06.11.2020 - 09:23 Uhr
PfreimdOberpfalz

Napoleon und sein Link zu Pfreimd: Leuchtenberger und ein Freundeskreis

Ein glanzvoller Name erweist sich als roter Faden durch die Geschichte. Auch wenn dieser Faden schon so gut wie abgerissen war, bleibt ein wenig Ruhm haften. Und die Stadt Pfreimd kann davon profitieren.

von Monika Bugl Kontakt Profil

Leuchtenberg: Mit diesem Namen ist die Stadt Pfreimd seit fast 700 Jahren eng verbunden. 1332 hat Landgraf Ulrich I. die Stadt gekauft, seinen Stammsitz von der Leuchtenburg hierher verlegt. In aller Munde waren die Leuchtenberger aber erst dann, als das Adelsgeschlecht längst ausgestorben war. Feldherr Napoleon ist daran nicht ganz unschuldig. Doch die Sache ist kompliziert. Licht in die Angelegenheit bringt seit ein paar Jahren der "Freundeskreis Leuchtenberg", ein Verein, in dem die Stadt Pfreimd ein elementares Mitglied ist.

In diesem Jahr hat sich der Freundeskreis in Denkendorf (Landkreis Eichstätt) getroffen. Seither gibt es auch dort eine Straße mit dem klangvollen Namen, die Leuchtenbergstraße im Ortsteil Zandt. Mit dabei neben dem Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler war ein Nachfahre der Leuchtenberger, Nicolaus Herzog von Leuchtenberg, Ehrenmitglied und Förderer des Freundeskreises. Sein Herzenswunsch ist es, die Geschichte seiner Vorfahren nicht nur der heimischen Bevölkerung näher zu bringen. Eine Geschichte mit Brüchen, zumindest, wenn man bis auf die Pfreimder Leuchtenberger zurück geht.

Nur der Titel überlebt

"Die Landgrafen von Leuchtenberg sind ja eigentlich ausgestorben", sagt Bürgermeister Tischler, der sich bestens auskennt mit dem scheinbaren Paradox der Nachfahren. Den Landgrafen waren in Pfreimd nämlich nur rund 300 Jahre vergönnt. Was bis heute überlebt hat, ist lediglich ihr Titel. Er ging einst zurück an die Wittelsbacher und wurde erst im Jahr 1817 von König Max I. Joseph neu vergeben. Der erste in der Reihe: Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons und Schwiegersohn von König Max, verheiratet mit Auguste Amalia von Bayern.

Berühmte Herzöge

"Die Herzöge waren es dann, die den Namen in alle Welt trugen, von Paris bis St. Petersburg oder Moskau", sagt Tischler, "das haben wir nur diesem neuen Zweig zu verdanken." So gibt es beispielsweise in München einen Leuchtenbergring und das Palais Leuchtenberg, wo das Finanzministerium untergebracht ist. Klar, dass auch Pfreimd eine Leuchtenberger Straße hat, waren hier doch die "echten" Leuchtenberger daheim. Dann sind da noch eine Landgraf-Ulrich-Straße, eine Landgraf-Johann-Straße, der Max-Philipp-Weg, Mechthildweg und Von-Rieneck-Straße mit den entsprechenden historischen Wurzeln.

"Tag der Ortsfreundschaft"

"Eine Verbindung wie der Freundeskreis Leuchtenberg trägt dazu bei, dass die Geschichte in Erinnerung bleibt", ist Bürgermeister Tischler überzeugt, der mit Blick auf die 650-Jahr-Feier der Stadt Pfreimd 2022 den jährlichen "Tag der Ortsfreundschaft Leuchtenberg" gern in Pfreimd sehen würde. Dort, wo die Wurzeln des ruhmreichen Namens nicht weit entfernt liegen und im "Freundeskreis Leuchtenberg" heute die Vereinskasse verwaltet wird. Mit Tischler und seinem Leuchtenberger Kollegen Anton Kappl sind es nämlich die ehemaligen Adelssitze, die "jetzt in der Vorstandschaft auf das Geld aufpassen".

Mehr über die Leuchtenberger

Leuchtenberg

Eine Verbindung wie der Freundeskreis Leuchtenberg trägt dazu bei, dass die Geschichte in Erinnerung bleibt

Bürgermeister Richard Tischler

Bürgermeister Richard Tischler

Hintergrund:

Freundeskreis vereint zwei Stränge

Als Adels- und Herrschergeschlecht spielten die Landgrafen von Leuchtenberg im Mittelalter eine bedeutende Rolle. Ursprünglich residierten sie in Leuchtenberg, verlagerten aber später ihren Sitz nach Pfreimd. Landgraf Ulrich I. hatte sich im Jahr 1332 für diesen Schritt entschieden. Letzter Landgraf von Leuchtenberg war Max Adam, der im Jahre 1646 starb. Der Titel jedoch hat überlebt, ihn trugen fortan wichtige bayerische Herzöge. 2018 wurde der Freundeskreis Leuchtenberg gegründet, zu dessen Mitgliedern drei Kommunen mit Bezug zu den ursprünglichen Leuchtenbergern zählen: Pfreimd, Leuchtenberg und Grünsfeld. Zweck des Vereins ist die Förderung der Heimatpflege, der Heimatkunde und der Kultur, insbesondere der Geschichte der Landgrafen und Herzöge von Leuchtenberg und der Familie Beauharnais sowie des Bewusstseins für deren Leistungen in und für Bayern. Ein weiterer Zweck ist laut Satzung die Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege.

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