24 Jahre leitete Georg Birner den Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein. Sein Herz hängt an der "Aktion Baumscheck". Seit 1978 wurden 1000 Bäume auf städtischem Grund gepflanzt, gespendet von Bürgern zu besonderen Anlässen. "Pfreimd wurde bereits 1984 als baumfreundlichste Gemeinde Bayerns ausgezeichnet", erzählt Birner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Die Bürgeraktion werde mittlerweile bayernweit kopiert. "Nur in Pfreimd scheinen die Uhren anders zu ticken, denn seit Jahren - hauptsächlich und auffällig seit 2008 - sind solche Fällaktionen - oft Gefälligkeitsbeseitigungen - an der Tagesordnung".
Georg Birner spricht die Beseitigung von Bäumen am Hahnenkreuz, einem Pfreimder Wahrzeichen, an. Statt das Flurdenkmal umzusetzen und sich dann Gedanken zu machen, ob die beiden bestehenden Kastanien ins Bild integriert werden können, seien sie entfernt und durch zwei Kugelbäume, wie man sie in jeder Stadt sehe, ersetzt worden. In der Bahnhofsstraße hätten Bäume zwecks abfallender Beeren weichen müssen, im Lohweg sechs Ahornbäume, weil sich Anlieger über Schäden an der Gartenmauer und Laubfall beschwerten. Im Grundstück stünden dann aber flachwurzelnde Koniferen. Nur noch Strünke seien übrig geblieben, als der städtische Bauhof im Juli im Bereich des Bauhofes drei stattliche, im Rahmen der "Aktion Baumscheck" gepflanzte Bäume gefällt habe.
Birner betont, dass sich der GOV gegenüber den Spendern in der Pflicht sehe. "Doch wir werden weder informiert, noch im Vorfeld in die Entscheidungsfindung eingebunden". Mit Argumenten könnte eventuell in manchem Fall bei den Anliegern ein Umdenken bewirkt werden. Auch fachgerechte Baumpflege, ein gekonnter Rückschnitt könnte für Kompromisse sorgen. Bäume seien die grünes Lunge eines Ortes, Naturgehölze Nahrungsquelle für Vögel. Gerade in Zeiten des Klimawandels, nach dem heißen Sommer, sollte das jeder Bürger begriffen haben.
Bürgermeister Richard Tischler wendet sich entschieden gegen Birners Vorwürfe. "Die Bäume stehen auf öffentlichem Grund. Es gibt einen Bauausschuss als entscheidendes Gremium". Wenn die Stadt zusätzlichen Rat brauche, werde Altbürgermeister Arnold Kimmerl, von Beruf Förster, eingebunden. In unklaren Fällen schalte die Stadt Baumsachverständige ein und lasse ein Gutachten erstellen. Zudem arbeite im Bauhof ein diplomierter Gärtner. Und zwei mal pro Jahr würden die Bäume im öffentlichen Raum begutachtet.
Massive Beschwerden habe es über stark wurzelnde Bäume im Friedhof gegeben. Abfallende Beeren und Vogelkot würden die Grabplatten angreifen. Im Lohweg hätten Anlieger beklagt, dass die Bäume am Straßenrand die Gartenmauer beschädigen, Kronen weit in Privatgärten ragen. Die Bäume am Bauhof mussten laut Tischler der Zufahrt ins neue Baugebiet weichen. Bäume würden nur gefällt, wenn sie krank seien, die Verkehrssicherungspflicht verletzt werde oder Schäden verursacht würden, fasst Tischler zusammen. Das sei für die Stadt auch eine Frage der Haftung. Etwa gleich viele Bäume "bleiben nach einer Begutachtung stehen", bezieht sich der Bürgermeister auf Entscheidungen in der Schulstraße und "Am Wall", oder auf die großen Linden vor den Stadtweiherwiesen - obwohl die Anlieger über verstopfte Wasserabläufe klagen.
Setzt man noch die Neupflanzungen wie im neuen Baugebiet an, bezeichnet Tischler die Bilanz als relativ ausgeglichen. "Da wird schon mit Bedacht vorgegangen". Der einzige Fall, der unglücklich gelaufen sei, wäre die Beseitigung der beiden Kastanien am Hahnenkreuz gewesen, räumt der Bürgermeister unumwunden ein. Der Bauausschuss habe die Versetzung des Flurdenkmals auf öffentlichen Grund und zwei Neupflanzungen beschlossen. Der mit der Neugestaltung beauftragte Künstler regte zwei Wochen später an, die Bäume noch stehen zu lassen und nach der Versetzung des Hahnenkreuzes über eine Fällung zu befinden. Doch da sei der Bauhof schon tätig geworden. Bei der Freilegung des Flurdenkmals seien übrigens massive Schäden im Sockel entdeckt worden, die behoben werden.














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