18.11.2019 - 18:42 Uhr
PfreimdOberpfalz

Strategien im Pflegefall

Was ist, wenn jemand in der Familie zum Pflegefall wird? Solche Fragen beschäftigen gerade die ältere Generation. Antworten gibt eine von Vorsitzendem Helmut Butz angestoßene Infoveranstaltung des Pfreimder Seniorenbeirates.

Die Rechtsanwältin Elke Kestler zeigte Wege auf, wie der Sozialregress abgemildert werden kann.
von Richard BraunProfil

Mit seiner Vortragsreihe zur Vorsorge im Alter traf der Seniorenbeirat den Nerv nicht nur der älteren Generation. Auch viele Jüngere setzen sich rechtzeitig mit dieser Thematik auseinander. Nach Erbrecht und Vorsorgedokumente galt es dieses Mal die Frage zu klären: Wann haften die Kinder für ihre Eltern? Auch dieses Mal waren die Vereinsräume in der Landgraf-Ulrich-Halle bis auf den letzten Platz besetzt. Als fachkundige Referentin erläuterte Elke Kestler aus Cham die gesetzlichen Regularien.

Die Fachanwältin für Erbrecht ist fast täglich mit der Materie befasst. Sie machte an einem fiktiven Fall die Gesetzeslage deutlich. Eine Person wird zum Pflegefall und kommt ins Pflegeheim, das dafür 3500 Euro im Monat in Rechnung stellt. Die Rente der betroffenen Person und das Pflegegeld decken zusammen aber nur 2400 Euro. Es bleibt eine Deckungslücke von 1100 Euro, die von der zu pflegenden Person getragen werden muss.

Ist das Sparbuch aufgebraucht, übernimmt das Sozialamt den Betrag. Dieses leitet die Unterhaltsansprüche an die Kinder weiter. Das Sozialamt muss jetzt klären, welches der Kinder wie viel zu bezahlen hat. Hier ist nicht nur das Einkommen der Kinder maßgebend. Die Regressansprüche des Sozialamtes leiten sich auch aus früheren Schenkungen, Unterhaltsansprüchen gegen Ehepartner, Ansprüchen aus Übergabeverträgen oder der sozialrechtlichen Erbenhaftung ab.

Aus Furcht vor dem Zugriff der Sozialbehörde im Pflegefall vererben viele Eltern ihr Vermögen schon frühzeitig an ihre Kinder, was sie später oft sehr bereuen. "Die Sozialbehörde kann niemand zwingen, Haus und Hof zu verkaufen", ist die doch eher beruhigend wirkende Aussage der Rechtsexpertin.

Die beste Vorsorge ist laut Elke Kestler die private Pflegezusatzversicherung. "Mit Blick auf die bestehende Rechtslage wäre eine solche Versicherung das ideale Taufgeschenk", lautete der durchaus ernst gemeinte Ratschlag.

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