07.08.2019 - 15:26 Uhr
PfreimdOberpfalz

"Ramadama" am Knotenpunkt

Zentral, großzügig und modern: So präsentiert sich in den 50er Jahre der Neubau, der sich an die alte Eisenwarenhandlung Haas in Pfreimd schmiegt. Nicht mehr lange. Im Herbst kommt der Abriss - und eine problematische Straßensperrung.

Der neuere Komplex der früheren Eisenwarenhandlung Haas wird in den Herbstferien abgebrochen. Dazu muss die Leuchtenberger Straße für einige Tage gesperrt werden.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein ehemals kleines Imperium macht nach einer Phase des Leerstands Platz für den Verkehr. Denn die viel frequentierte Haas-Kreuzung war für viele Lkw nicht einfach zu meistern. "Die Fahrer mussten über die Fahrbahn des Gegenverkehrs ausholen, um über die Kurve zu kommen", erläutert Bürgermeister Richard Tischler. Auch unmittelbar nach dem Abbiegevorgang erstreckte sich das Manöver auf die Fahrbahn des entgegen kommenden Verkehrs. Ursprünglich hatte der Stadtrat im Zuge des geplanten Abbruchs einen Kreisverkehr anvisiert, doch für den reichte der Platz nicht aus. "Es gibt zwar auch kleinere, überfahrbare Kreisel, doch die werden nicht mehr gefördert", informiert der Bürgermeister.

Da hier aber eine Staats- und eine Kreisstraße aufeinander treffen, habe man sich für die Minimal-Lösung entschieden. Und noch eine Variante schied aus: "Eine großzügige Ampelanlage hätte und den ganzen Eingang verschandelt." Die neu gewonnene Fläche wird allerdings nicht nur der Straße zugeschlagen, ein Teil kommt auch für Parkplätze oder eine kleine Grünanlage infrage.

Abbruch erst im Herbst

Doch bevor es an die Straßengestaltung geht, muss erst noch das stattliche Gebäude weichen, nach dessen Besitzer Ulrich Haas die Kreuzung auch "Haas-Kreuzung" heißt. Eigentlich war der Abbruch des Anwesens bereits für die Sommerferien vorgesehen, auf jeden Fall sollte zunächst das Feuerwehr-Jubiläum mit Festzug von einer Baustelle verschont werden. "Aufgrund der umfangreichen verkehrsrechtlichen Sperrung hat sich das alles verzögert", berichtet Bernhard Baumer, Geschäftsleiter der Stadt Pfreimd. Er geht davon aus, dass die Kreuzung zumindest für den Abriss des Giebels komplett gesperrt werden muss. Blockiert wäre damit auch die sogenannte Bedarfsumleitung, die bei einer Sperrung der Autobahn 93 herhalten muss. "Später kommen wir dann vielleicht mit einer halbseitigen Sperrung der Leuchtenberger Straße aus", hofft Baumer. Er rechnet damit dass der gesamte Abriss etwa drei bis vier Wochen dauert, die Ausschreibung der erforderlichen Arbeiten läuft.

Immerhin hat der Bauhof schon etwas vorgearbeitet, um den Komplex zu entkernen. "Da gibt es allerdings auch einige Altlasten", berichtet der Verwaltungsleiter und verweist auf so manche "Sünde" beim Ausbau des Hauses, der teilweise in den 60er Jahren erfolgte. Zu entsorgen ist da beispielsweise auch ein Heizöltank, der inzwischen ordnungsgemäß geleert wurde.

Kreative Zwischenlösung

Jetzt schon verschwunden sind die "Einzelstücke", die fünf Jahre lang in den Schaufenstern des Gebäudes die Blicke auf sich zogen. Kreative Köpfe aus Pfreimd hatten dafür gesorgt, dass die tristen Fenster für ein paar Wochen das künstlerische und handwerkliche Potenzial der Stadtbewohner widerspiegeln konnten.

Die alten Mauern werden jedenfalls auch ein Stück Erinnerung mit sich nehmen, sei es an Töpfe, Pfannen oder ein Kaffeeservice im Schaufenster oder an "Irritationen mit den örtlichen Behörden". Die macht Helmut Friedl vom heimatkundlichen Arbeitskreis in der Zeitschrift Stadtturm (Jahrgang 31/2015) für einen Schriftzug verantwortlich, der einst nach der Walpurgisnacht den Neubau zierte: "Der Uli baut ein neues Haus, für den Putz reicht's nicht mehr aus." Erst Jahre später, in den 70ern, wurde das Haus dann tatsächlich verputzt, hat Friedl recherchiert. Etwas dauern wird wohl auch die Straßengestaltung nach dem Abriss: wie lange, das hängt dann vor allem vom Straßenbauamt ab.

Denkmal mit neuer Funktion:

Denkmal mit neuer Funktion

Während das Haas-Haus direkt an der Kreuzung abgerissen wird, behauptet sich das unter Denkmalschutz stehende wesentlich ältere Gebäude in der Leuchtenberger Straße. Das Einzeldenkmal soll nach einer Sanierung Platz bieten für drei Gewerbeeinheiten und eine Wohneinheit. Sollte dort beispielsweise eine Praxis oder Gastronomie einziehen, dann könnte vielleicht auch die alte Theke samt Original-Schrankwand der ursprünglichen Eisenwarenhandlung mit unzähligen Schüben als dekorativer Teil der Inneneinrichtung neu zur Geltung kommen. Einen Teil der Gegenstände aus dem Traditionsgeschäft bekommen Interessierte vielleicht später im Museum zu Gesicht, Forscher könnten im Archiv der Stadt fündig werden. Details zur Geschichte der Kaufmannsfamilie bietet der "Stadtturm", eine Veröffentlichung des heimatkundlichen und historischen Arbeitskreises Pfreimd (Jahrgang 31/2015).

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.