17.01.2020 - 14:27 Uhr
PfreimdOberpfalz

Süd-Ost-Link: Mammutprojekt nimmt Konturen an

Führt der Süd-Ost-Link über mein Grundstück? Das ist die wohl meistgestellte Frage am Donnerstagnachmittag in der Pfreimder Landgraf-Ulrich-Halle. Auf den Meter genau kann das auch Tennet noch nicht sagen.

Zum Tennet-Bürgerforum zum Süd-Ost-Link in der Landgraf-Ulrich-Halle am Donnerstag waren potenziell betroffene Eigentümer persönlich geladen. Aber auch weitere Bürger informierten sich.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Langsam wird's konkret, was die Trasse des Süd-Ost-Links (SOL) durch den nördlichen Landkreis bis zur Linie Döllnitz-Untersteinbach angeht. Die Bundesnetzagentur hat den 1000 Meter breiten Trassenkorridor festgelegt, in dem die Gleichstromleitung als Erdkabel verlegt werden muss. Netzbetreiber Tennet hat in diesem Korridor seine Vorstellungen vom Trassenverlauf festgelegt. Diese Grobtrassierung ist als gepunktete Linie auf den Karten zu sehen, die am Donnerstag beim Bürgerforum aushängen. Und auf den digitalen Karten auf den großen Touch-Screens, um die sich die Bürger schnell gruppieren. Das "Web-GIS" ist für jedermann abrufbar.

Torsten Grampp ist einer der Referenten von Tennet, die Auskunft geben. Wem ein Grundstück in einem 50 Meter breiten Streifen entlang der künftigen Leitung gehört, wurde persönlich eingeladen. Die gepunktete Linie stellt letztlich eine rund 100 Meter breite Möglichkeit dar, wo die Leitung liegen wird. Eineinhalb bis zwei Meter tief, mit 20 Meter Schutzstreifen. "Wir versuchen, Waldflächen so wenig wie möglich zu zerschneiden", sagt Grampp. Die Karte belegt das: Der SOL schlängelt sich an Waldrändern entlang. Wo es durch größere Wälder geht, orientiert sich die Trasse an vorhandenen Forstwegen.

Nördlich von Söllitz und Losau hat Tennet mittlerweile einen Verlauf weiter westlich erarbeitet, um Bäche und Teiche zu meiden. In Weihern ist die Trasse etwas weiter von der Ortschaft nach Norden gerückt, immer noch relativ dicht an einem Anwesen vorbei. Nördlich von Pfreimd rückt der SOL nahe an das Wasserschutzgebiet der Stadt heran. "Wir schneiden es nicht", sagt Grampp, die Trasse liege aber im Wasser-Einzugsgebiet. Die Stadt befürchtet dennoch Auswirkungen und hat dies auch schon mehrfach geltend gemacht. Wie das Gebiet geschützt werden kann, wird wohl ein Thema im Planfeststellungsverfahren sein.

Das strebt die Tennet nun an, will die Unterlagen für den Abschnitt C2 von Marktredwitz bis Pfreimd noch im Januar bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) einreichen. Nach der Prüfung der Vollständigkeit werden die Pläne veröffentlicht, bei Antragskonferenzen ist eine erste Beteiligung möglich.

Dann legt die BNetzA einen Untersuchungsrahmen fest, eine Art "Hausaufgabenheft" für Tennet. Dann folgt eine weitere Auslegung mit der Möglichkeit zur Stellungnahme, ein Erörterungstermin und schließlich der Planfeststellungsbeschluss. Vor Ende 2022 dürfte der kaum stehen.

Rund einen Kilometer südlich des Autobahnkreuzes wird der SOL die A 93 unterqueren. In geschlossener Bauweise: Im Bohrspülverfahren wird die Leitung verlegt. Dieser Abschnitt wird eine Herausforderung für die Planer, soll die Leitung hier doch unter die A 93, eine Bahnlinie, die Staatsstraße Pfreimd-Wernberg-Köblitz und die Naab hindurch tauchen.

Wo es Probleme gibt, strebe Tennet konstruktive Lösungen mit den Grundstückseigentümern an, sagt Grampp. Ziel des Netzbetreibers ist es natürlich, mit möglichst wenigen Einwendungen durch das Verfahren zu kommen. Wenn die Trasse nun endgültig flurstücksgenau festgelegt wird, wird die Tennet Einzelgespräche mit den Eigentümern suchen. Dann wird es natürlich auch ums Geld gehen. Auch der Ablauf des Entschädigungsverfahrens interessiert viele Eigentümer, die sich am Donnerstag an die Referenten wenden. Grundsätzliche Kritik an dem Vorhaben ist kaum zu hören.

Die Karten und der genaue Verlauf des Trassenkorridors sind im Netz zu finden. Die Seite des Netzbetreibers: www.tennet.eu/de/

suedostlink. Das Geo-Informationssystem mit der Grobtrassierung des Süd-Ost-Links samt möglicher, kleinräumiger Alternativen hierzu ist unter der Adresse https://gis.arcadis.nl/age_prod/SuedOstLink zu finden.

An den großen Bildschirmen konnten sich Eigentümer informieren. Im momentanen Planungsstadium ist auch schon zu erkennen, durch welche Flurstücke der Süd-Ost-Link voraussichtlich führen wird.
Torsten Grampp stand als einer der Tennet-Referenten an den Touchscreens Rede und Antwort.
Der Süd-Ost-Link (gepunktete Linie) soll nördlich des Pfreimder Wasserschutzgebiets (blaue Fläche) vorbei führen. Damit ist die Stadt nicht einverstanden.

Das Web-Informationsportal zum Süd-Ost-Link:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.