15.08.2021 - 10:45 Uhr
PfreimdOberpfalz

"Franzis Schlössl": Junge Lehrerin nimmt es in Pfreimd mit imposantem Altbau auf

Von diesem "Schloss" hat Franziska Eichinger geträumt, seit sie sieben Jahre alt war. Mit 28 ist die Lehrerin aus Pfreimd stolze Besitzerin einer Ruine mit Turmzimmer und auf dem Weg zu einem sanierten Kleinod – inklusive Kinderbuch.

Liebe auf den ersten Blick: Das verwinkelte "Burggütl" in der Judengasse 16 war schon in ihrer Kindheit Franziska Eichingers Traumhaus. Jetzt gibt es ein neues Kapitel in der Geschichte des Bauwerks.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Als "Burggütl" oder "Schlössl" ist das Anwesen am Schleifmühlbach in Pfreimd bekannt - oder was davon noch übrig ist. Denn ein Teil des verwinkelten Baus hat nur noch ein provisorisches Dach. Regen hat die Fehlböden durchweicht, von den krummen Wänden fällt nach vier Jahrzehnten Leerstand der Putz. Mit den teils eingeschlagenen Fensterscheiben passt das Objekt perfekt in die Rubrik "Lost Places". Eine Nachbarin ist nun zur Rettung angetreten, hat sich zwischen Bruchsteinmauern schon den Platz für Klavier und Couch ausgesucht, an die Kosten aber noch wenig Gedanken verschwendet.

"Ich bin so ziemlich in Sichtweite aufgewachsen", erklärt Franziska Eichinger ihre Beziehung zu dem Gebäude, das bei der Befundung schon einen neuen Namen bekam: "Franzis Schlössl". "Das ist mein Traumhaus", hat sie mit sieben beim Spaziergang mit ihrem Vater gesagt. Er steht ihr auch heute zur Seite, wenn sie die Sanierung des im Oktober erworbenen Bauwerks anpackt. Immer wieder hat sie in der Vergangenheit beim Vorbesitzer nachgefragt, ob das Haus zu haben sei, und irgendwann war die Zeit reif. "Da war meine Entscheidung längst gefallen. Ich habe das Haus gekauft, ohne viel nachzudenken" gesteht sie, "ich sah gleich, wie die Zimmer einmal aussehen könnten".

Hinter dem großen Scheunentor sieht sie schon jetzt eine über die Hälfte des Raums eingezogene Holzdecke in eine Galerie verwandelt. Heller könnte es werden, wenn erst das zugemauerte Bogenfenster wieder Licht herein lässt. "Jede Generation hat hier umgebaut", weiß Josef Eichinger, der Vater der Bauherrin, der mit 65 eigentlich seinen Ruhestand genießen wollte und nun als Handwerker fest eingeplant ist: Heizung, Sanitär, Spenglerarbeiten, damit kann er sein Know-how nun auf der Baustelle der Tochter voll einbringen. Bei ihm sorgt das Projekt für mehr Stirnrunzeln: "Mir graut vor der Arbeit", sagt er mit Blick auf die Kubikmeter und Jahre, die nun vor ihm liegen. "Ich hab schon auch geschluckt, aber ich hatte immer das Gefühl: Das ist meins", sagt die Tochter, die aktuell noch nicht weiß, was da finanziell auf sie zukommt.

Tipps vom Preisträger

Inzwischen hat sie sich Unterstützung gesucht, Kontakt zum Amt für Denkmalschutz aufgenommen, Architektin Petra Hofmann für die Planung gewonnen und sich mit Christian Eichinger beraten. Letzterer ist zwar nicht mit ihr verwandt, hat in Pfreimd aber zusammen mit seiner Frau ein Stadthaus mit viel Liebe saniert und dafür sogar den Denkmalpreis des Bezirks bekommen.

