09.08.2019 - 16:39 Uhr
PfreimdOberpfalz

Sterneküche mit Safari-Kost

Der Eintopf mit Termiten-Eiern hätte einen Michelin-Stern verdient. Doch noch hat kein Restaurant-Tester die Großküche auf dem Gleiritscher Camping-Platz entdeckt. Sie bleibt ein Geheimnis der Pfreimder Ministranten.

Die Ministranten lassen sich nicht lange bitten, wenn es ums Essenholen geht. Erst wenn alle an der Reihe waren, gibt es Nachschlag vom "Safari-Topf".
von Monika Bugl Kontakt Profil

Nur eine dünne Stoffschicht trennt das Küchenzelt der Pfreimder Ministranten am Gleiritscher Kroau-Weiher von den Sternen. Gemeint sind die am Himmel, denn was hier brutzelt und brät, bekommen keine Restaurant-Kritiker zu Gesicht, sondern nur auserwählte Altardiener. Die haben sich heuer auf "Safari" begeben, und die beiden Köchinnen Monika Koch und Andrea Brunner haben ihr Menü entsprechend angepasst.

Wie klappt das, wenn man weder Mikrowelle, noch Pürierstab oder Backrohr zur Verfügung hat? "Es klappt", sagt Monika Koch und öffnet den Deckel zu einem der beiden großen Wecktöpfe, in denen pünktlich um 12 Uhr mittags schon der Safari-Eintopf für 75 Personen auf Abnehmer wartet. "Und der Nudelsalat für heute Abend ist auch schon fertig." Bleiben nur noch die Tansania-Spieße. Vom Prototyp gibt es zumindest ein Handyfoto: Ziemlich exotisch und ganz schön üppig sieht das Ganze aus, und als i-Tüpfelchen gibt es Naschwerk in Form von kleinen Schlangen obendrauf. "Fast wie im Fernsehen - Kochen mit Schuhbeck", so die beiden Frauen, die gerade eben mehr als ein Netz voller Zwiebel und fünf Kilo Fleisch in winzige Würfel geschnitten und mit zwölf Liter Tomatensauce verrührt haben. "Der Schuhbeck, der könnte hier noch was lernen", scherzen die Köchinnen.

Ausgeklügelte Logistik

"Ohne den Kühl-Anhänger von der Pfreimder Hegegemeinschaft wäre das alles nicht möglich", räumt Andrea Brunner ein, die ihren Jahresurlaub für den arbeitsintensiven Camping-Aufenthalt mit den Ministranten reserviert. Am schwierigsten sei es, die jeweiligen Mengen einzuschätzen, berichten die beiden Hobby-Köchinnen, die seit Jahren genau Buch führen, um möglichst exakt planen zu können. Zwei volle Tage Vorlauf gehen allein für den Einkauf drauf, nicht eingerechnet die Zeiten, in denen Monika Koch neue Rezepte ausprobiert, die den "Minis" schmecken könnten. Der Einkauf wird dann schon je nach Tagesmenü sortiert, damit alles schnell greifbar ist. Das Inventar der improvisierten Küche stammt weitgehend aus dem Haushalt der beiden Frauen. Der Dosenöffner darf genauso wenig fehlen wie die Grillzange.

Dann ist es erst mal vorbei mit den Auskünften, denn gleich nach dem kurzen Tischgebet ertönt quer über die Bierbänke der Ruf "Tisch drei beginnt". Jetzt geht es ganz geordnet Tisch für Tisch ran an die Töpfe. "Hier im Zeltlager schmeckt einfach alles super", berichtet der zwölfjährige Lukas, der heuer zum vierten Mal dabei ist. Während die jüngeren Ministranten die angeblichen Termiten-Eier noch etwas skeptisch beäugen, schwärmen die älteren "Safari-Teilnehmer" von der "proteinreichen" Zutat, die stark macht und wagen eine Challenge mit Tabasco. "Wehe, wenn ihr das Essen dann wegwerft!", droht Monika Koch den allzu Wagemutigen.

Während die einen noch einen Nachschlag löffeln, sind die ersten "Gäste", die heuer erstmals auch Verstärkung aus Saltendorf bekommen haben, schon beim Abspülen. Gemeindereferentin Reinhilde Bodensteiner bleibt der Job, die satten Ministranten zum Gruppenfoto zusammenzutrommeln. Das Küchenpersonal könnte jetzt Pause machen und den Beach-Volleyball-Spielern zuschauen oder einfach nur die "andere Welt" genießen in der abends die Sterne funkeln und kein Telefon klingelt.

Brösel kein Problem

Bei allem Spaß an der Arbeit im Zeltlager schwingt am Ende der vier Tage mit der kompletten Ministranten-Schar doch auch Erleichterung mit, wenn alles gutgegangen ist. "Es könnte ja auch sein, dass ein Kind allergisch reagiert", sind sich die beiden Köchinnen ihrer Verantwortung bewusst. Einen Vorteil aber hat das Kochen im Freien definitiv, weiß Andrea Brunner: "Daheim muss man sich erst wieder daran gewöhnen, dass man die Brösel nicht einfach auf den Boden wischen kann." Die Termiten-Eier sind da längst enttarnt - als kleine Silberzwiebel.

Das erste Gefäß ist schon fest leer. Was aussieht wie Gulaschsuppe, ist ein Safari-Eintopf mit "Termiten-Eiern".
Tapfer erledigen die Ministranten auch das Abspülen - ganz ohne maschinelle Unterstützung.
Monika Koch und Andrea Brunner macht es Spaß, unter ganz einfachen Bedingungen auf dem Gleiritscher Campingplatz witzige Mahlzeiten für 75 Kinder und Jugendliche zu produzieren.
Im Küchenzelt lagern Messer, Kochlöffel und Töpfe. Hinter der Wäscheleine mit den Geschirrtüchern warten die zwei Gaskocher auf ihren Einsatz, um 75 hungrige Mäuler zu versorgen.
Gemeindereferentin Reinhilde Bodensteiner (links) baut auf ein eingespieltes Team aus Gruppenleitern und Nachwuchs-Ministranten.
Info:

Handylose Zeiten

Wie schwer es ohne den Draht nach draußen ist, auch das können die "Safari-Teilnehmer" im Zeltlager erfahren. Handys sind nämlich im Zeltlager verpönt. "Das tut auch mal gut", meint Gemeindereferentin Reinhilde Bodensteiner, die bei so manchem Gruppenleiter Entzugserscheinungen ausgemacht hat - erkennbar an einer ungewöhnlichen "Tendenz zum Spazierengehen".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.