-Check "Vincent hakt nach" spricht Vincent Poschenrieder mit Politikern aus der Region.
von Vincent PoschenriederProfil

Obwohl ich mich, seit ich denken kann, für Politik interessiere, werden meine Überlegungen zum Weltgeschehen erst jetzt wichtig. An meiner Stimme entscheidet sich dieses Jahr die Wahl! Okay, das ist übertrieben, aber auch meine Stimme wird die Sitzverteilung im Bundestag beeinflussen. Denn ich bin ein sogenannter Erstwähler. Das auch noch bei einer Wahl ohne Angela Merkel. Ich wusste gar nicht, dass das überhaupt möglich ist. So stehe ich vor einem Angebot an Parteien, denen das Aha-Erlebnis fehlt. Keine Partei ist genau das, was ich mir vorstelle.

Deshalb habe ich mich für das Erstwählerformat "Vincent hakt nach" von Onetz mit jeweils einem Vertreter der bekannten Parteien getroffen, um eine Idee für den Wahltag zu bekommen. Ich habe die Fragen gestellt, die mir und hoffentlich auch anderen jungen Erstwählern am Herzen liegen.

Politiker sind auch nur Menschen

Das wichtigste zuerst: Politiker sind auch nur Menschen. Vor den Interviews wirkten die Personen, die diesen Beruf auf Landes- oder Bundesebene ausüben, unnahbar und manchmal fern vom echten Leben auf mich. Doch ich konnte mich in den Gesprächen mit allen normal unterhalten und manche hatten sogar Humor. Auch den Vorwurf, Politiker würden nur an sich selbst denken, kann ich nicht bestätigen. Nach meinem ersten Eindruck finde ich, dass die Wahlkreise in denen sie kandidieren, ihnen wirklich etwas bedeuten. Im Übrigen sollte ich nicht von "den Politikern" sprechen - auch wenn ich in den Interviews gerne mit Klischees gearbeitet habe - damit würde ich die Kandidaten in eine Gruppe zusammenwerfen, die sie nicht sind.

Zumindest fast nicht. Die Aussagen der Kandidaten von Linke und AfD gaben diesen Politikern eine einzigartige Note. Ansonsten haben sich meine Gesprächspartner und Gesprächspartnerin nicht durch große Meinungsverschiedenheiten ausgezeichnet. Es gibt für die Parteien Ziele wie Klimaschutz, Bildung und Digitalisierung, die alle wichtig finden und möglichst gut gestalten wollen. In der Ausführung unterscheiden sich die Ideen aber nur leicht. Manchmal klang es für mich fast so, als hätten die Kandidaten das gleiche Ziel mit den gleichen Ideen nur in anderen Worten formuliert. Was nicht schlecht ist, denn das heißt, dass alle am selben Strang ziehen. Mehr Ecken und Kanten würde ich mir trotzdem wünschen.

Die Recherche geht weiter

Diese Interviewserie war ein riesiges Geschenk für mich. Ich dachte: Besser kann ich mich vor der Wahl nicht informieren. Mich haben viele Argumente überzeugt, ich habe vieles besser verstanden, aber das gewollte Aha-Erlebnis: "Hurra, das ist meine Partei" ist nicht eingetreten. Ich habe viel gelernt - um mit gutem Gewissen mein Kreuzchen setzen zu können, muss ich mich aber noch weiter schlau machen. So sind die Gespräche für mich eine perfekte Orientierung zur weiteren Recherche. Ich habe herausgefunden mit welchen Parteien ich Schnittstellen habe und werde mich mit diesen beschäftigen. Die Möglichkeiten sind ja unendlich. Wahl-O-Mat, Zeitungsartikel, Video, Podcasts und zur Not (wirklich nur als aller aller letzte Option) werde ich mir Teile des Wahlprogramms durchlesen.

Zum Schluss möchte ich noch einen meiner Gäste zitieren. Uli Grötsch hat am Ende des Videos empfohlen, vor der Wahl eine Stunde zu nutzen, um sich vorzubereiten. Diesen Vorschlag möchte ich an Euch weitergeben und auch noch etwas loswerden: Wenn Ihr als junge Menschen in Deutschland mitbestimmen wollt, nutzt diese Chance und geht wählen. Wir sehen uns an der Wahlurne! Eine Idee für meine Kreuzchen habe ich nämlich eigentlich schon, die verrate ich aber nicht. Ihr wisst ja: Wahlgeheimnis.

Diese Oberpfälzer Kandidaten wollen die Parteien in den Bundestag schicken

Deutschland & Welt

Die interviewten Politiker im Überblick:

Manfred Schiller, AfD

Zum Einstieg habe ich dem AfD-Kandidaten Manfred Schiller ein Windrad in Regenbogenfarben geschenkt und ihn gefragt, ob das auch im Garten eines AfD-Politikers stehen könnte. Das war mein Lieblingsmoment des Drehs, denn der Kandidat hat das Windrad nicht mehr aus der Hand gelegt. Der Regenbogen, der für Toleranz und Vielfalt steht, scheint also zumindest nach dem Video auch in der AfD keine Abschreckung zu sein. Das Gespräch verlief ganz anders als erwartet, ich hatte mich perfekt vorbereitet um ja keinen Fehler zu machen, aber eigentlich war das Interview ziemlich locker und wir konnten uns trotz durchaus anderer Ansichten ganz gemäßigt unterhalten. Das finde ich auch gut, denn man muss alle Parteien zu Wort kommen lassen.

