13.06.2019 - 15:37 Uhr
PfreimdOberpfalz

Lebensretter per Transfusion

In seiner "Schulzeit" ist er ein gefragter Spender. 138 Mal lässt sich Robert Kraus Blut abzapfen. Der kleine Eingriff gehört seit Jahrzehnten zu seinem Alltag, lange bevor es den Weltblutspendetag gab. Heuer endet die Routine.

Für Robert Kraus aus Pfreimd gehörte das Blutspenden jahrzehntelang zur Routine, Abzeichen und Urkunden waren Nebensache. Doch jetzt hat er die Altersgrenze erreicht und bedauert, dass er die 150 Mal 0,5 Liter nicht ganz geschafft hat.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Ganz früher hatte ich zum Blutspenden wegen der Arbeit kaum Zeit", erinnert sich Robert Kraus. Dass er dann über 30 Jahre lang als treuer Blutspender aktiv war, das lag an einem Berufswechsel: Der gelernte Heizungsbauer wurde Hausmeister in der Pfreimder Landgraf-Ulrich-Schule. Dort, wo der Blutspendedienst etwa vier Mal im Jahr für ein paar Stunden sein Lager aufschlug, um die lebensrettenden Konserven aufzustocken. 138 Mal hat Kraus dort seinen Arm ausgestreckt, einen Piks in Kauf genommen und zugeschaut, wie sein Blut durch einen kleinen Schlauch in einen Beutel floss. Am 14. Juni, dem Weltblutspendetag, kann er eine stolze Bilanz ziehen.

"Bei mir liegen die Venen relativ gut, mir hat das nichts ausgemacht", sagt Kraus, der die Blutspende-Routine auch noch im Rentenalter beibehalten hat. Bereitwillig hat er die Zettel mit den Fragen ausgefüllt, Blutdruckmessen und Tests über sich ergehen lassen, die im Lauf der Jahrzehnte variierten. "In den Anfangszeiten gab es zur Voruntersuchung einen Stich in den Finger, später ins Ohrläppchen, und dann ging's wieder zurück zur alten Methode", beschreibt der 73-Jährige das Prozedere, das für ihn zu einer Selbstverständlichkeit wurde. "Ich wollte auch wissen, welche Blutgruppe ich habe, und als Spender bekommt man auch einen großen Blut-Pass zugeschickt", stellt Kraus die Vorteile heraus. Zum Blut-Abnehmen gehörte anschließend eine Brotzeit. "Tee, Kaffee, Wurst- oder Käse-Semmeln und Joghurt, "da kann man sich satt essen", lobt er den Service und erzählt von kleinen Geschenken wie einem Handtuch oder Spielzeug.

Inzwischen haben sich auch jede Menge Abzeichen und Urkunden für diverse Spenden-Jubiläen angesammelt. "Da sind aber die meiner Frau auch dabei", schränkt Kraus mit einem Blick auf die Schmuck-Schächtelchen ein, die er nur für den Pressetermin hervorgeholt hat. Viele enthalten gleich zwei goldene Anstecknadeln mit einem roten Stein in der Mitte, denn Marianne Kraus hat mit 107 Blutspenden ebenfalls so manche Ehrung erfahren. Als kleine Anerkennung wurden die treuen Spender aber auch immer mal wieder zu einem Essen eingeladen. "Zum 125. ging es nach Dingolfing, da sind wir eigens mit einem Bus abgeholt worden", berichtet der Pfreimder, der bei dieser Gelegenheit vertraute Gesichter unter den Geehrten entdeckte. Weil Jahr für Jahr per Post die Einladung zum Blutspenden kam, hat sich sein Spender-Ausweis nach und nach mit immer mehr Einträgen gefüllt.

Nur ganz selten musste der treue Spender passen, nämlich dann, wenn der Eisenwert im Blut nicht perfekt war. "Wenn der Eisenwert nicht stimmt, sollte man halt vor der Blutspende mehr Rote Bete essen", so seine Konsequenz. Einen Rat an die Erstspender hat der 73-Jährige auch parat: "Zuvor viel Flüssigkeit trinken und keine Angst haben!", lautet sein Tipp. "Die machen das super!", meint er mit Blick auf das Fachpersonal vom Blutspendedienst, das vor Ort von einem großen Helferteam unterstützt wird. "Mir ist nie schlecht geworden", sagt Kraus, der heuer am 3. April seinen letzten Blutspende-Termin hinter sich gebracht hat. Weil er die vorgeschriebene Altersgrenze vor wenigen Tagen erreicht hat, ist nun sehr zu seinem Bedauern Schluss für ihn: "Ich hätte gern die 150 noch voll gemacht."

Info:

Weltblutspendetag

Der Weltblutspendetag am 14. Juni basiert auf dem Geburtstag von Karl Landsteiner im Jahr 1868. Landsteiner gilt als der Entdecker der Blutgruppen. Der Weltblutspendetag wurde im Jahr 2004 von vier internationalen Organisationen ausgerufen, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO). An diesem Tag will man Menschen daran erinnern, dass dass beispielsweise Unfallopfer Blutspenden benötigen. Zum Teil verwenden die Mediziner für ihre Patienten auch einzelne Blutbestandteile wie rote Blutkörperchen, Blutplättchen oder -plasma sowie Stammzellen. In vielen größeren Orten im Landkreis gibt es viermal jährlich Termine des BRK-Blutspendedienstes. Spitzenreiter ist laut Alexandra Maschek von der Servicestelle Ehrenamt der BRK-Kreisgeschäftsstelle die Stadt Neunburg mit über 200 Spendern. Etwa 5 bis 15 Erstspender werden bei solchen Terminen registriert, für die auch rund zehn ehrenamtliche Helfer benötigt werden . "Wir könnten auf jeden Fall noch mehr Spender brauchen", informiert Maschek und denkt dabei vor allem an die Sommermonate, in denen mehr Unfälle passieren und mehr Menschen in Urlaub sind. Ein Auslandsaufenthalt kann im Übrigen dazu führen, dass jemand anschließend als Spender nicht in Frage kommt. Die nächsten Blutspende-Termine sind am 19. Juni in Schwandorf, am 27. Juni in Maxhütte-Haidhof und am 10. Juli in Pfreimd in der Aula der Landgraf-Ulrich-Volksschule.

Wenn der Eisenwert nicht stimmt, sollte man halt vor der Blutspende mehr Rote Bete essen.

Robert Kraus

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