23.08.2019 - 12:46 Uhr
PirkOberpfalz

Mit 85 sattelfest auf schweren Maschinen

Motorräder sind sein Leben. Erwin Rothmaier, Jahrgang 1934, lassen die Zweiräder auch im Alter nicht los. Wenn sich andere Senioren Ruhepausen gönnen, holt der Pirker seine Honda VFR 850 aus der Garage.

Mit der goldenen Honda "Pan European" 1100 fährt Erwin Rothmaier auf seinen Touren durch die Oberpfalz. Auch die rote Honda VFR 850 gehört zum Fuhrpark.
von Walter BeyerleinProfil

Das Alter ist dem Ruheständler mit Geburtsort in Böhmen nicht anzusehen. Seine Erzählungen in der gemütlichen Essecke im schmucken Haus in Pirk könnte nicht einmal eine ABS-Bremse stoppen. Da geht Erwin Rothmaier in die Zeit nach der Volksschule zurück. Mit der Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker legte er, damals vielleicht noch ungewollt, die Basis für die spätere Leidenschaft für Motorräder, aber auch für Autos und Motoren im Allgemeinen.

Mit 18 Jahren hatte er mit einer Sachs, 98 Kubikzentimeter, sein erstes eigenes Motorrad. Der Wechsel zu einer Kfz-Firma nach Pfreimd, gleichzeitig Werksvertretung für die damaligen Motorradhersteller DKW, Horex und Adler, verfestigte das Hobby Motorrad.

Anfangs neben der Piste

Doch beim einfachen Steckenpferd beließ es Erwin Rothmaier nicht. Durch die Bekanntschaft mit Wolfgang Koch, dem „Koch Gankl“ aus Wernberg, kam er dem aktiven Rennsport nahe. Der Pirker wurde Mechaniker für den „Koch Gankl“ und dessen Rennmaschinen von Puch und Aermacchi, früher auch gefahren vom Deutschen Meister Werner Haas.

In den Jahren 1956 bis 1963 fuhr Erwin Rothmaier in der „Ausweisklasse“, heute vergleichbar mit dem OMK-Pokal, selbst Rennen auf dem Berliner Avus, dem Hockenheimring, am Trostberg und der Stuttgarter Solitude. Unabhängig davon betreute er den „Koch Gankl“ ebenfalls auf vielen Rennstrecken, die es in dieser Form heute nicht mehr gibt.

Horex und NSU

Die Liste seiner eigenen Motorräder ist lang und reicht von DKW KS 200 über eine Horex 350 und NSU Max bis zu unterschiedlichen BMW und den Hondas VRF 850 und "Pan European" 1100. Die beiden Hondas und eine BMW R 50 lässt Rothmaier alljährlich für den Straßenverkehr zu. Mit der BMW besucht er Oldtimertreffen, fährt bei den Ausfahrten mit, natürlich noch immer ehrgeizig genug, auf dem Siegerpodest dann möglichst ganz oben zu stehen. Gerade die Oldtimertreffen mit der Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben seien zum Bedauern von Michael Rothmaier mittlerweile fast eine Seltenheit geworden. „Da müssen bei jeder Kontrollstelle zwei Personen stehen, diese Leute fehlen den Vereinen“.

In Daytona am Start

Mit in das Motorradleben von Erwin Rothmaier war natürlich über viele Jahre hinweg auch Ehefrau Charlotte einbezogen. Von 1975 bis 1999 beteiligte sich das Ehepaar an der „Krauser Rallye“, die durch die unterschiedlichsten Länder in Europa führt. Dreimal war Erwin Rothmaier bei der „Tourist Trophy“ auf dem „Isle of Man“ dabei und fuhr mehrmals bei den „200 Meilen von Daytona“ und auf der „Route 66“ in den USA.

Wenn Erwin Rothmaier ins Schwärmen über vergangene Zeiten gerät, klingt auch viel Wehmut mit: Motorsportkameraden von früher hätten sich in den Motorradhimmel verabschiedet, die Treffen würden zur Seltenheit. Der rüstige Senior hat noch die Geschichte jedes gekauften Motorrads im Kopf, erzählt viel über die jeweilige Technik der heimischen Kultmarken und verhehlt auch nicht, dass er jetzt mit Vorliebe eine japanische Honda fährt.

Tipps für Harald Eckl

Nach dem Gespräch am Esszimmertisch führt der Weg um die Ecke ins Wohnzimmer. In einem hohen Glasschrank ist jeder Quadratzentimeter genutzt, um die Pokale eines Sportlerlebens ordentlich auszustellen. Da fehlt auch die BMW R 50 im Miniformat nicht. Eine Bildergalerie ziert die Kellertreppe. Die Bilder sind Beweis für das mit den Zweirädern im Laufe von Jahrzehnten Erlebte, auch die Erinnerung an liebgewonnene Motorradkollegen, vor allem auch an namhafte Motorradsportler und Rennfahrer. Dazu gehört vor allem auch Harald Eckl, einst erfolgreichster Motorradfahrer aus Region, der sich bei seinen Rennen der fachlich kompetenten Hilfe und des technischen Rates Rothmaiers sicher sein konnte.

An den Seitenwänden der Garage hat Erwin Rothmaier die Originalplakate einer Vielzahl besuchter Rennen angebracht. Lang, lang ist es her, dass der Motorradenthusiast den Benzingeruch an den Pisten geschnuppert hat. Aber die Freude an der Schönheit und der Einmaligkeit des Motorradfahrens ist für Erwin Rothmaier unvergänglich.

Info:

Bei Treffen am Start

Früher habe es im gesamten Freistaat Oldtimertreffen gegeben, später galten nur noch Motorräder von Baujahr 1950 und älter als Oldtimer, berichtet Erwin Rothmaier. Der Pirker lobt das Vohenstraußer Oldtimertreffen zu Pfingsten, weil dort auch noch Aufgaben zu erfüllen seien, um dann entsprechende Punkte zu sammeln. Bei Oldtimertreffen ist der viel gereiste Veteran mit 85 jetzt meist der älteste Teilnehmer. Eigentlich ungern, räumt er ein.

Eine kleine Bildergalerie an der Kellertreppe zeigt das Rennfahrerleben Erwin Rothmaiers.
Mit der BMW R 50 ist Erwin Rothmaier bei den Oldtimertreffen vertreten und sammelt hier die Preise ein.
Plakate von internationalen Motorradrennen zieren die Wände in der Garage. Nicht wenige der abgebildeten Rennfahrer zählte Erwin Rothmaier zu seinen Freunden.
In einem hohen Glasschrank im Wohnzimmer bewahrt Erwin Rothmaier seine Pokale auf. Mit jedem Pokal verbindet Erwin Rothmaier ein besonderes Stück Erinnerung.
Erwin Rothmaier, 85 Jahre alt und topfit, erzählt in der Essecke von seiner Begeisterung für Motorräder und den Begegnungen mit Rennfahrern und Motorsportfreunden.
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