09.07.2019 - 17:12 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Unterwegs im Auftrag des Kaisers

Das Geschlecht der Leuchtenberger ist bedeutend. Sie haben einen Platz im Gefolge von Königen, heiraten standesgemäß, kämpfen in berühmten Schlachten und ziehen zum Kreuzzug ins Heilige Land.

Das Wappen der Leuchtenberger.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Ist uns eigentlich richtig bewusst, dass unsere Oberpfalz ein bedeutendes Burgenland war und ist? Mächtig und noch immer ein wenig stolz, ragen sie oder ihre Ruinen aus den Wäldern empor. Eine der mächtigsten und stolzesten von ihren trägt den Namen Leuchtenberg im gleichnamigen Ort an der B 22 zwischen Cham und Weiden gelegen.

Sie ist nicht nur die größte und am besten erhaltene Burgruine, sie ist das "Herzstück" der Oberpfalz. Manche nennen sie sogar die "Akropolis der Oberpfalz". Auf dem Gipfel des 585 Meter hohen Leuchtenbergs ist sie in vielfältiger Hinsicht eine der bekanntesten Objekte im Reigen aller vergleichbarer Burgstätten.

Graf durch Barbarossa

Im Dunkeln liegen die Anfänge ihrer Geschichte. 1124 wird sie erstmals erwähnt. Ein Jahrhundert später wird eine Pfändung urkundlich. Die Grafen von Ortenburg zahlen dem Landgrafen Diepold von Leuchtenberg zweihundert Pfund. Dieses Geschlecht der Landgrafen besitzt einen exponierten Stellenwert unter den damaligen Herrschaftsfamilien des Nordgaus. Aufgenommen in das Gefolge der Stauferkönige und Kaiser, sind sie ehelich verbunden mit den Grafen von Sulzbach. Gebhard II. von Leuchtenberg wird 1158 durch Barbarossa in den Grafenstand erhoben. Sein Sohn Diepold II. begleitet Kaiser Friedrich II. 1228 im fünften Kreuzzug.

1322 kämpft Ulrich von Leuchtenberg an der Seite Johann von Luxemburgs und Kaiser Ludwig dem Bayern erfolgreich in Mühldorf am Inn gegen den Habsburger Gegenkönig Friedrich den Schönen. Zehn Jahre später verlegt er seine Residenz in ein repräsentatives Schloss nach Pfreimd, von dem aber heute nichts mehr zu sehen ist. Auf seiner Stammburg richtet er einen Amtssitz ein.

Schlacht am Mühlberg

Durch die Schlacht bei Mühlberg verstärken sich die Verbindungen zwischen König Johann von Böhmen und den Leuchtenbergern. So nimmt der Böhmenkönig Ulrich als Gesandten mit an den päpstlichen Hof zu Avignon. Ulrich hinterlässt unter anderem die Tochter Kunigunde, die als "Weiße Frau" in deutsche Sagen eingeht. Auch sein Sohn, Kaiser Karl IV., nimmt die Landgrafen schon frühzeitig in sein Gefolge auf. Der Kaiser überträgt den beiden Brüdern die Hauptmannschaft des Landfriedens zu Rothenburg ob der Tauber. Karl gestattet ihnen 1361 die Münzprägung in Rothenburg ob der Tauber und Bergwerksprivilegien in ihren böhmischen Lehen. 1361 erfolgt die Gründung des Marktes Grafenwöhr. Ulrich wird auch am Bau des Pfrentschweihers, des damals größten künstlichen Sees des Mittelalters, durch Karl IV. 1362 beteiligt.

