25.05.2021 - 14:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Unterwegs mit der E-Bike-Streife: Polizei Weiden tritt in die Pedale

Es ist noch ein ungewohnter Anblick: Beamte der Polizei Weiden sind auf E-Bikes, sogenannten Pedelecs, unterwegs und kontrollieren. Wir haben sie begleitet und sofort die häufigsten Vergehen der Weidener Radfahrer kennengelernt.

Die Innenstadt ist ein Schwerpunkt. Durch die Fußgängerzone ist für Radfahrer nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die grauen Sneaker des jungen Mannes sind durchgetreten. Die Gummi-Sohlen lösen sich langsam ab. Sie schleifen auf dem Gehsteig entlang, während er mit seinem weißen Mountainbike aus der Friedrich-Ebert-Straße in den Max-Reger-Park abbiegt. Weit kommt er nicht. Schnell bemerkt er die beiden Männer in den gelb-blauen Uniformen, die ihm gefolgt sind. Kurz bevor er den Park durchquert hat, wird seine Fahrt von ihnen gestoppt. Auf dem gelben Helm und dem in gelber Warnwestenfarbe und hellem Blau gehaltenen Oberteil prangt ein Wort: „Polizei“.

Für den Mai ist bei der Polizei der „Schwerpunktmonat für Radfahrende“ ausgerufen worden. Ein Konzepteinsatz, bei dem Radfahrer vermehrt kontrolliert werden sollen – unter anderem von Beamten, die mit Pedelecs unterwegs sind. „Wir hatten etwas Pech mit dem Wetter“, gibt Polizeihauptkommissar Johann Wurm zu. Abgehalten hat das die Weidener Polizisten aber nicht. Dann wird sich eben kurzerhand in einer Unterführung positioniert und dort kontrolliert. „Radfahren ist kein rechtsfreier Raum. Dieses Bewusstsein müssen wir schaffen“, sagt Wurm.

Polizeioberkommissar Uwe Schmidt und Polizeihauptmeister Thomas Nörl kontrollieren das Fahrrad des jungen Mannes. Die Bremse an seinem Mountainbike funktioniert nicht. Er verlangsamt daher notgedrungen mit den Schuhen. Es ist ihm unangenehm, er weiß, dass das nicht in Ordnung ist. Nach einer Ermahnung, weil er auf dem Gehsteig unterwegs war, bekommt ein Bußgeld in Höhe von 10 Euro. Erledigt ist der Fall damit aber nicht. Der Mann muss nachbessern. In zwei Wochen muss er nachweisen, dass er die kaputte Bremse an seinem Rad repariert hat.

70 Prozent ohne Helm

„Wenn wir so durch Weiden fahren, zeigt sich sofort, wo die Probleme liegen. Etwa 70 Prozent der Radfahrer sind ohne Helm unterwegs. Das ist nicht strafbar, aber ein Risiko. Kaputte Bremsen dagegen schon und die sind viel häufiger, als man denkt“, erklärt Nörl. Etwa 30 bis 35 Kilometer legen er und sein Kollege an einem Tag mit den Pedelcs zurück. Die meisten Unfälle von Radfahrern sind laut Statistik der Polizei selbstverschuldet. Ein klassisches Vergehen ist das Fahren in entgegengesetzter Richtung, also auf dem linken Gehweg. Da hat ein Autofahrer, der aus einer Ausfahrt kommt, manchmal gar keine Chance. Nur ein geringer Teil der Unfälle mit Fahrrädern passiert im fließenden Verkehr.

Polizeihauptkommissar Wurm drückt auf die Bremsen eines silbernen Fahrrades, das einer Dame gehört. Sie wollte gerade den Schlörplatz beim Finanzamt überqueren. Es tut sich gar nichts. Die Frau versucht erst gar nicht sich groß zu erklären. Glücklich wirkt sie über die Kontrolle nicht. Sie schiebt ihr Rad, das vorne und hinten mit einem Einkaufskorb bestückt ist, in Richtung des Polizeiautos. Auch sie bekommt ein Bußgeld. „Weder Vorder- noch Hinterbremse funktionieren bei dem Rad. Wenn sie eine Notbremsung machen muss, wird das nicht klappen. Sie wird das Rad nicht stoppen können“, sagt Wurm danach zu seinen Kollegen. Für das Risiko sich damit in den Straßenverkehr zu wagen, hat er kein Verständnis.

Bei der Polizei Weiden zeigt sich, dass gerade ältere Fußgänger sich über rücksichtsloses Verhalten von Radfahrern beschweren. „Gerade in Fußgängerzonen ist das ein Reizthema. Zwar dürfen die Radfahrer in Weiden hier durchfahren, allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit und das ist vielen nicht bewusst“, klärt Wurm auf. Durch den Trend zu E-Bikes verstärkt sich das Problem mit der Geschwindigkeit noch: „Natürlich ist es verlockend mit diesen Rädern schneller zu fahren, weil sie es eben können.“

Manipulation an E-Bikes

Thilo Rank tritt auf das Pedal des Polizei-Pedelecs und zeigt auf den Tacho – 50, 45, 40, 35 Pedalumdrehungen pro Minute. „Das ist ein Hinweis, dass nicht manipuliert wurde. Wäre herumgebastelt worden, würde es von 60 oder 50 direkt auf etwa 25 springen“, erklärt er seinen Kollegen. Rank muss es wissen, denn der Polizeihauptmeister ist der Experte in Weiden für manipulierte E-Bikes und Pedelecs. Über Fortbildungen hat er sich das technische Wissen geholt. „Jeder, der etwas handwerkliches und technisches Geschick hat, kann sein Rad manipulieren, dass es dann 50 statt nur 25 läuft. Gerade mit Hilfe des Internets ist das in wenigen Minuten erledigt“, sagt er. Bis fast 30 Stundenkilometer gibt es Unterstützung vom Antrieb der Polizei-Pedelecs, dann ist auch für die Polizisten treten angesagt.

Schmidt und Nörl drehen weiter ihre Runden um den Schlörplatz, durch den Max-Reger-Platz und die Weidener Altstadt. Zwei junge Männer sitzen im Park auf einer Bank. Einer dreht eine Zigarette. Die beiden Beamten stoppen kurz, schauen nach dem Rechten. Nach einem kurzen Gespräch mit den beiden Männern geht es weiter. Die Polizisten ernten immer wieder neugierige Blicke der Passanten. Die Resonanz aus der Bevölkerung ist insgesamt gut. Manche haben einen lockeren Spruch auf den Lippen: „Sportlich, sportlich, die Polizei“, ruft ihnen ein älterer Mann hinterher, der durch die Altstadt schlendert.

Die Polizisten auf zwei Rädern sollen Sicherheit vermitteln. „Sie sind eine Ergänzung zum normalen Streifendienst. Sie sind mobil und können kleinere Kontrollen und Einsätze übernehmen. Gerade in Parks ist das eine Hilfe“, erklärt Wurm. Die Beamten sind mit Dienstwaffe, Handschellen, Funkgerät und Verwarnblock ausgerüstet. „Wichtig ist, dass die Leute das Gefühl haben, dass die Polizei da ist. Das ist nicht zu unterschätzen“, sagt der Polizeihauptkommissar.

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