09.06.2021 - 17:17 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pandemie für Schönheitskur genutzt: Klause auf dem Eixlberg öffnet in kleinen Schritten

Der Wolpertinger am Schuppen schielt schon Richtung Emmausklause. Seit einem halben Jahr ist das Gebäude auf dem Eixlberg bei Pfreimd eine Baustelle. Jetzt hat dort der Endspurt begonnen.

OWV-Vorsitzender Josef Hösl und Michael Duschner (von rechts) sind begeistert von der neuen Holztür, die am Mittwoch rechtzeitig zur Saison auf dem Eixlberg von der Schreinerei Biller angeliefert wurde.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Nach weit über einem halben Jahr heißt es am Donnerstag heute wieder „Prost“ im Biergarten auf dem Eixlberg. Der Oberpfälzer Waldverein (OWV) Pfreimd hat die Corona-Pandemie für Umbau und Sanierung des beliebten Ausflugsziels genutzt, in dem bis vor einigen Jahrzehnten ein Einsiedler logierte. In der engen Gaststube war Abstand ohnehin kaum möglich, und so war das gemütliche Beisammensein für sechs Monate dem harten Arbeitseinsatz gewichen. Inzwischen wird sichtbar, wie sehr sich die Plackerei gelohnt hat.

„In einer halben Stunde kommt die neue Haustüre, das ist ein Prachtstück“, schwärmt OWV-Vorsitzender Josef Hösl am Mittwoch. Seit einem halben Jahr fungiert er in der Emmausklause zusammen mit Michael Duschner quasi als Bauleiter. Der 70-jährige Banker im Ruhestand und der 69-jährige frühere Außendienstler im Baustoffhandel sind hier fast jeden Tag im Einsatz, um sich den Herausforderungen eines sanierungsbedürftigen Altbaus zu stellen.

„Eine Hundsarbeit“

„Das hier war mal eine Strohdecke, die rauszureißen, das war eine Hundsarbeit“, sagt Hösl mit stolzem Blick auf die jetzt sichtbaren, massiven Deckenbalken im Treppenhaus. Das war nicht die einzige Schwerstarbeit, die es „auf dem Berg“ zu bewältigen gab. Zum Trockenlegen des Gebäudes musste allein im Eingangsbereich eine 70 Meter tiefe Schicht aus Schutt und Humus entfernt werden. „Schaufel für Schaufel und Schubkarren für Schubkarren“, merkt Duschner an, während er mit dem Stemmeisen fachmännisch den alten Türrahmen aushebelt. Im gesamten Treppenhaus wurde der alte Putz abgeschlagen, die baufällige Treppe durch eine neue aus solidem Eichenholz ersetzt. Nur das Geländer fehlt noch, weil oben, wo dekoratives Fachwerk zum Vorschein kam, erst noch neue Bodendielen verlegt werden sollen. „Das Fachwerk haben wir mit der Stahlbürste freigelegt, das war viel Arbeit“, berichtet Hösl. Liebe zum Detail spricht aus den ausgesparten Stellen, die einen Blick auf alte Bruchsteinmauern freigeben. „Nicht einfach, hier elektrische Leitungen zu verlegen“, meint der OWV-Vorsitzende mit einem Lob auf die dafür zuständige Firma Hägler.

Ein dekoratives Holzgitter schafft im Treppenhaus eine Verbindung zum ältesten Teil der Klause, der laut Hösl gut 500 Jahre hinter sich hat. „Da war früher mal ein Fenster, aber im gesamten Bereich ist immer wieder angebaut worden“, berichtet er aus der Geschichte das Bauwerks. Was es an historischen Dokumenten gibt, will der Vorsitzende, wenn alles fertig ist, in Bild und Text ebenfalls im Treppenaufgang verankern. Bis dahin liegt noch ein gutes Stück Arbeit vor dem OWV-Team.

Rund 70 Helfer

Ganz ohne Fachkräfte kam das Heer mit insgesamt rund 70 Helfern bei dieser Baustelle nicht aus. Zimmerer- und Schreinerarbeiten, das Verlegen von Strom- und Wasserleitungen und der neue Boden mit „garantiert Oberpfälzer Granit aus Thanstein“ machten den Einsatz von Profis erforderlich. Die Kosten dafür will der Verein ganz ohne Zuschüsse aus eigener Tasche stemmen. Was schon jetzt an Arbeitskraft der OWV-Mitglieder in dem Bau steckt, hat Hösl nicht gezählt. Er rechnet nach: „4000 Arbeitsstunden reichen nicht.“ Die alte Haustüre, die jetzt entsorgt werden kann, hat er im letzten halben Jahr so etwa 50 Mal ausgehängt, um Platz zu schaffen für Transport und Arbeitsgerät.

Für Gäste wird die neue Haustüre, die am Mittwoch von der Schreinerei Biller angeliefert wurde, aber wegen Corona noch eine Weile verschlossen bleiben. In kleinen Schritten will der OWV wieder auf eine Bewirtung zusteuern, sicherheitshalber nur im Biergarten und vorläufig auch nur an Donnerstagnachmittagen. Premiere ist an diesem Donnerstag: ein perfekter Tag auch für das Kastanienfest. Unter den roten Blüten des Baumes stehen neben dem frisch gemähten Gras neue Bänke und Tische bereit. Die feierliche Eröffnung allerdings wollen sich die Akteure auf der Baustelle für die Zeit nach der Pandemie aufsparen: „Das möchten wir dann richtig feiern mit allen Helfern, ohne Maske und Einschränkungen.“

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Das möchten wir dann richtig feiern mit allen Helfern, ohne Maske und Einschränkungen.

OWV-Vorsitzender Josef Hösl zum Abschluss der Sanierung in der Klause

OWV-Vorsitzender Josef Hösl zum Abschluss der Sanierung in der Klause

Hintergrund:

Oberpfälzer Waldverein Pfreimd

  • Aufgabe: das Wissen und Bewusstsein um die Oberpfälzer Heimat fördern und alles zur Erhaltung der heimatlichen Natur, wie zur Verschönerung der Landschaft und der Orte tun.
  • Praxis: Pflege, Wartung und Bewirtung in Emmausklause und umgebenden Gebäuden plus Wallfahrtskirche St. Barbara, außerdem Aufstellen und Pflege von Nistkästen und Bänken rund um den Eixlberg, Wegebeschilderung.
  • Mitglieder: Rund 700 Mitglieder, zweitstärkster Verein in Pfreimd, stärkste Ortsgruppe unter 52 OWV-Gruppen in der Nordoberpfalz.
  • Historisches: Die Emmausklause, das ehemalige Mesnerhaus, wurde wahrscheinlich lange vor der benachbarten Kirche St. Barbara erbaut, also vor 1700. Seit 1975 wird die Klause durch den OWV genutzt, ehrenamtliche Mitglieder übernehmen die Bewirtung.
  • Öffnungszeiten: Normalerweise Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonn- und Feiertagen 14 bis 19 Uhr (aufgrund der Corona-Pandemie aktuell aber noch geschlossen; lediglich der Biergarten neben der Klause ist als erster Schritt hin zu einer Öffnung am Donnerstagnachmittag bewirtschaftet)
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