10.10.2021 - 12:33 Uhr
PfreimdOberpfalz

Kinderbuchautorin Franziska Gehm verrät Pfreimder Fans, wie man Fantasiewelten baut

Mit pupsenden Fantasiewesen kennt sich Kinderbuchautorin Franziska Gehm bestens aus. Für ein Publikum in Pfreimd hat sie Carla mitgebracht, ein Mädchen, das viel mit einem Chamäleon gemein hat.

Franziska Gehm nahm auf Einladung der Pfreimder Stadtbibliothek eine schar Kinder mit in die Welt von Carla Chamäleon.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Das Problem sind nicht die Ideen, sondern wie man daraus eine Geschichte macht", sagt Kinderbuchautorin Franziska Gehm. "Das ist richtig schwere Arbeit", bekennt die 47-Jährige mit dem kurzen Pferdeschwanz und den bunten Turnschuhen, die im Pfreimder Bürgersaal lieber auf dem Tisch als auf dem Stuhl sitzt. Dort ist sie ihren jungen Zuhörern näher, den Leseratten von der Pfreimder Stadtbücherei. Die hören ganz genau zu und haben am Ende nicht nur Fragen zur Heldin der neuen Buchreihe von Gehm, Carla Chamäleon. Oberpfalz-Medien verrät die Autorin im Interview noch ein wenig mehr.

ONETZ: Wie wird manSchriftstellerin?

Franziska Gehm: Dazu hat man keinen Plan. Ich wollte eigentlich Eiskunstläuferin werden, hatte aber keine Schlittschuhe. Später habe ich bei einem Verlag gearbeitet und dachte zunächst, dass da der liebe Gott "pling" machen muss, damit es als Autor klappt. Dann habe ich gesehen, dass es eben doch ein Handwerk ist.

ONETZ: Warum schreiben Sie ausgerechnet für Kinder?

Franziska Gehm: Das hat sich durch Zufall so ergeben, weil ich für einen Kinderbuch-Verlag gearbeitet habe. Und es war die richtige Wahl. Kinder sind so ein ehrliches Publikum. Sie stellen hemmungslos ihre Fragen. Außerdem kann man in den Texten viel Fantasie spielen lassen, und ich liebe auch das Zusammenspiel mit den Illustratoren.

ONETZ: Wo nehmen Sie ihre Ideen her?

Franziska Gehm: Die fliegen einem im Alltag zu, manchmal liest man skurrile Geschichten in der Zeitung. Wenn man die ein bisschen übertreibt, dann könnte was daraus werden. Auf die Idee mit Carla Chamäleon kam ich, als mein Sohn in einem ähnlich wie die Bettwäsche gemusterten Pyjama auf dem Bett lag. Die Frage ist dann aber: Taugt die Idee auch zu einer Story?

ONETZ: Wie findet man für solche Geschichten die richtige Sprache?

Franziska Gehm: Ich versuche immer, Jugendsprache zu vermeiden, die ändert sich zu schnell. Da macht man sich dann lächerlich. Meine Sätze sind auch gar nicht zu einfach. Ich möchte Kinder lieber über- als unterfordern.

ONETZ: Basteln die eigenen Kinder mit an den Büchern?

Franziska Gehm: Bei manchen Ideen und Passagen kann das schon sein. Manchmal sind meine Kinder auch Versuchskaninchen, um auszuprobieren, ob eine Szene wirklich funktioniert.

ONETZ: Und wie sieht das Erfolgsgeheimnis aus, damit es funktioniert?

Franziska Gehm: Erfolgreich ist für mich ein Buch überhaupt erst dann, wenn es Kinder gerne lesen. Es muss bewegen und kann auch mal traurig sein oder historische Sachen vermitteln. Auf jeden Fall muss man Kinder ernst nehmen und nicht verniedlichen.

ONETZ: Sind die jungen Lesern auch mal kritisch?

Franziska Gehm: Oh ja. Da kann man schon damit konfrontiert werden, dass etwas unlogisch ist. Als ich aus den "Vampirschwestern" vorgelesen habe, bin ich vielen kleinen Vampir-Experten begegnet, die sich da sehr gut auskennen.

ONETZ: Was war Ihr schönstes Kompliment?

Franziska Gehm: Wenn die Kinder nach einer Lesung sagen: Diese Bücher, die lese ich alle. Oder ein Kinderlachen, das aus ganzem Herzen kommt.

ONETZ: Gibt es da besondere Tricks?

Franziska Gehm: Tiere kommen immer gut an. Mit einem Pinguin oder einem Mops, damit kann man Kinder für sich gewinnen. Außerdem lieben die Kleinen Sachen wie pupsen oder rülpsen, da lachen die sich schlapp.

ONETZ: Wann ist Schluss mit einem Serienheld?

Franziska Gehm: Manchmal gibt der Verlag den Zeitpunkt vor. Bei den "Vampirschwestern" war es so, dass ich die Reihe nach 13 Bänden selbst zu einem netten Ende bringen wollte. Bei anderen ist die Handlung der Serie von Anfang an auf eine bestimmte Zahl an Bänden angelegt.

ONETZ: Wird es irgendwann ein Kinderbuch über ein fieses Virus geben?

Franziska Gehm: Ich habe da keine Lust darauf. In meinen Büchern trägt auch keiner eine Maske, weil ich das in meiner Traumwelt lieber ausblende. Aber es gibt inzwischen tatsächlich schon Kinderbücher zu diesem Thema.

So "kriminell" ging es in Pfreimd bei Autorenlesungen im Corona-Sommer zu

Pfreimd
Kinderbuchautorin Franziska Gehm nimmt ihre kleinen Fans mit in eine Fantasiewelt und verrät bei dieser Gelegenheit auch, wer die Rechtschreibfehler korrigiert.
Bei der Lesung in Pfreimd such Kinderbuchautorin Franziska Gehm auch den Kontakt zu ihrem jungen Publikum, das längst nicht so schüchtern scheint wie Heldin Carla.
Hintergrund:

Reihenweise Bücher von Franziska Gehm

  • Steckbrief: geboren 1974 in Sondershausen in der DDR, studierte Anglistik, Psychologie und Interkulturelle Wirtschaftskommunikation in Jena, in Großbritannien und Irland. Sie arbeitete bei einem Radiosender in Wien und in einem Gymnasium in Dänemark. Seit etwa 18 Jahren schreibt sie für Kinder und Jugendlich. Sie hat selbst zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in München.
  • Veröffentlichungen: rund 50 Kinder- und Jugendbücher, von denen einige auch Ost-West-Themen aufgreifen. Bekannteste Serien sind "Die wilde Lilly", "Die Vampirschwestern", und "Die Vulkanos"; jüngste Reihe "Carla Chamäleon".
  • "Carla Chamäleon". Heldin der jüngsten Serie ist ein schüchternes Mädchen, das in peinlichen Situationen plötzlich unsichtbar wird und wie ein Chamäleon mit seiner Umgebung verschmilzt. Allerdings würde sie lieber ganz normal sein. Was sie dabei an Abenteuern erlebt, dazu gibt es bisher vier Bände, ein fünfter ist in Arbeit.

 

 

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