06.05.2019 - 18:15 Uhr
Plärn bei ErbendorfOberpfalz

Von der Blüte bis zum Brand

Apfel, Zwetschge, Mirabelle oder Quitte: Regionale Früchte werden in der Obstbrennerei "Unter der Linde" in Plärn bei Erbendorf zu Alkohol umgewandelt. Birgit und Stefan Schlötzer wissen, welcher Schnaps keine Kopfschmerzen bereitet.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Mit einem Karren fährt Stefan Schlötzer mehrere blaue Fässer über seinen Bauernhof. Sein Weg führt ihn zu der Destille seiner Frau Birgit. "Sie kümmert sich um die Produktion, ich helfe ihr", sagt er. In einem kleinen Nebengebäude befindet sich ihre Obstbrennerei "Unter der Linde". Hinter den Verkaufsregalen befindet sich ein separater gefliester Raum mit dem Brenn-Apparat von Birgit Schlötzer. Dort breitet sich der süßliche Geruch von Zwetschgen aus. Über einen Schalter fährt die Expertin einen Aufzug herunter. Auf die Abstellfläche hebt sie mit ihrem Ehemann Stefan eines der Fässer. Ihr Inhalt: Rund 150 Liter Maische. Der Aufzug fährt ein Stück nach oben. Mit Schwung kippt die 50-Jährige das vergorene Obst in die Destille.

Brennrecht für 300 Liter

Es sind die letzten Reste des vergangenen Sommers, die Birgit und Stefan Schlötzer in ihrer Schnapsbrennerei aktuell noch verarbeiten. Sie verwandeln auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb in Plärn bei Erbendorf regionales Obst zu klaren Bränden. "Wir bekamen die Destille 1993 für 20 000 Mark über eine Bekannte aus Krummennaab. Damals hatten wir noch keine Ahnung wie das geht. Heute ist es unser zweites Standbein neben unserem Milchkuhbetrieb", erklärt Stefan Schlötzer. Über Fachzeitschriften, Bücher und Kurse lernte das Ehepaar schnell das nötige Know-How. "Für weitere 2000 Mark holten wir uns ein Standard-Brennrecht für 300 Liter reinen Alkohol", erzählt Birgit Schlötzer. Doch das Ehepaar brennt nicht nur Schnaps für den eigenen Verkauf, sondern bedient auch über 100 Stoffbesitzer aus der Region. "Unsere Stoffbesitzer sind Personen, die das Obst aus ihrem eigenen Garten zu Maische verarbeiten und diese dann durch die Brennerei zu Schnaps weiter verarbeiten möchten." Durch die Einstellung des Brandweinmonopols 2017 könne jeder, der einen Obstbaum hat, selber einmaischen. Die Stoffbesitzer kommen aus den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/WN, Weiden und sogar aus Amberg-Sulzbach nach Plärn. "Wir sind ein Knotenpunkt. Die nächste Anlaufstelle befindet sich erst in der Fränkischen Schweiz", weiß Birgit Schlötzer.

Den Stoffbesitzern steht das Ehepaar mit Rat und Tat zur Seite: "Wir sind ständig mit ihnen im Kontakt, leiten sie an und geben Hilfestellung." Bevor gebrannt werden kann, muss das Obst vergären. "Dafür brauchen Stoffbesitzer eigene Fässer. Für einen guten Schnaps sollte das Obst sauber, gewaschen, reif und aromatisch sein", rät die Expertin. Bevor sie in den Behältern für acht Wochen gelagert werden, müssen die Früchte noch mit einem Muser zerkleinert werden. "Um den Zucker in Alkohol umzuwandeln, kommt eine Weinhefe und ein Enzym in die Fässer. Auf diese Weise werden die Pektine gespalten und die Masse flüssig."

Ist der Vergärungsprozess abgeschlossen, muss die Maische beim Hauptzollamt in Stuttgart angemeldet werden. Birgit Schlötzer unterstützt auch die Stoffbesitzer beim Ausfüllen der Formulare. "Alles wird genau kontrolliert. Zollprüfer schauen bei uns oder den Stoffbesitzern nach, ob die Angaben zur Menge der Maische, Obstsorte oder zum Brennvorgang stimmen." Rund eine Woche dauert es, bis die Genehmigung da ist. "Ich versuche immer zwei bis drei Tage hintereinander zu brennen."

