11.06.2021 - 15:07 Uhr
PfreimdOberpfalz

Neue Nöte im Pfreimder Storchenhorst

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Kaum ist das jüngste Küken gerettet, droht neues Unheil auf dem Pfreimder Storchenhorst: Der Storchenvater wird seit einer Woche vermisst, die Mutter ist allein mit vier hungrigen Schnäbeln.

Alleinerziehende Mutter mit vier Kindern: Dieses Schicksal hat Familie Storch auf dem Pfreimder Horst ereilt. Storchenbetreuer Arnold Kimmerl ist aber zuversichtlich, dass der Nachwuchs nicht hungern muss, und hat vorsichtshalber eine Futterstelle eingerichtet.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Am Freitag, 4. Juni, gegen 16 Uhr hat Storchenbetreuer Arnold Kimmerl den männlichen Storch das letzte Mal auf dem Horst gesichtet. Seitdem sind zahlreiche Anrufe besorgter Bürger bei ihm eingegangen, die um das Leben der vier Küken fürchten, die nun ohne den zweiten Ernährer auskommen müssen. Storchenbetreuer Kimmerl kann sie beruhigen. Er hat schnell reagiert, mit dem Kreisvorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Zeno Bäumler, Verbindung aufgenommen, und im nahen Klostergarten den Tisch für Familie Storch gedeckt.

"Wir haben da ja jetzt eine Alleinerziehende", sagt Kimmerl. Um den Stress bei der Nahrungssuche zu mindern, hat er eine Futterstelle eingerichtet: In Sichtweite des Horst und in ruhiger Umgebung wartet täglich eine Portion Fisch auf Abholung. Frisch oder gerade erst aufgetaut, kleine Exemplare oder in Stücke geschnitten. Ob die Brocken tatsächlich von Mama Storch abgeholt werden? "Dazu müsste man allerdings eine Wild-Kamera installieren, da schleicht auch eine Katze herum", berichtet der Futterlieferant, der bei der Kontrolle Gräten- und Hautreste vorfindet.

Kimmerl geht davon aus, dass die Versorgung des Storchen-Nachwuchses auch ohne Papa Storch ganz gut klappt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir alle vier Küken durchbringen", meint er. Die Kleinen seien "fidel und fit", vom Alter her stabil, und den Regenguss vom Sonntag hätten sie auch ganz gut vertragen. "Außerdem sind die Wiesen jetzt zum Großteil abgemäht, da finden sich momentan reichlich Regenwürmer und Mäuse." Die Futterstelle habe man lediglich zur Sicherheit eingerichtet. "Wenn der Storch die mal gewohnt ist, dann wird er sich bestimmt regelmäßig hier bedienen", so seine Einschätzung.

Über den Verbleib des Storchen-Papas lässt sich nur spekulieren. "Der muss verunglückt sein, vielleicht ist er mit einem Auto kollidiert oder mit einer Stromleitung", mutmaßt der Betreuer. Dass der Vogel mit dem Ring am Fuß dauerhaft fremdgegangen ist, schließt er aus. Die Jahreszeit der Partnerwahl ist bei den gefiederten Tieren nämlich schon längst vorbei. "Es sind vor ein paar Wochen tatsächlich ein paar Jungstörche vorbei gekommen, aber jetzt, in der Brutzeit, ist das kein Thema." Dass es sich beim verbliebenen Storch um ein weibliches Exemplar handelt, da ist sich Kimmerl sicher, und zwar nicht wegen des Rings, sondern wegen der Beobachtungen: "Es ist immer die Dame, die mit der Brut überwiegend im Nest bleibt."

Im Fokus steht die Pfreimder Storchenfamilie aber nicht nur beim Betreuer. Im Altenheim macht der Blick auf die Webcam der Stadt dem Fernsehprogramm Konkurrenz, im Kindergarten ist Storch-TV nicht weniger beliebt. Das Familienleben auf dem Turm der Klosterkirche entzückt dank der Live-Eindrücke sogar Fans in der Nachbarstadt. "Eine Nabburgerin hat mir erzählt, dass morgens ihr erster Blick per Webcam auf den Pfreimder Storchenhorst geht", berichtet Kimmerl. Klar, dass da das Ausbleiben von Papa Storch, auf Dauer nicht unentdeckt bleiben konnte. Was nun die Dauer der Futterlieferung betrifft, so rechnet der Storchenbetreuer damit, dass er noch etwa vier bis sechs Wochen täglich die übliche Portion Fisch anbieten wird. Solange, bis die Jungen ausfliegen – "dann können sie selber auf Futtersuche gehen".

Schon einmal war der Pfreimder Storchen-Nachwuchs heuer in Gefahr

Pfreimd

"Ich bin zuversichtlich, dass wir alle vier Küken durchbringen. Die Kleinen sind fidel und fit."

Storchenbetreuer Arnold Kimmerl

Storchenbetreuer Arnold Kimmerl

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.