19.03.2019 - 16:12 Uhr
PfreimdOberpfalz

Theater kann ein Leben verändern

Der Künstlerische Leiter des OVIGO-Theaters, Florian Wein, erzählt von Bühnenangst, Heimatsuche und der neuen Spielsaison 2019.

OVIGO-Regisseur Florian Wein freut sich über die jüngste Nominierung seines Ensembles: Das 2017 aufgeführte Stück „Mein Freund, der Schrank“ ist Anwärter auf den renommierten „Papageno-Award“.
von mvsProfil

Vor 40 Jahren gründete der Oberviechtacher Kunstlehrer Wolfgang Pöhlmann ein Schultheater, das schnell überregionale Beachtung fand. Als der Lehrer seine Laufbahn beendete und auch sonst niemand aus der Truppe mehr zur Schule ging, gründete sich 2012 das „OVIGO-Theater“. Der Name ist eine Hommage an den Ursprung am Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach. Seit 2014 spielt das Theater unter der Künstlerischen Leitung von Florian Wein.

ONETZ: Wie bist Du zum OVIGO gekommen?

Florian Wein: 2009 meinte eine Freundin, ich solle mal zur Probe mitkommen, Männer wären rar, und so hatte ich gleich meine erste Rolle. Mich hat ein Monstermonolog in den „Troerinnen des Euripides“ von Jean Paul Sartre angefixt.

ONETZ: Was macht das Theaterspielen so besonders?

Florian Wein: Im Theater ist alles ganz und gar in einem Moment. Du kannst nichts wiederholen, Dich nicht korrigieren und jede Vorführung ist anders. Bei uns sowieso, weil wir auf so unterschiedlichen Bühnen auftreten. Diese Unberechenbarkeit kann Angst machen, wenn man darüber nachdenkt, aber wenn man sich einfach hineinwirft, ist es ein großartiges Erlebnis, immer wieder aufs Neue.

ONETZ: So geht es Dir, aber es gibt doch bestimmt auch Schüchterne.

Florian Wein: Klar, und für manche ist es auch wirklich nichts. Aber ich erlebe immer wieder, dass das Theaterspielen Menschen liegen kann, die selbst nie damit gerechnet hätten. Wir hatten einen Vater, der anfangs nur sein Kind gebracht hat, dann – weil Not am Mann war – hinter der Bühne mitgeholfen hat. Ihm war es anfangs fremd, dass wir einander nach der Aufführung erleichtert in die Arme fallen, und generell, wie herzlich und emotional es im Theater zugeht. Mittlerweile stand er selbst auf der Bühne und Du erkennst kein bisschen mehr, dass er innerlich einen so weiten Weg gegangen ist. Man kann sagen, dass das Theater auch ein Leben verändern kann.

ONETZ: Wie nehmt Ihr Interessierten, die gern die selbe Erfahrung machen würden, ihre Bühnenangst?

Florian Wein: Wer zu uns kommt, ist ja schon so weit, dass er diese Angst überwinden will, denn zum Vorspielen und -sprechen gehört schon eine große Portion Mut. Das ist der größte Schritt. Wer schnuppern möchte, ist bei unserem Theater-Training bestens aufgehoben, denn dort kann man sich ausprobieren und uns kennenlernen. Da kommt es vor, dass gestandene Männer hecheln und junge Mädchen Frauen trösten, die ihre Großmutter sein könnten. Wir sprengen die Komfortzone, und manche wollen das immer wieder erleben.

ONETZ: Wie alt sind Eure Ensemble-Mitglieder?

Florian Wein: Das jüngste Mitglied ist 4 Jahre alt, der älteste 74. Wenn man den Durchschnitt aus allen aktuell 120 „OVIGOs“ errechnet, sind wir knapp unter 30. Man muss aber nicht auf die Bühne, um dabei zu sein. Wir freuen uns auch über neue Vereinsmitglieder, Logistiker und natürlich Publikum!

ONETZ: Wo tritt das OVIGO auf?

Florian Wein: Uns zeichnet aus, dass wir auf unterschiedlichsten Bühnen spielen. Die bisher kleinste war ein Lüftungsraum im Donaueinkaufszentrum, wo 25 Personen im Publikum Platz nehmen konnten. Wir sind aber auch in der Schwarzachtalhalle aufgetreten und suchen immer nach besonderen Orten. Wir gastieren da, wo wir willkommen sind.

ONETZ: Was ist aktuell in Planung?

Florian Wein: Das Kinder-Musical „Pippi Langstrumpf“ unter der Regie von Theresa Weidhas kam so gut an, dass wir es am 29. und 30. Juni um 13.30 Uhr und 16.30 Uhr nochmals als Open-Air auf Schloss Burgtreswitz aufführen werden. „A Clockwork Orange“ führen wir im Mai und Juli in Regensburg, Neunburg und Pfreimd auf, in Waldsassen in der denkmalgeschützten Glashütte Lamberts und in Oberviechtach als Late-Night-Special in der Gärtnerei Baumer. Und im Herbst präsentieren wir an mehreren Schauspielorten ein „Dinner mit Killer“, bei dem ein dreigängiges Menü und eine live gespielte Kriminalgeschichte geboten sind. Nicht mal die Schauspieler kennen deren genauen Ablauf, weil manche Hinweise direkt vom Publikum kommen werden. Improvisation ist unsere Stärke.

Hintergrund:

Auf der Suche nach einer neuen Heimat

Die Truppe des OVIGO-Theaters probte bisher in seinem „Geburtsort“ Oberviechtach, seit 2017 auch in Pfreimd, ist aber auf der Suche nach einer neuen Heimat für sich und den „Larifari“ – den 2016 eingeheimsten Bayerischen Amateurtheaterpreis. „Wir sind dem Pfreimder Bürgermeister Richard Tischler sehr dankbar dafür, dass wir unser Equipment in der Tiefgarage der Landgraf-Ulrich-Schule lagern und in den Räumlichkeiten der Schule proben können“, bedankt sich Regisseur Florian Wein. „Wir sind gern dort, würden aber mindestens ebenso gern in einem Raum proben können, wo auch einmal etwas stehen bleiben darf, weil ihn außer uns keiner nutzt – deshalb sind wir auf der Suche.“ Wonach? „Optimal wäre, wenn wir für alles eine Heimat fänden: Fundus und Büro, eine Probenbühne, eine Werkstatt und vielleicht sogar einen Saal mit Bühne, die wir für Aufführungen nutzen können.“ Wer etwas weiß, Karten buchen möchte oder das Ensemble für einen besonderen Auftritt, beispielsweise im Betrieb, buchen möchte, erreicht das OVIGO-Theater über Facebook, Instagram und Youtube sowie auf der Homepage www.ovigo-theater.de und unter Telefon 0160/96227148. (mvs)

Mehr als 4.000 Zuschauer sahen bisher das Kinder-Musical "Pippi Langstrumpf". Zwei zusätzliche Aufführungen sind geplant.
Das OVIGO bringt den von Stanley Kubrick verfilmten Theater-Klassiker "A Clockwork Orange" auf Oberpfälzer Bühnen.
Daumen drücken: Sowohl in der Kategorie „Beste Produktion“, als auch die darstellenden „OVIGOs“ Leonhard Lippert, Lena Biegerl, Anna Klepser, Lisa Reitinger, Lena Putzer und Leon Roiger, wurden für „Mein Freund, der Schrank“ für den internationalen „Papageno-Award“ nominiert.
Der „Larifari“, seit 2016 „Mitglied“ des OVIGOs, sucht eine neue Heimat, wo die Truppe dauerhaft Platz und Ruhe findet.
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