02.07.2019 - 15:21 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Harmonie aus Berg und Burg

Die Burg Leuchtenberg zählt zu den schönsten Baudenkmälern der Oberpfalz. Wer sie besucht, entdeckt nicht nur den Ausblick, sondern auch so manche Besonderheit hinter den dicken Granitmauern.

Die Burg nimmt schwerpunktmäßig eine Nord-Süd-Position ein. Die Kernburg mit dem inneren Hof liegt dabei im westlichen Teil. Die östlich gelegene, etwas tiefer liegende Hälfte bildet die Vorburg.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Die malerisch gelegene Burg Leuchtenberg über dem Luhetal beherrscht mit ihrer Höhenlage von 570 Metern die ganze umliegende Landschaft. Dunkler, harter Granitstein bildet den Fels, auf dem sich die Burg erhebt. Auch das Gemäuer ist aus Granit gebaut. Mit Sicherheit ein Grund dafür, dass die Ruine, der Untergrund und das gesamte Hinterland eine harmonische Einheit bilden.

Kein Wunder, dass sie zu den berühmtesten Baudenkmälern im Oberpfälzer Wald gezählt wird. Sie kann mit Fug und Recht mit den viel besungenen und hochgelobten Wehrbauten der Schwäbischen Alb, an Rhein, Saale und in vielen anderen Regionen konkurrieren.

Die Burg nimmt schwerpunktmäßig eine Nord-Süd-Position ein. Die Kernburg mit dem inneren Hof liegt dabei im westlichen Teil. Die östlich gelegene, etwas tiefer liegende Hälfte bildet die Vorburg. Sie ist durch ein einfaches Tor zu erreichen, vorbei an den mittelalterlichen Gebäuden für Verwalter und Schreiber, von denen nur mehr Mauerreste bestehen.

Ein Tor im Norden war durch eine Zugbrücke geschützt, Mauerreste lassen sie erahnen. Gleich darauf kommt ein weiterer, aber älterer Einlass mit gotischen Spuren zur Kernburg durch die innere Ringmauer. Dieser letzte und älteste Durchgang wurde durch ein Fallgatter geschützt, dessen Lauf heute noch gut zu sehen ist.

Links taucht die Burgkapelle mit steilem Zeltdach auf einem nahezu quadratischen Grundriss auf. Der Ostchor zeigt frühgotische Fenster. Der schmale Turm der Kapelle besitzt im unteren Teil ein gotisches, schmales Lanzettfenster im Chor und dürfte vor 1300 entstanden sein. Der Bereich ab den oberen Fenstern darüber wurde wohl im Barockzeitalter hinzugefügt, genau wie die ovalen Fenster an den Seitenwänden. An der Decke des Chors sind noch Ansätze eines gotischen Gewölbes zu erkennen, das heute nicht mehr existent ist. Bemerkenswert ist die steinerne Mittelsäule, die durch einen Holzfortsatz die barocke Kassettendecke trägt. Sie trägt die Inschrift: "Im Jahre des Herrn 1414 durch L.G. Leiopold renoviert." Der Innenraum hat links eine Adels-Empore aus Holz. Dort befindet sich auch eine schmale Sakristei und ein kleiner von außen angebauten Raum, der durch ein Angstloch einen weiteren Raum darunter erschließt - wohl eine Art Verlies.

Weiter führt der Weg in den inneren Burghof. Hier bewacht der rechteckige Bergfried mit Schildmauer den Zugang. Er sitzt auf einem Felsen aus Buckelquadern und ist 24 Meter hoch. Seine Wandstärke beträgt 2,5 Meter und der Eingang verweist auf eine Höhe von neun Metern. An den Bergfried anschließend links hat sich ein wichtiges Gebäude gut erhalten: die Dirnitz, das ehemalige Gesindehaus. Eine Dirnitz, auch "Dürnitz" oder "Türnitz" genannt (aus der slawischen Sprache "Dorniza" = beheizte Stube), oder ein Rittersaal ist eine beheizbare Fläche einer mittelalterlichen Burg. Der Saal im Erdgeschoss des Baus aus dem 14. oder 15. Jahrhundert ist als Raum noch völlig intakt. Das schöne Gewölbe wird durch eine sechseckige Mittelsäule getragen. Die Dirnitz war heizbarer Aufenthaltsraum, Ess- und Festsaal für die Burgmannen, die auf der Burg stationiert waren. Sie wurde später durch ein Zwischengebäude mit dem Palas verbunden.

An ihn schließt sich zum Tor gerichtet die Schildmauer gleicher Bauart und Stärke an, die vor dem Turm eine Art Terrasse bildet. Die Mauer-Technik deutet auf eine Entstehung um 1200. Allerdings ist unklar, inwiefern das Mauerwerk durch den Einsturz und Wiederaufbau noch im Originalzustand ist.

Nordsüdlich zum Ort hin gewandt, liegt der ungewöhnlich geformte, zweigeteilte und dreigeschossige Palas. In seinem mehrgliedrigen Aufbau erinnert er an den Palas auf der Burgruine Kallmünz.Der Besucher betritt einen dreieckigen Vorraum durch ein gotisches Spitzbogenportal, von dort gelangte man in den trapezförmigen Hauptbau. An den Außenmauern und vielgestaltigen Fenstern aus verschiedenen Ebenen und Epochen lässt sich ablesen, dass das Gebäude seit seiner Erbauung - vermutlich im 13. Jahrhundert - viele Umformungen durchlebt hat.

Im späten Mittelalter wurde die Burg dem neuesten Stand der Wehrtechnik angepasst. Die relativ ungeschützte Lage auf dem nicht sehr steilen Hügel machte einen Zwinger mit halbrunden Mauertürmen notwendig. Er umläuft die Anlage fast vollständig. Im Westteil befinden sich Wirtschafts- und Wohnräume, die teilweise unterkellert sind.

Die Burg bietet eine wunderschöne Aussicht vom Bergfried über die Höhen des Oberpfälzer Waldes bis in den Jura und ins Fichtelgebirge. Seit 1982 ist die Burg in den Sommermonaten Bühne für die "Leuchtenberger Burgfestspiele" des Landestheaters Oberpfalz (früher Stadtbühne Vohenstrauß).

Der schmale Turm der Kapelle besitzt im unteren Teil ein gotisches, schmales Lanzettfenster im Chor und dürfte vor 1300 entstanden sein. Der Bereich ab den oberen Fenstern wurde wohl im Barockzeitalter hinzugefügt.
Der Bergfried sitzt auf einem Felsen aus Buckelquadern und ist 24 Meter hoch.
Die Dirnitz, ein heizbarer Aufenthaltsraum, Ess- und Festsaal für die Burgmannen, wurde später durch ein Zwischengebäude mit dem Palas verbunden.

Mehr zum Adelsgeschlecht der Leuchtenberger:

Leuchtenberg

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