Weihnachten fällt nicht aus: Nachfrage überrascht Oberviechtacher Krippenbauer

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Auch wenn der Advent sich heuer still und leise verhält: An Weihnachten liegt das Christkind wie immer in der Krippe. Gerhard Meller hat gut zu tun. In der Krippenbau-Werkstatt lässt er sich ein paar Tricks entlocken.

Gerhard Meller präsentiert eine fertig gebaute Krippe in seiner Werkstatt im Ortsteil Plechhammer.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

„Im Oktober hatte ich meinen Coronafrust“, berichtet Gerhard Meller. Der Hobby-Krippenbauer, der eigentlich das ganze Jahr über gerne bastelt, sperrte beim angekündigten Teil-Lockdown seine Werkstatt zu und arbeitete lieber im Garten: „Ich dachte, das wird heuer nix.“ Denn während sich bei ihm viele neue Krippen stapelten, wurden nach und nach alle Christkindlmärkte abgesagt. In normalen Jahren ist er die komplette Adventszeit beim Weihnachtsmarkt auf Schloss Guteneck vertreten sowie zusätzlich am ersten Dezembersamstag beim Kunsthandwerkermarkt im Oberviechtacher Museum.

"Getrocknet schaut es aus wie Glas mit Struktur."

Gerhard Meller verrät einige Geheimnisse vom Krippenbau

Die Sehnsucht bleibt

Doch es kam anders als gedacht. Ende November wurde der Krippenbauer mit Meisterbrief - die Prüfung legte er 2015 als einziger Oberpfälzer in Garmisch-Partenkirchen ab - von einer großen Nachfrage überrascht. Schnell war klar: Corona bremst zwar den Budenzauber aus, verändert aber nicht die Sehnsucht nach dem Glanz der "echten Weihnacht". Der 64-Jährige handelte schnell und baute die große Laternenkrippe mit Verkaufsschild halt zu Hause in Plechhammer auf.

Beim Besuch von Oberpfalz-Medien ist es knackig kalt und der Schnee knirscht unter den Schuhsohlen. Drinnen in der Werkstatt bullert das Feuer im Holzofen. Gerhard Meller poliert gerade mit dem Bandschleifer ein Stück vom kernfaulen Fichtenstamm. "Da kommt eine Krippe rein", erklärt er und zeigt auf ein fertiges Exemplar mit Rückwand und beleuchtetem Mond. "Der gibt Tiefe und ist derzeit der Renner", meint er lachend. Nach der selbst auferlegten Pause im Herbst, muss er jetzt ran und seine Bestände auffüllen. Auf dem Tisch steht ein Gerüst für eine alpenländische Weihnachtskrippe. Daneben gibt es jede Menge an Maschinen zu sehen: Kreissäge, Bandsäge Dekupiersäge, zwei Säulenbohrmaschinen, Bandschleifer und etliches an kleinerem Werkzeug.

Mit seinen Krippen bereicherte Gerhard Meller den Christkindlmarkt in Oberviechtach

In Leichtbauweise

Trotz schwerem Gerät: Die Krippen entstehen in Leichtbauweise und wiegen nicht viel. Den Rohbau, also die Grundkonstruktion, fertigt Gerhard Meller aus dünnen Fichtenhölzern, als Wände dienen Holzfaserdämmplatten. Wenn der Dachstuhl aufgesetzt ist, geht es an die Feinheiten. Die Schindeln splisst der Bastler selber. Die kleinen kommen aufs Dach, die etwas längeren werden als Fassadenbretter verwendet. Die urige Verschalung wird mit Schusternägeln erreicht, welche angemalt dicke Holznägel vorgaukeln.

Die Größenproportionen müssen stimmen, damit der Gesamteindruck am Ende passt. Deshalb verzichtet Meller auch aufs Heu für die Krippe, "das wäre viel zu groß und zerbröselt auch mit der Zeit". Er füllt den Heuschober am Giebel stattdessen mit einer Art Sisal, welches er von einer Polsterei aus Schönsee bekommt. Die Ziegelsteine, die das Fenster der alpenländischen Krippe umrahmen, sind kleine Stücke einer Lärchenrinde. Das täuschend echt wirkende Fensterglas ist eigentlich eine Verpackungsfolie, die er mit Uhu-Flüssigkleber bestreicht. "Getrocknet schaut es aus wie Glas mit Struktur", erklärt der Tüftler.

Krippen aus Plößberg in Regensburg zu sehen

Plößberg

Und auch der Holzstoß fällt nicht um: Die kleingesägten Haselnussstecken sind mit Heißkleber verleimt. Auch das Mauerwerk wirkt kunstvoll. Dieses entsteht aber nicht auf Gipsbasis. Ohne zu Zögern verrät Meller seine Putz-Spezialmischung: Er verrührt Holzleim und Wasser im Verhältnis von 1:4 und gibt dem Leimwasser dann Schlämmkreide, feine Sägespäne und Schleifmehl zu. "Das kann man gut verstreichen und auch einige Wochen aufbewahren." Mit Erdfarben werden abschließend Akzente gesetzt.

Schon als Kind schnitzte Gerhard Meller Schafe und Hirten. Aber ein Schnitzmesser findet man in seiner jetzigen Werkstatt nicht. "Ich baue nur die Krippen selber, die Figuren können sich die Leute dazukaufen." Natürlich bietet er diese auch mit Ochs und Esel sowie der Heiligen Familie an. Daneben gibt es Laternenkrippen in allen Größen, Höhlen- und Baumkrippen. Gelernt hat der Frührentner viele Tricks und Kniffe bei einer Krippenbauschule im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen. 2012 bekam er bei der Regierung von Oberbayern den Zuschlag für die vierteilige Ausbildung, die 2015 mit der Meisterprüfung endete. "Mit ausgezeichnetem Erfolg" ist auf dem gerahmten Zeugnis in der Werkstatt zu lesen. Zusätzlich belegte er einen Botanik-Kurs und einen Hintergrund-Malkurs. Sein Favorit ist eine Orientalische Krippenlandschaft, die als unverkäufliches Exemplar in der Ausstellung die Blicke auf sich zieht. "Die schaut so aus, wie die Häuser halt in Israel sind", fügt der Meister an. Am Heiligabend darf sie ins Wohnzimmer umziehen und dort bis Lichtmess (4. Februar) bleiben. Dann wird auch Gerhard Meller wieder seine Werkstatt einheizen und Nachschub für das Fest 2021 anfertigen. Dann hoffentlich wieder mit einem Verkaufsstand auf dem Christkindlmarkt. Aber wie sich die vergangenen Jahrhunderte zeigte, kann weder Armut noch Krieg noch der neuartige Coronavirus die Popularität dieser anschaulichen Darstellung der Weihnachtsgeschichte stoppen. Die Krippenbaukunst erlebte vor allem im 18. Jahrhundert in Österreich einen Aufschwung.

Erste Krippe für Tochter

Darüber und auch vieles über die Symbolik, die Stilepochen und deren Baumerkmale erfuhr Gerhard Meller im Theorieunterricht. Seine erste Krippe baute er aber bereits vor rund zehn Jahren ohne Meisterbrief. Diese hält jetzt Tochter Alexandra in Ehren.

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