18.06.2021 - 14:44 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pfreimder Nachwuchsschützen lassen es nach Lockdown wieder krachen

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In regelmäßigen Abständen kracht ein Schuss. Voll konzentriert feuern fünf Pfreimder Nachwuchsschützen auf die Zielscheibe. Trotz langer Trainingspause haben sie nichts verlernt. Nur die Klamottenwahl dauert länger.

Die anfänglichen Zweifel sind weg: Auch beim zehnjährigen Leon (im Vordergrund) klappt es ganz gut mit der ersten Schießsport-Trainingseinheit nach sieben Monaten Pause.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Schau dir mal die Ärmel an!", sagt Jugendleiterin Karin Ruhland von den Pfreimder Stadtschützen und lacht. Die Schießjacke des 16-jährigen Sebastian sieht aus, als wäre sie mehr als nur eine Nummer zu klein. Lange her, dass er darin einen Schuss auf die Zielschiebe abgegeben hat. Es ist das erste Training der Pfreimder Jungenschützen nach der coronabedingten Zwangspause. Voll motiviert sind die Nachwuchstalente jetzt an den Schießstand zurückgekehrt. "Ist auch Zeit geworden", sagt der Vorsitzende des Schützenvereins, Rudolf Schreyer, der bislang noch keine Verluste bei den Mitglieder ausmachen konnte. Zumindest bei der Jugend wollen alle zwölf Schützen auch nach der Zwangspause durch Corona bei der Stange bleiben.

"Von März bis Juni ging im vergangenen Jahr nichts, und Ende Oktober mussten wir dann wieder zusperren, das sind jetzt sieben Monate Pause", rechnet die Jugendleiterin nach. Als sie nun ihre Schützlinge mit dem Re-Start kontaktierte, gab es "Daumen hoch" von der kompletten Gruppe. "Die Eltern haben sich wahrscheinlich sogar noch mehr gefreut", schmunzelt Ruhland angesichts entsprechender Kommentare von "super" bis "genial". Einige fehlen dann doch beim ersten Training, weil auch die Feuerwehr wieder loslegen darf und zeitgleich eine Übung stattfindet. Aber das hat auch Vorteile. Denn die Hygiene-Regeln schreiben größere Abstände vor, und so soll zwischen den einzelnen Stellungen jeweils ein Platz freibleiben.

Schon vor dem offiziellen Beginn um 18 Uhr krachen die ersten Schüsse mit dem Luftgewehr. Auf dem großen Monitor im Vorraum tauchen die Ergebnisse auf. "Gar nicht so schlecht", freut sich die Jugendleiterin. Der zehnjährige Leon blickt als jüngster in der Runde eher in Richtung seiner Vereinskameraden, die schon fleißig das richtige Zielen üben. Er muss sich noch etwas gedulden, bis ein Platz frei wird und kann sich deshalb überlegen, was er in der Zeit des Lockdowns mehr vermisst hat, die Schule oder den Schießsport. "Die Schule hab' ich gar nicht vermisst", gesteht der Viertklässler. Seine Mutter ist auch froh, dass nun Schluss ist mit der unfreiwilligen Rolle als Ersatz-Lehrerin. "Endlich wieder ein bisserl Normalität", kommentiert sie die neuen Freiheiten.

Ganz wie in alten Zeiten läuft es noch nicht im Pfreimder Schützenheim. Das betrifft nicht nur die Anprobe der Schießjacken, die vielen in dieser langen Pause zu klein geworden sind. Die Kleidungsstücke mit der Polsterung gegen Rückstoß werden vorerst nach jedem Training mit Hygienespray behandelt, die Gewehre nach jedem Wechsel desinfiziert. Auf dem Weg zum Schießstand gilt Maskenpflicht. Erst am Platz darf die Mund-Nase-Bedeckung abgenommen werden. "Die Verhaltensregeln haben alle noch drin", meint die Jugendleiterin voller Respekt.

