13.02.2019 - 09:50 Uhr
Pfrentsch bei WaidhausOberpfalz

Vom Christmettenweg bis zum Kiesbeet

Frühere Generationen unterschieden Pfrentsch einzig in „das Dorf“ und „den Hradschin“. Dabei gibt es viele charakteristische Straßenbezeichnungen quer durch die Ortschaft.

Bei der Hauberrisser-Kapelle (im Hintergrund) zweigt von der Dorfstraße die Burkhardsriether Straße ab. Direkt beim Fachwerkhaus (rechts) liegt die Einmündung zum Dorfplatz, der sich am Ende in Zimmerschlag- und Christmettenweg aufsplittet.
von Josef ForsterProfil

Einen Bestand von mittlerweile zehn Straßen nannte Werner Duschner in der Januarsitzung des Marktrats. Damit sorgte er nicht nur bei den Betroffenen für Gesprächsstoff. Denn es gibt im Waidhauser Ortsteil viele altüberlieferte Bezeichnungen wie den Christmettenweg oder den zur Fußgängerzone ausgebauten Hammergraben.

Der Ortsteil "das Dorf" ist ebenfalls ein gebräuchlicher Begriff. Grund: der Charakter einer slawischen Gruppierung der Häuser als Runddorf vor dem Damm des einst großen Pfrentschweihers. Als Hauptgebäude nimmt das alte Forsthaus eine zentrale Stellung ein. Bis 1939 diente es den Förstern als Wohnung und Amtssitz. Die Hauberrisser-Kapelle direkt gegenüber ist mittlerweile zum Mittelpunkt des südlichen Ortsteils geworden. In Richtung Eslarn zweigt am Ortsende der Hohenschlagweg von der Hauptstraße ab.

Der Dorfplatz befindet sich hingegen einen Steinwurf weiter und hebt sich als freie unbebaute Fläche deutlich von der Bebauung ab. Dort beginnt der Zimmerschlagweg, der in Richtung Hörlmühle führt.

Die Pfreimd teilt unweit ihres Beginns Pfrentsch in zwei bis heute deutlich erkennbare Hauptteile. Beim Haus Nummer 44 begann der ehemalige Weiherdamm. Im angrenzenden Anwesen (43) war einst der Rechen für den Ablauf des Pfrentschweihers eingebaut. Dort, wo sich längst ein Garten und der Hofraum mitsamt Stadel befinden, regulierte der Rechen die Menge des Überlaufs. Durch die Jahrhunderte schwemmte das abfließende Wasser hier einen großen, weiten und tiefen Graben in den Boden. Dafür bürgerte sich bald der Name "Kiesbeet" ein, und der alte Weg nach Waidhaus führte nach der Trockenlegung durch die Mulde.

Über den Hammergraben hinter dem einstigen Schulhaus führte eine Holzbrücke. Eine Schule hatte Pfrentsch erst 1872 erhalten. Bis dahin mussten die Kinder zum Unterricht nach Burkhardsrieth. Als 1885 die Straße von Waidhaus nach Eslarn durch Pfrentsch gebaut wurde, schütteten die Bauarbeiter der Einfachheit halber die beim "Kiesbeet" und Hammergraben aufgeführten Quadermauern aus Granitsteinen einfach zu.

Bei der Brücke mündete einst der nicht mehr existierende Mühlbach in Richtung Mühlhäusl unweit des heutigen Kleintierzuchtzentrums. Der frühere Hammer zur Verhüttung von Eisenerz ist ebenso wie das Schleif- und Polierwerk längst verfallen. Das alte Schlossgebäude, von dem die Bezeichnung "Hradschin" herrührt, fiel erst im April 1950 der Spitzhacke zum Opfer.

Von den ältesten Häusern stehen noch die mit den Nummern drei und vier. Zu den älteren Gebäuden gehört auch das 1880 erbaute mit der Nummer vier. Es entstand wegen des sumpfigen Untergrunds in den "Wöhrwiesen" auf einem Querrost aus starken Tannenbalken.

Die Ortsdurchfahrt verläuft bis heute auf dem ehemaligen Weiherdamm und durchzieht in zwei großen Kurven den "Hradschin". Zwischen dem Schmidhaus bis zum alten Forsthaus war der Abschnitt schon immer die Staatsstraße, weil sie auf dem staatlichen Weiherdamm verlief. Auch wenn die Mehrzahl der Straßenzüge in Pfrentsch längst genutzte Bezeichnungen haben, finden sich diese (noch lange) nicht offiziell auf einem Straßenschild.

Als Staatsstraße bezeichneten frühere Generationen jenen Teil der Ortsdurchfahrt, weil die Strecke schon immer über den staatlichen Weiherdamm des einstigen Pfrentschweihers führt.
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