22.10.2019 - 16:38 Uhr
PfreimdOberpfalz

"A wengerl geschert und grodaa"

Der Pirker Ferdinand Schönberger liest beim "Stadtturm" aus seinem Buch "Graudschaissa, Schroagoschn und Boumazzlais". Er begeistert damit die zahlreichen Zuhörer im Bürgersaal.

Ferdinand Schönberger (links) präsentierte beim Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreis "Der Stadtturm" sein Buch "Graudschaissa, Schroagoschn und Boumazzlais" einem interessierten Publikum. Der Vorsitzende Peter Egerer (rechts) freute sich, dass der Autor so gut ankam.
von Redaktion ONETZProfil

"Wenne näar hie waar" - das war einer der vielen Oberpfälzer Mundartausdrücke bei der Autorenlesung des Heimatkundlichen und Historischen Arbeitskreises "Der Stadtturm" am Freitagabend. Übersetzt heißt das das "Wäre ich doch hingegangen!" und das werden sich manche am nächsten Tag gedacht haben, denn diese Veranstaltung im gut besuchten Bürgersaal stellte sich als großer Erfolg heraus.

Vorsitzender Peter Egerer begrüßte dazu den stellvertretenden Landrat Arnold Kimmerl, Bürgermeister Richard Tischler und Ehrenmitglied Hubert Amode. Mit dem gebürtigen Pirker Ferdinand Schönberger habe man auf Vermittlung durch Hans Paulus einen authentischen und versierten Experten im Bereich der Oberpfälzer Mundart gewinnen können, so Egerer. Schönbergers Buch "Graudschaissa, Schroagoschn und Boumazzlais" bildete dann auch die Grundlage für einen kurzweiligen Dialektabend, den der Autor wunderbar mit Leben füllte.

In seiner Buchvorstellung, bei der er immer wieder die Zustimmung und Lacher der Gäste auf seiner Seite hatte, gab Schönberger ein Plädoyer für die Mundart ab. "A wengerl geschert und grodaa" treffe diese meist den Nagel auf den Kopf. Wort- und Satzbeispiele zeigten, dass Dialekt - der "angenehme Blues in der Sprache" - kurz und prägnant, poetisch und bildmalerisch, blumig und melodisch sein kann. Mundart sprechen heiße, so der Dichter Harald Grill, in der Sprache barfuß gehen. Wenn man erkenne, so hat die Großmutter gesprochen, stelle sich neben der Erinnerung auch ein Heimatgefühl ein, das angesichts der Globalisierung und Vernetzung mit wachsender Unüberschaubarkeit und Orientierungslosigkeit wichtiger denn je sei.

Im zweiten Teil befasste sich der Autor mit der Herkunft bestimmter Dialektwörter aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen, dem Lateinischen, Jenischen, Böhmischen, Italienischen und besonders dem Französischen. Nach Jahrzehnten der Verachtung komme der Mundart wieder hoher Stellenwert zu, auch in der Bildung: Dialekt mache schlau. Mundart sprechen und Schriftsprache lernen bedeute so viel wie zweisprachig aufwachsen, fördere die Denkfähigkeit durch ein ständiges Hin- und Herwechseln zwischen zwei Sprachebenen und erleichtere so das Erlernen von Fremdsprachen.

Um die Oberpfälzer Mundart im Raum Pirk gut verstehen und lauttreu nachsprechen zu können, gab Schönberger Beispiele zur Schreibung und Aussprache dreier verschiedener "a-Laute" und der für das oberpfälzische typischen Zwie- und Trilauten. Er stellte einige seiner im dritten Teil des Buches aufgeführten Exkurse in speziellere Mundartbereiche vor: das Kartenspiel "Watten" als bayerisches Pokern und hinterfotzige Pantomime, Pirker und Engleshofer Dorflitaneien als wichtige, durchaus derbe Quellen über Hausnamen sowie Lagewörter, "wohin der Pirker so fährt": oiche, undde, affe, äine, asse und iewe. Den Abschluss bildeten Gedichte und Kurztexte im Dialekt.

Die einzelnen Leseabschnitte wurden von gekonnt vorgetragenen bayrischen Weisen der Zithergruppe "Saitenklang" unter der Leitung von Brigitte Hammer umrahmt. Gerne erfüllte Ferdinand Schönberger die vielen Wünsche zur Signierung und persönlichen Widmung seiner Bücher.

Die einzelnen Leseabschnitte wurden von gekonnt vorgetragenen bairischen Weisen der Zithergruppe "Saitenklang" unter der Leitung von Brigitte Hammer (links) umrahmt.
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