11.06.2021 - 15:11 Uhr
PirkOberpfalz

Traumjob Lkw-Fahrer: Robert Schreier hat Büro gegen Fahrerkabine getauscht

Robert Schreier hat sich einen Traum erfüllt: Vor vier Jahren gab er seinen Bürojob auf, um Lkw-Fahrer zu werden. Doch damit nicht genug. Mit viel Leidenschaft baute er seitdem den Lkw nach seinen Vorstellungen um.

Robert Schreier mit seinem Lkw "Lotte"
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

„Schuhe aus“, prangt am Einstieg der Mercedes Actros Sattelzugmaschine. Der extra angefertigte weiße Lederboden, in dem ein Mercedes-Emblem und die Unterschrift von Carl Benz eingeprägt sind, ist lupenrein sauber. Kein Härchen, kein Staubkorn – nichts. Robert Schreier schwingt sich auf den Fahrersitz seines Lkw, der von vielen liebevoll „Lotte“ genannt wird. Das Fahrzeug ist sein ganzer Stolz, das sieht man dem 56-Jährigen auch an. Wenn er über den blauen Riesen spricht, leuchten seine Augen.

Seit über drei Jahren ist Robert Schreier nun mit seinem Lkw „Lotte“ in ganz Deutschland unterwegs. 2017 hat sich sein Leben grundlegend verändert. „Ich hatte einen klassischen Bürojob, war in der Einkaufsleitung eines Unternehmens. Dann kam ein gesundheitlicher Schuss vor den Bug, meine Ärzte rieten mir zu einem stressfreien Job“, erzählt der Pirker.

110 000 Kilometer pro Jahr

Er traf die Entscheidung, seinen Bürojob aufzugeben und seinen Traumberuf zu ergreifen: Lkw-Fahrer. „Das hat mich schon immer begeistert. Ich habe bereits 1996 den Führerschein gemacht, aber bis dahin noch nie hauptberuflich damit zu tun gehabt“, sagt er. Inzwischen fährt er pro Jahr etwa 110 000 Kilometer für das Liebensteiner Kartonagenwerk, ist manchmal von Montag bis Freitag in seinem Lkw unterwegs.

Gewissenhaft legt Schreier den blau-weißen Vorhang mit der goldenen Aufschrift „Robert“ in seinem Lkw zurecht. „Jede Vorhangfalte muss passen. Muss ja schließlich nach was aussehen“, sagt er. Das Innere der Fahrerkabine ist gut ausgestattet: Bett, Kühlschrank, Kaffeemaschine. Klar, für Lkw-Fahrer ist es eher wie ein Wohn- und Schlafzimmer. „Ich kann nun auch ein zweites Bett nachrüsten, falls mich meine Frau mal begleitet. Das ist kein Problem“, erklärt Schreier.

Komplimente für „Lotte“

Jeder merkt sofort, dass Robert Schreier nicht nur Fahrer, sondern auch Fan seines Lkw ist. Das Fahrzeug ist an vielen Stellen modifiziert. An den Türen und an der Rückseite des Fahrerhauses sind zusätzliche Blinker angebracht, um Radfahrer und Fußgänger zu warnen. Die Front ist mit Lichtern bestückt, Bügel und Dachbügel komplettieren das Erscheinungsbild. Alle Modifizierungen sind mit dem Arbeitgeber abgesprochen. Schließlich gehört der Lkw dem Unternehmen. Schreier zahlt sie aber aus der eigenen Tasche. „Als Fahrer repräsentiere ich das Unternehmen, und es hat durchaus Vorteile, wenn der Lkw gut aussieht“, sagt er.

Er bekommt inzwischen viele Komplimente für „Lotte“. Auf die Frage, ob er nun zumindest regional so etwas wie ein „Promi“ in der Szene sei, sagt Schreier verschmitzt lachend: „Ich werde schon manchmal erkannt.“ 2019 nahm er auf persönliche Einladung von Kult-Trucker Andreas „Andal“ Schubert, der 2020 überraschend verstarb, am Oberland Truckertreffen „OTT 2019“ teil. „Das war für mich so etwas wie der Ritterschlag, denn er hatte bereits vielen anderen abgesagt, sich aber bei mir gemeldet und gesagt, dass er noch einen Platz für mich hätte“, berichtet Schreier stolz. Auch den Oberpfälzer Kult-Fahrer Sigi Reil, neben Schubert bekannt aus der TV-Serie „Asphalt Cowboys“, hat er in seiner relativ kurzen Lkw-Fahrer-Laufbahn kennengelernt.

Die Idee, irgendwann einmal beruflich Lkw zu fahren, hatte Schreier schon früh. „Als ich dann aber einen Artikel über einen Herzchirurgen aus der Schweiz gelesen habe, der seinen Beruf für das Lkw-Fahren aufgegeben hat, hatte ich mein Vorbild gefunden“, sagt Schreier. Damit meint er Dr. Markus Studer, der mit 57 Jahren noch den Beruf wechselte, um Lkw zu fahren. Die Geschichte zeigte Schreier, dass es nie zu spät ist, um sich seine Träume zu erfüllen. Ob er die Entscheidung 2017 ohne die gesundheitlichen Probleme auch getroffen hätte, kann er nicht beantworten. „Aber der Zeitpunkt hat damals einfach gepasst. Früher hätte ich es nicht gemacht, weil unsere Kinder noch nicht alt genug waren. Ich habe die Entscheidung bisher kein einziges Mal bereut und würde es wieder so machen“, sagt er.

Stressfrei durch ganz Deutschland

Dass der Beruf des Lkw-Fahrers nicht immer einfach ist und auch der Ruf manchmal nicht der beste, weiß Schreier. „Da habe ich schon Glück mit meinem Arbeitgeber, dass es eben recht stressfrei zugeht. Ich bin glücklich, wenn ich unterwegs bin. Wenn ich im Lkw sitze, bin ich die Ruhe selbst“, sagt er. Sicherlich sei der Job bei anderen Unternehmen oder Speditionen viel stressiger. Im Stau zu stehen oder sich mit dem Lkw durch den Straßenverkehr zu kämpfen, stresst ihn überhaupt nicht: „Ich genieße das Fahren einfach. Es ist gar kein Stress für mich. Das ist eine generelle Einstellung. Ich bin mit dem Lkw manchmal an Orten unterwegs, wo andere Urlaub machen, ob jetzt im hohen Norden oder am Alpenrand im Süden.“

Dass er keinerlei berufliche Vorerfahrung als Lkw-Fahrer hatte, sondern eher ein begeisterter Lkw-Fan war, störte seinen Arbeitgeber nicht. Fahren war kein Problem. Das Rangieren mit dem Lkw, der vollbeladen 40 Tonnen auf die Waage bekommt, musste er lernen. „Lotte“ trägt ganz klar die persönliche Handschrift von Robert Schreier. 3,5 Jahre alt ist der Lkw nun. Nach fünf Jahren wird er wohl einen Neuen bekommen, und auch dafür hat der Pirker schon Pläne. „Ich will ihn innen komplett ausledern lassen. Das wird wohl um die 6000 Euro kosten, und dafür spare ich schon jetzt“, verrät er. Fahren will er so lange, wie es gesundheitlich möglich ist.

Unterwegs mit der E-Bike-Streife in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Daten zum Lkw "Lotte"

  • Mercedes Actros Sattelzugmaschine
  • Lowliner
  • 450 PS
  • 14 Tonnen Leergewicht, zulässig bis 40 Tonnen

 

 

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