10.12.2020 - 18:20 Uhr
PfreimdOberpfalz

Konzept für Pfreimder Museum: Aus Urzeiten bis in die Gegenwart

Die Pfreimder Region war schon zu Urzeiten besiedelt. Um so schwieriger ist es, ein Konzept für ein Stadtmuseum zu finden. Der Stadtrat hat es am Mittwoch gebilligt.

Ein Figurenkopf, Bestandteil der ehemaligen Innenausstattung des Fürstenbaues (um 1556 - 59 oder um 1583) ist eines der wenigen Exponate aus der Residenz-Zeit der Stadt.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Josef Paukner und seine Kollegen sind nicht zu beneiden. Das Geschichtsbuch der Stadt Pfreimd ist prall gefüllt, Funde deuten auf eine Besiedlung schon zu Urzeiten hin. Professionelle wie ehrenamtliche Archäologen haben unzählige, teils sensationelle Entdeckungen gemacht. Andersherum findet sich ausgerechnet aus der Zeit, als Pfreimd als Residenzstadt der Leuchtenberger große Bedeutung hatte, wenig greifbares in den Archiven.

Bodendenkmäler rund um Pfreimd

Pfreimd

"Wir haben fünf Münzen", sagte Paukner, als er sein Konzept für das Museum im Bürgerhaus am Mittwoch im Stadtrat vorstellte. "Wir müssen Realitätssinn beweisen. Was können wir zeigen?", schickte Paukner voran, "was trägt das Museum?" Natürlich ist bekannt, dass es in der Residenz ein Kuriositätenkabinett gab, auch eine Bildergalerie. Allein: Davon ist kaum was übrig. Bis auf die beiden Fische, die im Bürgerhaus von der Decke hängen. Für die Räume des Museums wären die aber ohnehin viel zu groß.

Viele Fundstellen

Dazu kommt: Die als Museum geplanten Räume im Erdgeschoss des Bürgerhauses seien "schön, aber auch schwierig." Nach eingehenden Gesprächen, auch mit Kreisheimatpfleger Kurt Engelhardt (Archäologie) und den Forschern vom "Stadtturm", ist nun ein Konzept entstanden, das auch den Segen der Landesstelle für nichtstaatliche Museen hat – und so Fördertöpfe erschließt. Paukner hat also einige Ansprüche unter einen Hut gebracht, Differenzen sind ausgeräumt.

  • Der erste Raum des Museums soll sich mit Bildern und Exponaten der Ur- und Frühgeschichte der Region widmen. Es gibt beinahe 40 Fundstellen rund um Pfreimd, die mit einer Medienstation erfahrbar gemacht werden sollen. Außerdem wird es "Geschichte zum anfassen" geben, die "Entdecker-Ecke" wird sich mit der Arbeit der Archäologen befassen.
  • Mittelalter und Slawenzeit sind das Thema im zweiten Raum. Hier gibt es Exponate, vor allem auch aus der Iffelsdorfer Grabung. Die Silhouette eine Mannes soll zeigen, wie etwa der Gürtel getragen wurde, der hier als Grabbeigabe entdeckt wurde. Besonders herausragende Stücke könnte auch gescannt, dann auf einer Medienstation in 3-D genau betrachtet und erklärt werden. Siedlungsgeschichte und Gräberkult sollen Themen sein, entsprechend erklärt und auf Bildern ersichtlich.
  • Die Zeit als Residenz der Leuchtenberger und die Entwicklung bis in die Gegenwart wird den dritten Ausstellungsraum füllen. Zentrales Ausstellungsstück ist ein Modell der Stadt nach dem Kataster von 1836. Anhand der Geschichte einzelner Häuser und ihrer Bewohner soll erfahrbar werden, wie sich Pfreimd entwickelte. Hier werden die Münzen leuchtenbergischer Prägung zu sehen sein. Und der "Pfreimder Schatz": Allerdings wohl "nur" virtuell als dreidimensionaler Scan auf einer Medienstation. Ob irgendwann auch Replica besonderer Stücke hier stehen werden, ist letztlich eine Frage des Budgets.

Das "document Schloss" ist ebenfalls Teil des Museums. Die Schlosskellergewölbe sollen während der Öffnungszeiten des Museums zugänglich sein. Mit Modellen, Filmen und Bildern wird die Geschichte der Stadt vom Frühmittelalter bis zur beginnenden Neuzeit dargestellt. Die Gestaltung hier soll bereits Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. Der Bürgersaal wird als Veranstaltungsraum, aber auch für Sonderausstellungen des Museums ins Konzept integriert.

Wir müssen Realitätssinn beweisen: Was können wir zeigen?

Dr. Josef Paukner, Ersteller des Museumskonzepts.

Dr. Josef Paukner, Ersteller des Museumskonzepts.

Dazu gehören natürlich auch Ziele der Museumspädagogik. Schließlich soll sich das Museum nicht nur an "Bildungsbürger wenden, die von Museum zu Museum eilen", so Paulkner. Gerade auch Kinder und Jugendliche müssten sich angesprochen fühlen, deshalb gibt es auch einige "Hands-on"-Elemente, sollen Aktionen und Vorführungen zeigen, wie die Menschen früher lebten, ihren Bedarf deckten, auf Veränderungen reagierten oder den technischen Fortschritt in die Stadt brachten.

Kommendes Jahr fertig

"Pfreimd war schon immer ein guter Ort zum Leben", fasste Paukner zusammen. Mit Museumsleiterin Carola Reul und Innenarchitekt Wolfgang Engel (Nabburg) wird jetzt weiter an Einzelheiten gefeilt. Das will auch der Stadtrat so: Ohne Debatte billigte das Gremium bei der Sitzung in der kleinen Schulturnhalle die Vorschläge einstimmig. Wenn alles klappt wie vorgesehen, soll das Museum kommendes Jahr fertig sein.

"Ich hoffe, wir können dann im September 2021 Eröffnung feiern", sagte Bürgermeister Richard Tischler. Dann hoffentlich ohne Masken – die mussten während der Sitzung alle Stadträte, Referenten und Gäste tragen. Nur für die Redner gab's eine Ausnahme.

Eine Kette aus Glasperlen, die bei den Ausgrabungen in Iffelsdorf gefunden wurde.
Beschläge eines awarischen Gürtels wurden in Iffelsdorf ausgegraben und gelten als Sensationsfund.
Die Nachbildung eines Awarengürtels.

 

 

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