Nach Avignon

Johann von Leuchtenberg, der zur Tischgesellschaft des Kaisers gehört, heiratet eine böhmische Adelige. Diese Heirat zeigt die Verflechtungen böhmischer und Oberpfälzer Adelshäuser im frühen und späten Mittelalter. Eine Grenze in unserem Sinne gibt es erst im 15. Jahrhundert. Johann pflegt stets gute Beziehungen zu Kaiser Karl IV. und war Hofmeister von dessen Sohn Wenzel. So begibt er sich mit dem Kaiser auf Reisen nach Avignon und Paris, wo er 1380 wiederum als Gesandter des Kaisers in dessen Namen mit dem französischen Hof einen Vertrag hat. König Karl überträgt den Landgrafen nebst dem Markgrafen Friedrich zu Meissen das "Burggrafthum" Nürnberg, um es im Namen der einzigen Tochter und Erbin desselben zu verwalten, wenn der Burggraf ohne männliche Nachkommenschaft sterben sollte. Dies ist jedoch nicht der Fall. Ersichtlich ist aber, dass Karl den Leuchtenbergern wichtige Geschäfte anvertraut hat. Zu gleicher Zeit überträgt ihnen Karl wegen ihrer getreuen Dienste die Pflege und das Amt in der Stadt Halle mit allen Nutzungen.

1400 erhält Johann I. von Wenzel die Herrschaft Weiden und Parkstein. Die Wittelsbacher ernennen ihn 1402 zum Pfleger in Niederbayern. König Wenzel überträgt ihm und seinem Sohn Johann II. die Hauptmannschaft über seine Lande in Bayern, Franken und im Egerland. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen des von ihm unterstützten König Wenzel verschuldet sich Johann jedoch so sehr, dass er gezwungen ist, große Teile der Grafschaft zu verpfänden.

Was den Verlauf der Goldenen Straße anbelangt, nehmen die Luxemburger keine Rücksicht auf die Leuchtenberger. Karl bestimmt, dass der Weg der böhmischen Könige von Nürnberg nach Prag über Tachau und Weiden gehen müsse. So wird der ursprüngliche Weg durch das Leuchtenberger Land verboten. Hier geht es vor allem um den Geleitschutz, dessen Gelder in die Kasse des Kaisers fließen. Um 1430 muss sich die Burg Leuchtenberg gegen die anrückenden Hussiten behaupten. Zuvor sind die Befestigungsanlagen der Burg noch ausgebaut worden.

Vielfältig sind die Einsätze der Nachfolger von Ulrich und Johann. Anzutreffen sind sie in gehobenen Positionen im Herzogtum Bayern, der Pfalz, in Böhmen und Brandenburg. Die Würde der Reichsfürsten erreichen die Leuchtenberger 1433 unter Leopold von Leuchtenberg, der die Burg stark ausbauen lässt. Zu den umfangreichen Besitzungen zählen zeitweise die Burgen Wernberg, Neuhaus an der Waldnaab, Weißenstein, Schwarzenburg oder Hals bei Passau und viele mehr.

Dass der Dreißigjährige Krieg nicht ohne Spuren an der Burg vorbeigeht, dürfte aufgrund ihrer Lage und Bedeutung verständlich sein. Zwei Jahre vor seinem Ende stirbt die so bedeutende Familie aus. Nach den Plünderungen beginnt ein zunehmender Verfall. Nach rund 60 Jahren fällt der Besitz durch Abtretung der Landgrafschaft an den Kurfürsten Maximilian von Bayern.

Tragischer Brand

Besonders tragisch wird die Situation, als 1842 vier Fünftel der Häuser am Fuß des Berges in Flammen aufgehen. Der Getreidekasten der Burg wird zerstört, 40 Jahre später stürzt der Bergfried nach einem Blitzschlag ein. Erst in den 1870er Jahren rückt die Ruine wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Es ist die Zeit der Romantik, als die Burgen wiederentdeckt wurden. Der Landtag genehmigte eine gründliche und umfassende Wiederherstellung. Diese Sicherung des Bestandes ab dem Ende des 19. Jahrhunderts hält bis heute an. Noch einmal erhebt sich der Name der Leuchtenberger wie ein Phönix aus der Asche. König Max I. verleiht seinem Schwiegersohn, Prinz von Beauharnais,den Titel eines Herzogs von Leuchtenberg. Auch der männliche Stamm dieser Familie erlischt 1929.

Mit dem Untergang des Geschlechts der Leuchtenberger verfällt die Burg Leuchtenberg. Erst in der Zeit der Romantik wird sie wiederentdeckt.
Ulrich von Leuchtenberg wird auch am Bau des Pfrentschweihers, des damals größten künstlichen Sees des Mittelalters, durch Karl IV. 1362 beteiligt.

Mehr zur Burg Leuchtenberg:

Leuchtenberg

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.