02.08.2019 - 14:00 Uhr
PirkOberpfalz

Storch baut Austragshorst

Eine Bauernregel für den 24. August besagt: „Bleiben die Störche noch an Bartholomä, dann kommt ein Winter, der tut nicht weh.“ Demnach könnten sich Hermann Schwab und Ehefrau Marie-Luise noch etliche Tage an ihren Störchen erfreuen.

Foto vom 20. Juli 2019 mit den drei Jungstörchen auf dem ursprünglichen und einem der Altstörche auf dem „neuen“ Horst.
von Redaktion ONETZ Kontakt Profil

Die Vögel haben auf dem ehemaligen Dunstkamin des Gärkeller der Brauerei ihr Nest errichtet. Und das bereits zum vierten Mal hintereinander. Weißstörche nisten in der Regel jahrelang auf demselben Horst. Die beiden Altstörche begaben sich aber heuer quasi in den „Ààsdrooch“, den Austrag. Wie ein älteres Bauernehepaar bei der Hofübergabe das Wohnrecht in einem Nebengebäude erhält, zogen sie um.

Nachdem die drei Jungvögel flügge geworden waren, überließen die Eltern ihnen den Horst und richteten sich auf dem benachbarten Sudhauskamin ein notdürftiges neues Nest aus Robinienzweigen her. Die besorgten sie sich aus dem Schwabgarten – übrigens laut dem mittlerweile verstorbenen Storchenvater Dr. Henkel das beste Material für einen Horst, da es nicht so leicht verrottet. Während einer der Altstörche meist auf dem Horst anzutreffen ist, ist der zweite auf Nahrungssuche und lässt sich bei der Rückkehr spät abends häufig auch auf den Kaminen des Gutshofs nieder. Die Jungen, die sich eher auf ihre Reise in den Süden verabschieden werden, sind derzeit noch im Nest. Es wird interessant werden, wie die Belegung im nächsten Jahr erfolgen wird.

Die Geschichte der Pirker Störche ist umfangreich. Schon in den 1950er Jahren brüteten die Großvögel auf dem Brauhaus. Sie blieben aus, als sie sich von der Betonschalung in Tag- und Nachtarbeit für den Bau des Kirchturms der neuen Auferstehungskirche Anfang der 60er Jahre gestört fühlten. Danach wurden immer wieder Störche auf dem Nest gesichtet, die aber nie blieben.

2002 wurde ein Weidenkorb aus Maxhütte auf dem Kamin angebracht und erstmals nistete dort wieder ein Storchenpaar und zog ein Junges auf. Nachdem ein Sturm den Korb heruntergeweht hatte, ließ die Familie Schwab 2006 einen neuen, von der Firma Koller, Schirmitz, aus Eiche gehobelten Korb anbringen. Zugleich wurde ein benachbarter großer Ast eines Kastanienbaumes entfernt, da die Störche durch Tierbewegungen, eventuell von Baummardern, immer wieder in Unruhe versetzt wurden.

2016 zog das Vogelpaar ein Junges auf. Im Jahr darauf überlebten drei von vier Jungvögeln, im vergangenen Jahr alle vier. Einer von ihnen war so zutraulich, dass er nicht nur im Garten herumspazierte, sondern sich auch ins Büro zur Besichtigung wagte.

Heuer erschien der erste Storch schon am 18. Februar, so früh wie noch nie. Der zweite folgte Anfang März. Viele Störche kreisten über dem Horst. Es kam auch zu Kämpfen. Vermutlich Anfang Mai – der Horst ist von oben nicht einsehbar – schlüpften im Abstand von etwa drei Tagen drei Junge und streckten ihre Schnäbel in die Höhe, auf ihre Nahrung wartend. Sie fressen das, was häufig vorhanden ist, hauptsächlich auch Heuschrecken. Im Juli begannen die beiden Eltern, einen neuen Nistplatz zu bauen.

Die positive Bestandsentwicklung bei den Pirker Weißstörchen führt Hermann Schwab auf Maßnahmen der Flurbereinigungsbehörde zurück. So wurde ein Weiher für die Tiere angelegt und die Landschaft mit Wiesenstreifen und Senken gestaltet. Allerdings wurde die Naturlandschaft zwischen Pirk und Luhe durch den Bau des Sportparks, einer Photovoltaikanlage bei Pischeldorf und das neue Gewerbegebiet in Luhe eingeengt.

Storchenfamilie (Storchenpaar mit vier Jungen) vom Juli 2018.
Blick auf den schnell errichteten Ruhehorst mit einem der Altstörche.
Neben dem Horst auf dem Dunstkamin des Gärkellers (links) baute das Storchenpaar einen eher notdürftigen „Austragshorst“ auf dem stillgelegten Sudhauskamin.
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