Ihr Stellvertreter, Sebastian Ruhland, hilft inzwischen beim Justieren der Gewehre, denn auch da erfordern längere Arme neue Anpassungen, dann muss die Schaft-Backe eben ein Stück weiter raus bei den individuell einstellbaren Vereinsgewehren. "Klar ist die erste Serie nicht mit vergangenen Erfolgen zu vergleichen", meint er mit Blick auf die fünf voll konzentrierten Schützen, denen die Routine fehlt: die exakte Beinstellung, die richtige Haltung und das Ein- und Ausatmen im Rhythmus mit der Bewegung. "Man merkt schon, dass man aus der Übung ist", meint der 14-jährige Matthias der neben der sportlichen Seite auch die gesellige im Verein vermisst hat.

Trotzdem wird auch bei diesem ersten Wiedersehen am Schießstand nicht geschwätzt. "Ohne etwas Disziplin geht es nicht", so der Erfahrung der Jugendleiterin. Voll konzentriert ist jetzt auch Leon dabei, sein Gewehr zu laden. Seine Jacke passt noch, die Ärmel sind seit dem letzten Training vor sieben Monaten noch immer hochgekrempelt, und auf einen kleinen Hocker kann er wegen seiner Größe auch noch nicht verzichten. "Meinst du, ich kann das noch?", hat er zuvor seine Mutter gefragt. "Freilich", machte sie ihm Mut – und ein Blick auf den Monitor gibt ihr Recht. "Da fallen schon die Zehner", staunt die Jugendleiterin. Auch die anderen haben ganz passable Ergebnisse. Dass draußen jeder ihre Leistung verfolgen kann, sind sie längst gewöhnt. "Da steigt die Nervenstärke", meint Schreyer. Auch dann wenn getrommelt oder angefeuert wird, "das muss ein Schütze aushalten können". Für die Wettkämpfe ist sie momentan aber nicht allzu optimistisch. "Viele werden die anvisierte Ringzahl nicht erreichen", so seine Prognose.

An diesem ersten Trainingstag aber sind die Ergebnisse zweitrangig, wer welchen Preis in dem Sortiment aus Knabberzeug und Naschereien bekommt, ist eher Glückssache. Die Jugendleiterin ist nach einer knappen Stunde Training zuversichtlich. "Es gibt wenig Ausreißer", meint sie zufrieden. Da macht es nichts, wenn der Pin fürs Einloggen ins digitale System in Vergessenheit geraten ist oder vorübergehend die Software "hängt". "Das war auch schon vor Corona ein Problem."

Umrüstung schon vor der Pandemie

Pfreimd
Mit voller Konzentration hat die Jugendgruppe der Pfreimder Stadtschützen ihr erstes Training nach dem Lockdown absolviert.
Vielen Nachwuchs-Schützen ist während der Zwangspause die Schießjacke zu klein geworden. Jugendleiterin Karin Ruhland hilft bei der Suche nach einem etwas größeren Modell.
Stellvertretender Jugendleiter Sebastian Ruhland desinfiziert die Gewehre.
Hintergrund:

Stadtschützen 1471 mit langer Tradition

  • Tradition: Die Stadtschützen 1471 Pfreimd können auf 540 Jahre zurückblicken. Das Schützenwesen galt in den Anfängen als Basis für die Wehrhaftigkeit einer Stadt.
  • Standort: 1967 startete der Bau der Schießanlage am derzeitigen Standort in der Schützenstraße im Norden der Stadt, 1976 folgte ein Erweiterungsbau. In der unmittelbaren Nachbarschaft entstand 1984 die Schießsportschule des Oberpfälzer Schützenbundes als Zentrum aller Sportschützen.
  • Training: Am Donnerstag um 18 Uhr für die Jugend, 20 Uhr Erwachsene.
  • Höhepunkt: Austragung der "Deutschen Meisterschaft Feldbogen" im Jahr 2011.

 

 

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