Tina Winklmann, Bündnis 90/Die Grünen

Mit weinroter Motorradjacke ist Tina Winklmann in ihrem Heimatort Schwandorf zum Dreh aufgeschlagen. Das assoziiert man nicht unbedingt mit den Grünen. Auch, dass sie vom Land kommt, aus einer Arbeiterfamilie stammt und in jungen Jahren in die IG Metall eingetreten ist, bringt man eher mit der SPD in Verbindung. Warum nun ausgerechnet die Grünen ihre Herzenspartei sind, hat sie mir im Interview erzählt. Das coolste Ereignis waren definitiv nicht die vielen Mücken, aber vor allem die Diskussion auf offenem Felde im Schwandorfer Park fand ich sehr interessant.

Christian Weidner, Die Linke

Wenn ich mich auf die Kandidaten vorbereitet habe, hab ich zuerst den Namen in die Suchleiste geschrieben und mir die ersten Beiträge im Internet angeschaut. Von Christian Weidner, der Mitglied der Linken ist, kann man dort nicht viel entdecken. Wenn man dann doch einmal einen Artikel findet, blickt er einem sehr ernst entgegen. Als dann aber beim Toncheck die Manchester United-Jacke unter dem Regenmantel hervorblitzte, sind die Sympathiewerte bei mir als Fußballfan schlagartig gestiegen. Ob Herr Weidner bei mir als Erstwähler auch Sympathien im Interview sammeln konnte, möchte ich nicht erzählen, denn ihr sollt Euch Eure eigene Meinung bilden.

Christian Schindler, Freie Wähler

Los ging es beim Interview mit Christian Schindler wie immer mit meinem Gastgebergeschenk. Bei Herrn Schindler ist das Geschenk glaube ich am Besten angekommen (sogar so gut, dass er es auf Instagram gepostet hat). Ein Bier als die von Hubert "Hubsi" Aiwanger empfohlene Corona-Schluckimpfung braucht er aber nicht, denn er ist im Gegensatz zu seinem Parteivorsitzenden schon geimpft. Doch ob man sich impfen lassen will, solle jeder selbst entscheiden, denn „frei denken, frei reden, frei handeln“ sei der Kerngedanke der Partei.

Uli Grötsch, SPD

Im SPD-Büro in Weiden durften Uli Grötsch und ich auf einer sehr schicken, aber knarzenden Couch im Foyer Platz nehmen. Man merkt, dass Herr Grötsch schon lange im Geschäft ist: So lässig wie er sich auf die Couch sinken ließ, hat er auch meine Fragen beantwortet. Schlumpfig Grinsen konnte er bei meinen kritischen Fragen aber auch nicht. Das kann nur Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, wirklich gut. Zumindest laut Markus Söder.

Nils Gründer, FDP

Eine Stunde Fahrt haben wir auf uns genommen, um den von Herrn Gründer vorgeschlagenen Treffpunkt zu erreichen. Aber es hat sich gelohnt! Eine fantastische Aussicht über Neumarkt hatte man an diesem Drehort, die Sonne hat auch ziemlich runtergeknallt, was meinen Interviewgast sehr ins Schwitzen gebracht hat. Oder waren es doch meine Fragen? Nils Gründer war mit 24 Jahren am ehesten in meinem Alter. Gemerkt hat man das schon ein kleines bisschen. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, müsst Ihr selber entscheiden.

Albert Rupprecht, CSU

Der Politikeralltag ist sehr stressig. Albert Rupprecht hatte gleich zehn Termine und deshalb auch ein bisschen weniger Zeit für mich. Ich habe es trotzdem geschafft, alle meine Fragen, die mir am Herzen lagen, loszuwerden. Er erschien nicht wie ein klassischer CSU-Politiker mit Trachtenjanker zum Interview. Aber er kam in Parteifarben: hellblaues Hemd, dunkelblaue Hose. Er kandidiert schon seit langer Zeit für seinen Wahlkreis, aber er scheint trotzdem weiter neue Ideen zu haben. Außerdem ernährt er sich gesünder als sein Parteivorsitzender: Koffeinhaltige Süßgetränke trinkt er nicht. Das Anfangsgeschenk hat ihm also eher nicht gefallen.

Info:

Die Videoserie zu "Vincent hakt nach" im Onetz

Wir haben unseren Erstwähler Vincent Poschenrieder bei seinen sieben Interviews mit der Kamera begleitet. Ab Montag, dem 16. August, gibt es jeden Tag eine neue Folge unserer Erstwähler-Serie im Onetz zu sehen.

Wir sind aber natürlich auch da vertreten, wo viele der Erstwählerinnen und Erstwähler ihre Zeit verbringen: Videos zu "Vincent hakt nach" gibt es auch bei Facebook, Instagram, YouTube und TikTok zu sehen.

 

 

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