Für Andres Lotter von der gleichnamigen Haustechnik GmbH in Pfreimd gibt es keinen Zweifel: Seine Ausbildungsoffensive wertet er als vollen Erfolg. Zweimal sind in seinem Betrieb vor einem Jahr Lehrlinge aus vier Landkreisen zusammengekommen, um schneller als üblich in ihr Metier einzutauchen: per zusätzlichem Unterricht. Jetzt will der Chef das Pilotprojekt mit 16 Neulingen nicht nur wiederholen, sondern sogar noch erheblich intensivieren.
Wer den Pfreimder Unternehmer nach den Erfahrungen bei der ersten Schulungsangebot fragt, bekommt eine Lobeshymne zu hören, die der Chef einer der beteiligten Firmen über die Sozialen Medien geschickt hat. „Herausragend“ fand er die Initiative und „beeindruckend gut organisiert“. Der Auszubildende habe viel mitnehmen können und ein grundlegendes Verständnis für Baustellen erfahren. Nicht zuletzt profitiere man auch von den Benimm-Regeln, die da vermittelt wurden, heißt es im Feedback. Die Folge: Es läuft von Anfang an gut mit der rechtzeitigen Krankmeldung oder mit der Kommunikation, wenn sich die Anfahrt verzögert.
„Von Beginn an optimal“: So soll auch die Ausbildung laufen, wenn es nach Geschäftsführer Lotter geht. In Zeiten des Fachkräftemangels hat er sich dafür etwas einfallen lassen. Und der optimierte Start ins Berufsleben scheint sich zu bewähren. Sein Konzept setzt gleich am ersten Arbeitstag an. „Onboarding“ heißt das Zauberwort, ein Begriff aus dem Personalmanagement. Es geht dabei um Maßnahmen, die eine Eingliederung fördern sollen. Zentraler Bestandteil einer Einführungswoche ist laut Lotter das Verständnis für die Funktionsweise von Heizungen, auch wenn man dabei noch nicht ins Detail gehen kann. Ein Überblick, der bei ein bis zwei Tagen Berufsschule und dem Mitlaufen neben einem Gesellen gerade am Anfang nicht so einfach ist. „Wir wollen keine Konkurrenz zur Berufsschule sein, sondern eine Ergänzung“, stellt Andreas Lotter klar.
Vom Zettel bis zur Zange
Nicht nur in der Theorie, auch in der Praxis will der Chef von Anfang an die richtigen Weichen stellen. Das beginnt schon beim, Umgang mit der Arbeitszeit. „Wir legen großen Wert darauf, dass die Lehrlinge von Anfang an die Bedeutung von Stundenzetteln verstehen und diese korrekt führen“, verdeutlicht er grundlegende Vorgänge im Betrieb. Ähnliches gilt für den Bereich Material- und Werkzeugkunde. „Unsere Lehrlinge wissen nach der Einführungswoche, wie sie eine Wasserpumpenzange von einer Armaturenzange unterscheiden“, nennt Lotter ein Beispiel für ein solides Grundwissen, auf dem man dann aufbauen könne.
Vertieft wurde dieses bei der Einführungswoche im September erworbene Wissen dann in den Herbstferien. In dieser Phase liege der Fokus darauf, den Lehrlingen die beruflichen Perspektiven aufzuzeigen, die ihnen in ihrem neuen Berufsfeld offen stehen, so Lotter. „Unsere Lehrlinge werden in den kommenden Jahrzehnten eine zentrale Rolle dabei spielen, die Energiewende voranzutreiben“, so der Fachmann. „Von der Programmierung moderner Heizsysteme bis hin zur Integration von Smart-Home-Technologien – der Beruf ist hochtechnologisch und bietet immer wieder neue Herausforderungen“, wirbt der Pfreimder Unternehmer für seine Branche und macht die Erfolge bei der Fachkräftegewinnung auch von der Motivation abhängig. „Die Abbruchquote im ersten Lehrjahr ist erschreckend“, berichtet er mit einen Blick auf eine aktuelle Statistik, „eine der höchsten im Handwerk“.
1200 Lehrvideos
Spaß an der Arbeit und neue Technologien wie 1200 Lehrvideos spielen deshalb auch bei den Ausbildungsmethoden eine Rolle. Angedacht ist auch ein Zusatzunterricht, den es bisher nur für die eigenen Lehrlinge gab. Wo hapert’s da? „Wer ins Handwerk geht, kann hinlangen“, lautet die Erfahrung des 48-Jährigen. „Eher fehlt es an der Theorie“, sagt er mit Blick auf das immer komplexere Berufsfeld. „Ich will das auf jeden Fall weiterführen, auch wenn ich es selbst finanzieren muss“, kündigt Lotter an. „Dass Leute in der Branche nachkommen, das ist für mich einfach eine Herzensangelegenheit.“ Wie das funktioniert, das wollen sich diesmal beim Start am 2. September auch mehrere Kreishandwerksmeister genauer anschauen.
Pilotprojekt Lehrlingsausbildung
- Start: Herbst 2023, jetzt neue Runde mit Beginn am 2. September
- Zeitraum: Phase eins mit Onboarding-/Einführungswoche im September, Phase zwei Vertiefung in den Herbstferien
- Teilnehmer: 2023 insgesamt 18 angemeldete Auszubildende, für die neue Runde 2024 jetzt 16 Auszubildende aus zehn Betrieben in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach, Weiden und Tirschenreuth
- Konzept: von Anfang an klares Berufsbild, Funktionsweise von Heizsystemen und praktische Fertigkeiten vermitteln, Sicherheitsunterweisung, material- und Werkzeugkunde; Bereitstellung von Lehrvideos
- Zusatzprogramm: geplant als Intensivierung während des gesamten Jahres, um Durchfallquote bei der Gesellenprüfung zu senken















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