Pfreimd
15.07.2022 - 10:48 Uhr

Im Gedenken an Pater Petrus Mangold

Im Jahr 2022 jährt sich der Todestag von Pater Petrus Mangold, der am 18. Juli 1942 im KZ Dachau zu Tode kam, zum 80. Mal. In der Stadt Pfreimd ist das der Anlass für ein Gedenken.

Pater Petrus (links) zeigt die historische Aufnahme mit dem Konvent und Klosterkirchenchor in Pfreimd 1933 Bild: Archiv Stadtturm Pfreimd/exb
Pater Petrus (links) zeigt die historische Aufnahme mit dem Konvent und Klosterkirchenchor in Pfreimd 1933

80. Todestag von Pater Mangold: Aus diesem Anlass wird auf Veranlassung des Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreises "Der Stadtturm" am Sonntag, 17. Juli, im Kloster Pfreimd eine Gedenktafel angebracht. Die Segnung der Tafel erfolgt durch Pater Bernhard Braun, den letzten Pfreimder Guardian, im Anschluss an den Gottesdienst um 9 Uhr in der Klosterkirche.

Als Sohn des Stadtkirchners und Bäckermeisters Christoph Mangold und seiner Ehefrau Anna Margaretha wurde Karl Mangold am 31. Januar 1889 im fränkischen Scheinfeld geboren. Als strebsamer Schüler kam er an das Franziskanerseminar "Antoninum" in Bamberg. Am 14. Juli 1911 legte er am Neuen Gymnasium mit Erfolg die Reifeprüfung ab. Bereits am 2. August 1911 trat er ins Noviziat der bayerischen Franziskanerprovinz in Dietfurt ein, wo er am folgenden Tag die einfache Profess ablegte.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste der junge Kleriker am 7. November 1914 zum Militär einrücken und kam am 21. Januar 1915 mit der 4. Kompanie des 18. Reserve-Infanterie-Regiments an die Kriegsfront. Er wurde mehrmals verwundet. In die Heimat zurückgekehrt, setzte er seine Studien im Studienkloster St. Anna in München fort. Seine Priesterweihe empfing er am 19. September 1920 in der St. Anna-Klosterkirche zu München durch Erzbischof Michael Faulhaber (1917-1952).

"Keine strammen Hunde"

Nach ein paar Monaten als Vikar in Gößweinstein wurde er ab dem 20. August 1931 bis 27. August 1939 Guardian und Tuchmachereidirektor im Franziskanerkloster Pfreimd, auch das Amt des Dritt-Ordens-Direktors übernahm er. Anfang 1934 bahnten sich die ersten Konflikte mit der NSDAP an. Pater Petrus verweigerte seitens des Klosters das Hissen der Hakenkreuzfahne an Fest- und Feiertagen. Auch die Predigten einiger Franziskaner stießen auf den Widerstand der Partei. So sollte in Pfreimd auch eine Predigtenkontrolle gehalten werden. In der Klosterchronik vermerkte Pater Petrus dazu wörtlich: "Doch werden wir keine strammen Hunde sein. Wahrheit bleibt Wahrheit!"

Nach dem Einmarsch der Deutschen Armee im Sudetenland übernahm Anfang Januar 1939 die bayerische Provinz die ersten sudetendeutschen Klöster. Pater Petrus war kein durchgeistigter Ordensmann, sondern er stand mit beiden Beinen im Leben. Als kritischer Geist war er dem braunen Regime nicht gut gesonnen, er sah Probleme und Schwierigkeiten auf die Kirche zukommen, mit großer Weitsicht wies er seine Ordensoberen immer wieder darauf hin, wenn auch mit geringem Erfolg.

Von der Generalkurie wurde er am 18. Januar 1940 zum Kommissar für die Klöster in den Sudetendeutschen Ländern berufen. Pater Petrus Mangold verteidigte sich und die Rechte seines Ordens mit Würde und Festigkeit, doch die Gestapo kannte weder Recht noch Rücksicht.

Im KZ gestorben

Am 6. Juni 1941 kam Pater Petrus Mangold ins KZ Dachau. Im Sommer 1942 traten auch bei Pater Petrus die Folgen der Unterernährung deutlich in Erscheinung. Es schwollen Füße und Hände, schließlich auch der Kopf an. Am 18. Juli 1942 starb Pater Petrus Mangold um 13.20 Uhr, nach Angaben im Leichenschauschein des Lagerlazaretts an Herz- und Kreislaufschwäche, die sich nach einer Darmerkrankung und Ödem eingestellt hatte. Die Leiche von Pater Petrus wurde verbrannt. Seine Urne wurde auf Gesuch des Pfreimder Guardians Pater Sigismund Keck nach Pfreimd geschickt, wo sie am 31. August 1942 im engsten Kreis im Klosterfriedhof beigesetzt wurde. Die Klosterchronik vermerkt: "A.R.P. Petrus war ein seeleneifriger Priester, durch und durch Franziskaner, ein liebenswürdiger Mitbruder, gerne bereit zu helfen, sehr besorgt als Oberer, fast immer leidend, voll Aufrichtigkeit. Die Provinz verlor in ihm einen ihrer großen Söhne. R.I.P." Requiescat in Pace - Ruhe in Frieden.

Unter dem Thema "Namen statt Nummern" und "Geistliche im KZ Dachau" wird bis 31. Juli in der Klosterkirche Pfreimd (Antoniuskapelle) eine Ausstellung präsentiert. Diese internationale Wanderausstellung zeigt eine Auswahl von 22 Biographien des Dachauer Gedächtnisbuch-Projekts. Die Banner der Ausstellung beschreiben die Schicksale einzelner Häftlinge und vermitteln Hintergrundinformationen über das Projekt Gedächtnisbuch und die Geschichte des KZ Dachau. Am 22. März 2022 wurde Pater Petrus Mangold in das Gedächtnisbuch der Gedenkstätte aufgenommen.

 
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