09.11.2020 - 10:16 Uhr
PirkOberpfalz

Ferdinand Schönberger veröffentlicht zweites Mundart-Buch

"Grammatik im Oberpfälzischen?", fragt der Kollege irritiert, als er vom neuen Mundart-Buch von Ferdinand Schönberger hört. Darin konzentriert sich der Autor auf Mundart aus dem Raum Pirk und widmet der Grammatik gleich ein ganzes Kapitel.

Ferdinand Schönberger (70) präsentiert sein zweites Buch mit dem Titel "Nu mäinårå!" (Noch mehr!) über Pirker Mundart. Bebildert hat er es mit eigenen schwarz-weißen Naturaufnahmen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Video zum ersten Buch von Ferdinand Schönberger

Ferdinand Schönberger hat erneut ein Mundart-Buch geschrieben. In dem rund 200 Seiten starken Werk "Nu mäinårå! Wëi må schaa måläddå redd" konzentriert er sich wie schon in seinem ersten Buch auf Mundart aus dem Raum Pirk. Die Kultur Freunde Pirk hat er wieder als Herausgeber gewinnen können. "Es war ursprünglich nicht im Plan, dass ein zweites Buch entsteht", so der ehemalige Konrektor der Volksschule Luhe-Wildenau und der Mittelschule Pirk. Doch er habe im Wirtshaus oder bei Wanderungen mit der OWV-Gruppe Wurzelstolperer aus Rothenstadt immer wieder weitere Wörter und Ausdrücke aufgeschnappt, die er festhalten wollte. "Mundart ist charmant, boshaft und unmittelbar, gibt der Sprache erst Farbe", schreibt er in seinem Plädoyer für die Mundart im Buch. Zeitgleich zur Globalisierung gewinne Regionalität und damit auch der Dialekt an Bedeutung, was unter anderem bei Poetry Slams zu erleben sei.

Auf gut 100 Seiten listet der 70-Jährige Wörter und Ausdrücke in lautnaher Schreibung auf und übersetzt diese in Hochdeutsch – eine Schatzkiste für Mundartliebhaber, in der wohl jeder Altbekanntes, aber auch Neues finden dürfte. Aufgelockert wird der Wörterbuch-Teil wieder durch Exkurse, dieses Mal über Oberpfälzer Sprüche und Redensarten, Bauernregeln sowie Grammatik im Oberpfälzischen, der Schönberger fast 70 Seiten widmet. Dabei ist ihm bewusst, dass es unmöglich sein dürfte, die häufig uneinheitlichen Regeln festzusetzen. "Dennoch wird hier ein Versuch gewagt, freilich mit all seinen Unvollkommenheiten", so Schönberger im Buch. Das Kapitel, in dem er sich auf Ludwigs Merkles Standardwerk "Bairische Grammatik" gestützt und die Regeln auf das Oberpfälzische umgemünzt habe, solle weniger als wissenschaftliche Abhandlung als Zusammenstellung für interessierte Einheimische verstanden werden. In der Literatur hatte Schönberger keine Informationen über Oberpfälzer Grammatik gefunden.

Eine Lesung zum Buch hat Schönberger auch dieses Mal vor, doch sie kann momentan wegen der Beschränkungen zum Infektionsschutz nicht stattfinden. "Sie wird nachgeholt werden", kündigt der Autor an. Sein Buch ist direkt über ihn (Leuchtenberger Straße 12a), die Kultur Freunde Pirk (Herbert Schneider, Bergackerstraße 1 in Pirk) oder die Buchhandlung Rupprecht erhältlich.

Mundart-Quiz: Ferdinand Schönberger veröffentlicht erstes Mundart-Buch

Im Blickpunkt:

Besonderheiten der Mundart

Ein paar Besonderheiten der Oberpfälzer Mundart, die Ferdinand Schönberger in seinem Buch erklärt:

  • Die 1. Vergangenheitsform fehlt meistens. Es gibt kein "Er lachte", sondern es wird die 2. oder 3. Vergangenheit genutzt: "Äå(r) haoud glachd" (Er hat gelacht) oder "Äå(r) haoud glachd ghabbd" (Er hatte gelacht).
  • In der Mundart gibt es kein Genitiv. Der 2. Fall ist als lebendige Sprachform ausgestorben und wird umschrieben, entweder mit einem Verhältniswort und dem Dativ oder mit besitzanzeigenden Fürwörtern und dem Dativ. Beispiel: "ås/s' Wai vam Broudå(n)" oder "åm (ån) Broudå(r)n säi Wai" (die Frau des Bruders / des Bruders Frau).
  • Im Oberpfälzischen kann man in Aussage-, Frage- und Behelfssätzen sowie bei der Verneinung mit "dou" (tun) umschreiben. Beispiel: "Daou fraouche niåd lang" oder "Daou doue/dààde niåd lang fraoung" (Da frag' ich nicht lange / würde ich nicht lange fragen).
  • Eine doppelte Verneinung hebt diese nicht - wie im Hochdeutschen - auf, sondern verstärkt diese noch. Beispiel: "Iech ho koin Hungå niåd" (Ich habe keinen Hunger) oder extrem: "Bai uns haoud nu nie koinå koin Hunga niåd lai(d)n mëin" (Bei uns musste niemand Hunger leiden).
  • Es gibt drei Wörter für Beeren: 1. "-biå(r)ln", zum Beispiel "Wäibiå(r)ln" (Weinbeere), 2. "-bå", zum Beispiel "Brombå/Brambå" (Brombeere) und 3. "-bäå(rn)", zum Beispiel "Himmbäå(r)n" (Himbeeren).

Mundart ist charmant, boshaft und unmittelbar, gibt der Sprache erst Farbe.

Ferdinand Schönberger

Ferdinand Schönberger

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