Die Namensvetterin hat mit dem Objekt in der Judengasse 16 ein nicht gerade kleines Anwesen erworben, das sie zu ihrem eigenen Wohnsitz machen will. Dort, wo noch die Granit-Tröge des alten Stalls stehen, könnte sie sich wegen des separaten Eingangs aber auch eine Einlieger-Wohnung vorstellen, in dem Zimmer zur Gasse hin ein Büro. "Das ist eine Preußische Kappe", merkt sie mit Blick auf die gewölbte Zimmerdecke an, die Wände mit Farbresten von Rosa bis Türkis umspannen. "Hier gibt es aber auch viele Holzkonstruktionen, vielleicht macht das die Sanierung einfacher", überlegt der Papa und erzählt, wie er als Lehrling bei der Sanierung des Nachbarhauses durch eben dieses Dach gebrochen ist, das jetzt seiner Tochter gehört.

Vom Inventar ist kaum etwas geblieben. Eine Lampe mit Kristallglas will die neue Eigentümerin in den sanierten Bau hinüberretten. Der alte Stromkasten im Treppenhaus soll als Andenken an die Technik von anno dazumal bleiben. "Ein Kachelofen würde hier auch gut hineinpassen, und ein großer Esstisch", überlegt die Bauherrin, außerdem zusätzlich zur Treppe noch eine Rutsche und im Garten ein Gemüsebeet, vielleicht sogar Hühner. Auch der riesige Walnussbaum soll dort weiter über dem idyllischen Anwesen wachen.

Ein altes Haus erzählt

"Ich werde schauen, was möglich ist, ich habe schon viele Ideen", sagt die junge Frau, die an einen Förderschule in Weiden unterrichtet. Eine Idee stammt allerdings nicht von ihr, sondern von Birgit Angerer, der früheren Leiterin des Freilandmuseums im Nachbarort. Beim Entrümpeln hatte Franziska Eichinger alte Wagenräder entdeckt und im Museum abgeliefert. So war sie mit der Museumspädagogin ins Gespräch gekommen, die ein Kinderbuch über ein altes Haus plante. Die "Hauptrolle" soll darin nun "Franzis Schlössl" spielen, das aus seinem 600-jährigen Leben plaudert. Ein Haus, das "nicht mehr alle Ziegel auf dem Dach hat" und sich im hohen Alter wünscht, dass ein kleines Mädchen hier einmal wohnen will. Die Hausbesitzerin trägt sich mit dem Gedanken, später einmal ein pädagogisches Konzept für das künftige Kinderbuch zu erstellen.

Das letzte Kapitel im Buch könnte allerdings lange vor der Sanierung fertig sein. "Sieben Jahre hat es bei dem Haus am Marktplatz von der Planung bis zur Fertigstellung gedauert", gibt Josef Eichinger zu bedenken, mit drei bis vier Jahren Bauzeit müsse man rechnen, 2022 werde man wohl noch nicht starten können. "Dabei wollte ich eigentlich meinen 30. Geburtstag hier feiern", bedauert die Tochter. Neben Fantasie braucht es bei der Sanierung eben auch ganz viel Geduld.

Marktplatz 23 als Vorbild

Pfreimd
Hintergrund:

"Burggütl": Schule und Bauernhof

  • Beschreibung: Laut Denkmalliste der Stadt Pfreimd ein zweigeschossiger und teils verputzter Satteldachbau aus Bruchsteinmauerwerk, über hakenförmigem Grundriss, mit rundbogiger Arkadenöffnung, nach Süden firstgedrehter Satteldachanbau, im Kern 16. Jahrhundert; an der Südwestecke der ehemaligen Stadtbefestigung (Teile des Bauwerks bestehen aus der Stadtmauer)
  • Nutzung: im 17. Jahrhundert von einer Rittmeisterswitwe gestiftet zur Gründung einer Realschule, beim großen Stadtbrand im Jahr 1800 zerstört, um 1900 landwirtschaftliche Nutzung, nach der angepeilten Sanierung private Wohnnutzung
  • aktueller Stand: Vorgespräche, Befund der Restauratorin, Untersuchungen durch Statiker.

"Ich habe das Haus gekauft, ohne viel nachzudenken. Ich sah gleich, wie die Zimmer einmal aussehen könnten."

Franziska Eichinger

Franziska Eichinger

 

 

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