„Der König war schwermütig, das Bier noch dunkel, die Menschen typisch, die Burschen schneidig, die Dirndl sittsam und die Honoratioren ein bisserl leger. Es war halt noch vieles in Ordnung damals. Denn für Ordnung und Ruhe sorgte die Gendarmerie und für die Gerechtigkeit das Königliche Amtsbericht“. Mit diesem Auszug aus der bekannten Fernsehserie stieg Martin Dallmeier in seinen Vortrag, überschrieben mit „Das Leben in der Oberpfalz im 19. Jahrhundert“ ein.
Der frühere Archivdirektor und Leiter des Zentralarchivs war auf Einladung des Heimatkundlichen Arbeitskreises „Der Stadtturm“ nach Pfreimd gekommen und zeigte in seinem Vortrag im Bürgersaal die Lebensverhältnisse in Pfreimd und Umgebung um das Jahr 1860 auf. Grundlage der Darlegungen des Referenten waren vor allem diverse Physikatsberichte, die teils sehr umfangreiche Erhebungen über Hygiene und Lebensgewohnheiten beinhalten.
Im Physikatsbericht Nabburg geht Tobias Mayer auch auf die ärztliche Versorgung ein. Diese wird sichergestellt durch Ärzte, einem Chirurgen, mehrere Bader und Hebammen. Zwei Krankenanstalten, jeweils eine in Nabburg und Pfreimd, stehen zur Verfügung. In Pfreimd sind es zwei Zimmer im obersten Stock des Armenhauses. Die Pflege und Verköstigung der Kranken obliegt dem Hausmeister.
Wurde die Bevölkerungszahl im Jahr 1803 mit 12 371 Seelen angegeben, so betrug diese 1858 bereits 18 143. Interessante Einblicke geben auch die Beschreibungen der Bevölkerung: „Das weibliche Geschlecht hat Mittelgröße, ist gut gebaut und nicht zur Fettbildung geeignet. Nase länglich, Mund kleiner als der männliche, Zähne weiß und gut. Kröpfe nicht besonders häufig. Es gibt viele Exemplare von wirklicher Schönheit“, heißt es dort. Weniger gut kommen die Männer weg: „Die Männer sind mittelgroß, ihre Gesichter sind ohne gerade hässlich zu sein nicht schön!“
Ein sehr ungesundes Wohnklima herrschte in den „Wohnstallhäusern“ mit den kleinen Fenstern und niedrigen Zimmern. Es gab nur eine heizbare Wohnstube, in der täglich für Mensch und Vieh gekocht wurde. Dort hielten sich nicht nur die ganze Familie, sondern auch Kranke, Wöchnerinnen, Hunde, Katzen, Gänse, Hühner und Spanferkel auf. Von den Wänden tropfte das Wasser und im Sommer traf man ein „Heer von Fliegen“ an. Stellvertretender Vorsitzender Hans Paulus dankte abschließend dem Referenten für den aufschlussreichen Vortrag über die Zeit um 1860.













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