21.03.2021 - 13:35 Uhr
PfreimdOberpfalz

Osterbrunnen und Corona-Risiko: Spagat zwischen Wohltat und Vorsicht

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Sattes Grün und üppige Girlanden: In vielen Kommunen im Landkreis Schwandorf bleibt der Schmuck für den Osterbrunnen heuer wegen Corona im Lager. Wer trotzdem aktiv wird, muss abspecken oder setzt auf Schichtbetrieb.

Im Schichtbetrieb mit normalerweise nur zwei Personen haben die Frauen in Pfreimd auf dem Bauhofgelände den Osterbrunnen vorbereitet. Insgesamt haben über 60 Helferinnen dabei mitgewirkt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Es klappt wirklich super", freut sich Johanna Pösl, die in Pfreimd den Aufbau einer Osterkrone plus jede Menge Deko organisiert. Insgesamt über 60 Frauen sind in die aufwendigen Arbeiten mit Streu und Eiergirlanden eingebunden. In diesem Jahr dürfen nur wenige aufeinandertreffen. "Alle zwei Stunden kommen zwei neue und übernehmen", schildert Pösl den Schichtbetrieb auf dem Gelände des Bauhofs. Trotz der Kälte wird hier auf dem Freigelände des Bauhofs Zweig für Zweig mit grünem Draht um das Metallgerüst geschlungen. Erst dann folgen die Ketten mit den bunten Eiern. Zusätzlich sind noch Bögen für die Tröge neben dem Brunnen zu schmücken.

Erst wenn die Krone komplett ist, wird sie von Bauhof-Mitarbeitern an den Bestimmungort in der Pfreimder Freihung transportiert und auf den Brunnen gehoben. Etwa 140 Stunden, so die Schätzung von Pösl, werden in die prachtvolle Dekoration investiert, die wegen der Infektionsgefahr heuer noch ein wenig komplizierter ist als sonst. Warum die Frauen diese Mühe heuer trotz der strengen Hygieneregeln und Beschränkungen auf sich nehmen, hat für Pösl vor allem einen Grund: "Wir haben uns für den Osterbrunnen entschieden, weil das gerade in dieser Zeit der Seele guttut."

Die Entscheidung für oder gegen einen Osterbrunnen fällt den Organisartoren in diesem Jahr nicht leicht. Meist sind es die Gartenbauvereine, die hier abwägen müssen zwischen Brauchtum und Risiko. "Wir bräuchten da mindestens 8 bis 10 Leute, da kann man nicht Abstand halten", meint Andreas Ebnet vom Obst- und Gartenbauverein Schönsee, wo die Tradition heuer pausiert. Klar hänge ganz schön viel Arbeit dran an dem Aufbau, aber mit Kaffee und Kuchen in der geselligen Runde sei es normalerweise auch eine "Mordsgaudi". Gerade dieser Part komme heuer nicht infrage, und so bleiben die Eier wie schon im Vorjahr eingelagert im Schuppen.

"Wir hatten erst vor zwei Jahren unsere Eier erneuert", berichtet Barbara Winkler vom Teunzer Gartenbauverein. "Und ausgerechnet heuer hätten wir so schöne Streu gehabt." Eigens für den Osterbrunnen habe man in der Gemeinde die Christbäume eingelagert. Bis zu 25 Personen würden unter normalen Umständen in einer großen Halle die Zweige zu Kränzen verarbeiten. "Das war immer eine Zeit fürs Ratschen, für Neuigkeiten bei Kaffee und Kuchen", seufzt sie. "Und es war immer so ein schöner Anblick, wenn der Pfarrer die Krone auf dem Brunnen gesegnet hat." Heuer gibt es nur eine Minimalversion: Kleine Kränze am Brunnen, die von den Kindern der Jugendgruppe mit ihren Betreuerinnen Daniela Kühner und Angela Schmal gefertigt wurden. "Wir haben lange überlegt", rechtfertigt Winkler die Entscheidung, "aber Corona hat Teunz schwer getroffen".

Verzicht auf Osterbrunnen 2020

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"Abgesagt" heißt es auch in Wolfring für die große Osterbrunnen-Aktion. Geplant sind lediglich eine Osterschale und zwei Osterpalmen. "Das ist wenigstens ein bisserl was", meint Obst- und Gartenbauvereinsvorsitzender Franz Ziegelmeier. Dekan Michael Hoch werde den in Einzelregie geschmückten Quellstein dann segnen. Auf eine Frühjahrs- und Osterbepflanzung setzt man beim Obst- und Gartenbauverein Dürnsricht als Ersatz für das traditionelle, große Osterei. "Die Streben für das Osterei sind nur einen Meter auseinander, zum Binden bräuchte man viele Leute auf engstem Raum", bedauert Vorsitzender Manfred Götz den Verzicht auf diese Tradition. In anderen Kommunen, wie beispielsweise Wernberg, hat sich das Brauchtum wegen des enormen Aufwands schon vor Corona erledigt.

Johanna Pösl, die seit 2014 Regie führt bei der österlichen Deko-Aktion, plant hingegen schon bis 2024, wenn ihr Zehnjähriges ansteht. "Da gibt es dann ein Rätsel: Alle sollen raten, wie viele Eier hier verwendet werden", freut sie sich jetzt schon. Damit ihr Team auch ohne die gesellige Runde mit Kaffee und Kuchen bis dahin bei der Stange bleibt, hat sie sich etwas ausgedacht: "Jeder der mithilft, kriegt ein Bschoi-Packerl mit nach Hause."

Daniela Kühner und Angela Schmal haben mit der Jugendgruppe des Teunzer Gartenbauvereins zumindest ein paar dekorative Elemente für den Brunnen geliefert.
Mehrere Kubikmeter Streu werden zu üppigen grünen Girlanden verarbeitet.
Sicherheit statt Geselligkeit: Hauptsächlich in Zweier-Gruppen arbeiten die Pfreimder Frauen heuer wegen der Infektionsgefahr an der Krone für den Osterbrunnen.

"Wir haben uns für den Osterbrunnen entschieden, weil das gerade in dieser Zeit der Seele guttut."

Johanna Pösl

Johanna Pösl

Ein bisschen frisches Grün, gelbe Eier und Schleifen: So hat man in Teunz das Problem mit dem osterschmuck in Zeiten von Corona gelöst.
Hintergrund:

Osterbrunnen: Eine Erfindung des Tourismus

  • Ursprung: vermutlich um 1900 entstanden in der Fränkischen Schweiz, seit den 1980er Jahren auch in weiten Teilen Süd-, Mittel- und Ostdeutschlands verbreitet.
  • Form: Die Anordnung der Ostereier erinnert meist an die Form einer Krone und wird deshalb auch Osterkrone genannt. Nicht immer wird damit ein Brunnen verziert.
  • Rekorde: 2001 schaffte der mit handbemalten Eierschalen geschmückte Brunnen im fränkischen Bieberbach einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. 2005 toppte Sulzbach-Rosenberg den Rekord mit 16.500 Eiern. Inzwischen wurde diese Zahl längst übertroffen.
  • Forschung: Touristische Ziele gelten nach neuerer Forschung als Motiv für die Brauchtums-Neuschöpfung des späten 19. oder frühen 20. Jahrhunderts. Stichhaltige Belege für heidnischen oder mittelalterlichen Ursprung der Osterbrunnen gibt es laut Wikipedia nicht.

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