"Riecht wie Uhu"

An ihrem Apparat zeigt Birgit Schlötzer, wie aus der Maische schließlich Schnaps wird. "Aus 150 Liter Maische werden zwei Liter Brand." Der Vorgang dauert zweieinhalb Stunden. "Das Ziel ist es, Vor-, Mittel- und Nachlauf sauber abzutrennen", betont Stefan Schlötzer. Die Maische wird im Brennbauch der Destille über ein Wasserbad erhitzt, wodurch Dampf entsteht. "Aus diesem Dampf bildet sich zuerst der Vorlauf: "Das ist Methylalkohol." Über einen extra Behälter fängt Birgit Schlötzer gekonnt die Flüssigkeit ab. "Das riecht wie Uhu."

Über ein Messgerät beobachtet sie, wie der Alkoholgehalt langsam abnimmt. "Ab 80 Prozent kommt der Mittellauf. Das ist der Schnaps, den wir wollen." Der Alkohol fließt über einen Zulauf in einen Eimer. Birgit Schlötzer beobachtet das Geschehen. "Solange die Flüssigkeit im Zulauf klar ist, fangen wir sie ab. Danach ab etwa 50 Prozent wird sie trüb. Dann kommt nur noch Fusel. Der verursacht nur Kopfschmerzen."

Volles Aroma

Im Nachgang wird der gewonnene Trinkalkohol noch gefiltert und verdünnt. "Unsere Brände haben zum Schluss 40 Prozent Alkohol. Wir füllen den hochprozentigen Schnaps in Körbe ab und lagern ihn fünf Jahre. Dann ist der Reifeprozess erst abgeschlossen." Dieser ist notwendig, damit sich das Aroma entfalten kann. "Gut Ding braucht Weile, so ist das auch beim Schnapsbrennen", sagt Birgit Schlötzer. Dennoch wird jeder Brand anders. "Wie ein Obstbrand schmeckt, hängt vom Standort der Bäume, der Qualität der Früchte, vom Lichteinfall oder den klimatischen Bedingungen ab." So war die vergangene Saison sehr gut für das Schnapsbrennen: "Wir hatten einen warmen Frühling und Sommer und somit viel Obst." Das spiegelt sich auch in der eigenen Produktion der Obstbrennerei wieder: "Wir haben für uns selbst 70 Brände herstellen können", sagt Stefan Schlötzer. "Das Obst kommt aber nicht nur von unseren Bäumen, sondern wir nehmen auch Streuobst aus der Region an."

Verarbeitet werden Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen, Quitten und auch Beeren. "Im vergangenen Jahr waren aber auch besondere Früchte wie Weintrauben oder Pfirsiche mit dabei." Nach Stefan Schlötzer sei ihre Produktion auch die konsequente Umsetzung des Volksbegehrens für Artenvielfalt. "Wir versuchen den Obstbäumen in der Region Sinn zu verleihen. Wir nehmen überschüssige Früchte, haben eine eigene Landwirtschaft und pflegen diese von der Blüte bis zur Frucht."

Geld und Schnaps für Obst aus Garten:

Wer als Stoffbesitzer sein Obst zur Maische vergären lässt, muss für einen Destillationsprozess (bis zu 150 Liter Maische entspricht einem Abtrieb) in der Obstbrennerei „Unter der Linde“ 45 Euro zahlen. Hinzu kommen noch weitere Kosten: „Wer Schnaps brennt, muss zusätzlich eine Alkoholsteuer beim Hauptzollamt in Stuttgart entrichten. Diese berechnet sich nach der jeweiligen Menge, die gebrannt werden soll“, sagt Birgit Schlötzer. „Dafür nimmt der Stoffbesitzer seinen eigenen Schnaps mit nach Hause und darf diesen sogar verkaufen.“ Personen, die im Sommer oder Herbst ihr Streuobst zu der Brennerei bringen, bekommen auch eine Entlohnung: „Sie erhalten von uns dafür Geld oder Schnaps.“

Hier erfahren Sie mehr über die Obstbrennerei „Unter der Linde“

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